Jul 2013 hastuINTERESSE Nr. 49 0

Zurück vom Auslandssemester – was bleibt?

Ein Rückblick auf meine Entscheidung, nach England zu gehen. Was war gut, was weniger, und was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Foto: Caroline Bünning

Pünktlich zum Sommersemester habe ich mich wieder in Halle eingefunden, mit vielen wunderbaren Erfahrungen, Eindrücken und Erinnerungsstücken sowie erfolgreich bestandenen Modulen von der Uni Newcastle im Gepäck.

Dass mir diese Module in Halle angerechnet werden sollten, hatte ich mir vorab extra noch formlos unterschreiben lassen, insbesondere für das Fach, über das die Erasmus-Partnerschaft nicht läuft. Ein bisschen Arbeit habe ich dann vor Ort auch in meine Essays und die Vorbereitung auf die Prüfungen gesteckt. Und nun werden die Module doch nicht angerechnet, und ich muss wegen zehn Leistungspunkten ein Semester länger studieren.

Was man so häufig über mit Auslandsaufenthalten verbundene Probleme hört, hat sich also auch für mich bewahrheitet, nachdem bis dahin wirklich alles super gelaufen war.

Viele haben mich dann gefragt, ob die Entscheidung, ins Ausland zu gehen, denn nun trotzdem noch richtig war, oder ob ich mein Auslandssemester jetzt als verlorene Zeit sehe.

Diese Frage hatte ich mir nie gestellt: England war für mich die absolut richtige Entscheidung. Sicher, akademisch ist es nun nicht optimal gelaufen. Aber es gibt ja noch viele andere Faktoren, wie die persönliche Entwicklung. Man lernt seine eigenen Horizonte kennen und kann diese erweitern. Ich sehe das Leben als eine Art Reise. Und England war für mich eine sehr gelungene Etappe auf eben dieser Reise. Eine besondere Etappe.

Ich würde sagen, ich habe in England Gelassenheit gelernt. Als ich nun hier in Halle damit konfrontiert wurde, dass meine Module nicht angerechnet werden, habe ich mich dann auch nicht groß aufgeregt. Ich habe mir stattdessen gesagt, dass Halle doch auch schön ist und dass ich dann eben ein Semester länger hier bin.

Auch mein Pünktlichkeitsempfinden wurde in England geprägt. Statt einige Minuten zu früh komme ich jetzt meist mit Stress und Eile Punkt viertel in der Uni an. In der Freizeit gestehe ich mir manchmal sogar einige Minuten Toleranz zu. Und wenn ich auf jemanden warten muss, stört mich das auch nicht mehr; darin wurde ich in England trainiert.

Foto: Caroline Bünning

Foto: Caroline Bünning

Und vor allem: Meine wundervollen Erinnerungen an die Zeit kann mir keiner mehr nehmen. Ob die Freundschaften halten werden, wage ich zu bezweifeln. Aber im Hier und Jetzt, beziehungsweise im Dort und Damals des Auslandssemesters hatte ich Freunde vor Ort, mit denen ich viel Zeit verbracht habe und die meine Zeit dort auch zu dem Besonderen gemacht haben, das sie war.

Selbst meine französische Mitbewohnerin, die das ganze Semester hindurch sehr vom Heimweh geplagt war, sagte zum Schluss, dass sie auf die Zeit in England doch positiv zurückblicke. Noch einmal würde sie diesen Schritt aber nicht machen. Sie hat einfach in der Zeit über sich gelernt, dass sie doch zu sehr an ihrem Umfeld hängt. Schon allein deshalb, und auch wegen doch schöner Momente und daraus resultierender Erinnerungen, betrachtet auch sie die Zeit keineswegs als verlorene Zeit.

Eine andere Frage wurde mir auch schon mehrfach gestellt, auch von mir selbst: wenn ich noch einmal vor der Entscheidung stünde, ins Ausland zu gehen: würde ich etwas anders machen als diesmal? Ja. Ich würde mich nicht für ein halbes, sondern für ein ganzes Jahr bewerben.

Über Caroline Bünning

Caroline Bünning
geboren 1992, bei der hastuzeit seit 2011 - Ich mag Sport, Sprachen, Reisen, ... und noch vieles mehr.

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Erstellt: 19.07. 2013 | Bearbeitet: 17.07. 2013 01:40