Jun 2014 hastuUNI Nr. 55 0

Alles umsonst?

Universität Jena beschließt Kürzungen trotz Protesten

Foto: Christoph Worsch

Demo in Jena am 22. November 2013.

Foto: Christoph Worsch

Im November 2013 gingen 6000 Studenten, Mitarbeiter und Professoren in Jena auf die Straße, um gegen den Struktur- und Entwicklungsplan (STEP) zu protestieren, der einschneidende Kürzungen an Thüringens größter Hochschule vorsieht. Beschlossen hat ihn der Universitätsrat am Ende trotzdem – in nahezu unveränderter Form. Das bedeutet den Wegfall von 200 Stellen, darunter 30 Professuren. Betroffen sind alle Fakultäten, die Zukunft ganzer Studiengänge und Institute ist bedroht. Die Einsparungen ziehen sich bis ins Jahr 2020, der Tod in Jena kommt auf Raten.

Aber der Reihe nach: Am Anfang steht die Rahmenvereinbarung III, 2011 beschlossen durch die Vorsitzenden der neun Thüringer Hochschulen und das Finanzministerium. Der Step konkretisiert die dort vereinbarten Kürzungen. Problematisch an der Umsetzung war und ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Institutionen. Rektor, Universitätsrat, Senat und Fakultäten redeten entweder gar nicht miteinander oder aneinander vorbei.

Auf Druck des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) fabrizierte Rektor Klaus Dicke einen Vorschlag in Eigenregie. Dieser liest sich, als hätte das ungewollte Kind von Superwoman und Hulk seine Wut am Organigramm der FSU ausgelassen: Während etwa die Theologische Fakultät lediglich eine Professur verlieren sollte, wären es an der Philosophischen mindestens sechs. Zusätzlich sollten alle Junior-Professuren wegfallen und kleinere Fächer wie Kaukasiologie oder Slawistik im Universitätsverbund Halle-Leipzig-Jena aufgehen. Das Institut für Politikwissenschaft hätte – je nach Lesart des Entwurfs – vollends oder teilweise nach Erfurt ausgegliedert werden sollen.

Die im Februar beschlossene Version des Step besticht vor allem durch Bürokraten-Geschwurbel. So ist etwa von Synergieeffekten durch eine auf mehrere Standorte gestützte Gesamtkonzeption die Rede. Das heißt, die Universität wird sparen und schrumpfen, nur festlegen mag sich niemand. Praktisch: Der Step beinhaltet eine Klausel, durch die alle Beschlüsse bei veränderter Sachlage ausgehebelt werden können.

Rektor Dicke und Kultusminister Christoph Matschie drücken zwar ihr Bedauern aus, sehen jedoch die Zukunft der FSU nicht als gefährdet an. Tom Deufel, Staatssekretär im TMBWK, forderte, die Universität in Thüringen als ein sich ergänzendes System zu verstehen.

Die Proteste der Studenten sind derweil abgeflaut. Gegen den Beschluss des Step im Februar protestierten statt 6000 Menschen nur noch etwa 100. An den ersten Aktionen des »Bildungsstreik 2014« beteiligten sich noch 25 Hartgesottene.

Text: Niclas Seydack
Niclas ist Chefredakteur beim Akrützel, der Studierendenzeitung der Friedrich-Schiller-Universität und Ernst-Abbe-Hochschule Jena.

Über Gastbeitrag

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Erstellt: 27.06. 2014 | Bearbeitet: 27.06. 2014 20:33