Okt 2013 hastuPAUSE Nr. 50 0

Warum Halle richtig ist

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Die Spardebatte an unserer Universität überstrahlte in den letzten Monaten vieles. Viele von Euch werden davon gehört und gelesen haben, als sie sich für eine Universität entschieden haben. Möglich, dass manche sich verunsichern ließen, ob Halle die richtige Entscheidung ist. Einige von Euch fragen sich das vielleicht sogar generell, unabhängig von Kürzungen und sparenden Politikern. Die Redaktion der hastuzeit nennt Euch hier in mehreren Beiträgen sehr unterschiedliche Gründe, warum Eure Entscheidung richtig war.

Begegnungen

Die Erkenntnis, dass Halle von nun an mein Zuhause sein würde, während ich meine brandenburgisch-kleinstädtische Heimat für immer verlassen hatte, kam mir, als nach dem Umzug in meine neue Wohnung das Auto meiner Eltern um die Ecke bog und in der Ferne immer kleiner wurde, bis es schließlich verschwunden war. Erst einmal natürlich ein seltsames Gefühl, aber ein ebenso befreiendes. Bei meiner Entscheidung habe ich vor allem studienbezogene Gründe gelten lassen; ich kannte hier keine Menschenseele, und der Coolnessfaktor der Stadt war mir herzlich egal. Mal ehrlich gesagt: Ich habe ja bis heute auch keine wirkliche Vergleichsmöglichkeit, und das ist gut so. Ich wusste einfach, dass ich hier ankommen würde, ganz einfach, weil ich es ja irgendwie musste.

Ich fühle mich in meinem Studium an der MLU richtig wohl, ein Umstand, für den ich sehr dankbar bin. Und obwohl ich Halle heute vor allem aufgrund der kompakten Größe der Stadt und dem leichten Underdog-Charme sehr schätze, sind es doch vor allem die Begegnungen mit vielen Menschen, die meine Zeit hier nachhaltig geprägt haben und mir in Erinnerung bleiben werden. Sie sind und waren es, die den zahlreichen ohnehin schönen Orten dieser Stadt ihre wahre Magie verleihen und mich auf meinem Weg ins Erwachsenendasein begleitet haben. In Halle habe ich viel ausprobiert, gelacht, erlebt, aber durchaus auch die eine oder andere weniger schöne Erfahrung gemacht, ohne dass ich auch nur eine Sekunde davon bereue. Kurzum: Ich habe gelebt.

Und so sehr ich Halle lieben gelernt habe, werde ich die Stadt verlassen, wenn mein Studentenleben vorüber ist. Zu sehr ist es mit dieser Stadt verbunden. Ich werde vieles mitnehmen, einiges zurücklassen und sicher auch mal kurz zurückkehren. Aber bis dahin bin ich froh, noch ein Weilchen Hallenserin zu sein.

Text: Julia Plagentz

Qualität

Ich liebe Halle. Und der weiter folgende Text wird keine Hymne oder Lobpreisung sein, nur was ich mir so überlegt habe, als ich mich entschieden habe, nach Halle zu gehen. Trotz der Kürzungen sind in Halle noch immer sehr starke und qualitativ hochwertige Fakultäten mit den verschiedensten Studiengängen im Angebot. Fakt ist: Die Qualität des Studiums in Halle ist ebenso hoch wie an den sogenannten Prestigeuniversitäten. Man hat die Möglichkeit der individuellen Kombination der Fächer, gute Lehrkräfte und mehr Zeit zum Lernen, weil man nicht unbedingt arbeiten muss, wenn man BAföG bekommt. Meine Freunde an den Universitäten in Köln, München und Frankfurt müssen arbeiten, weil die Förderung oft nur für die Miete reicht. Und hier hat man beides drin: hohes Niveau der Lehre und beste Bedingungen zum Lernen. Außerdem ist die Stadt weder zu groß noch zu klein, so dass jeder Student für sich immer eine Auswahl an Freizeitangeboten hat, weil es für jeden Geschmack hier etwas gibt.

Text: Valeria Sivtsova

Dreiviertel vier

Wenn es eine Sache gibt, mit der man mich auch nach drei Jahren Leben und Studieren in Halle noch kurz verwirren kann, dann sind das diese völlig abwegigen Zeitangaben. »Viertel vier«, »Dreiviertel zwei«, »komm um viertel neun vorbei«. Nicht selten gönne ich mir darauf eine kleine Diskussion, dass es ja »Viertel vor« und »Viertel nach« heißen muss.

Mit solchen Disputen outet man sich in Halle schnell als gebürtiger Wessi, auch wenn das »viertel« und »dreiviertel« durchaus nicht nur in Ostdeutschland angewendet wird. Solche Neckereien sind Spaß, doch hier und da merkt man doch, dass manches zwischen West und Ost noch im Argen liegt.

Fast alle von uns kennen heute nur ein Deutschland. Wenn Ältere von der Teilung sprechen, ist das für uns etwas Historisches. Und trotzdem, hier und da stößt man auf alte Vorurteile. Fast alle haben in gegenseitiger Unkenntnis ihre Ursache. Viele der neuen Erstis kommen sicherlich aus den sogenannten »alten Ländern«. Die meisten von Euch haben sich im Hinblick auf ihre Entscheidung, im Osten zu studieren, zuhause sicher den einen oder anderen Spruch anhören müssen.

Für manche Menschen ist »der Osten« immer noch irgendetwas Undefiniertes zwischen Platte, Soli und rechts. Eine echte Vorstellung haben eher wenige. Vor allem unter Halle kann sich kaum einer etwas vorstellen. Es ist dieses gegenseitige »Nichtkennen«, was immer noch zwischen dem endgültigen Zusammenwachsen steht. Alle, die mich hier besucht haben, waren von Halle positiv überrascht. Wir als Studenten und unsere Besucher transportieren so ein anderes Bild von Halle, bzw. »dem Osten« weiter. Genauso übrigens auch die vielen Erstis aus den »neuen Bundesländern«, die hier ebenso mit »Wessis« in Kontakt kommen und neue Erfahrungen nach Hause tragen.

Wir hier in Halle treffen als junge Leute aufeinander und lernen einander kennen. Wir erleben die Stadt. Viele von uns erleben die Vorurteile hier wie da, und wir sind in der Position aufzuklären. Wir schließen Freundschaften, besuchen die Heimatstädte unserer Kommilitonen und überwinden so Vorurteile, und ganz nebenbei sorgen wir dafür, dass aus Vereinigung endlich auch wieder Einheit wird. Ich möchte dazu aufrufen, dieses Erlebte weiterzutragen und dort, wo Vorurteile in Unkenntnis geäußert werden, ruhig einmal die eigenen Erfahrungen mitzuteilen.

Diese Möglichkeit, ein Zusammenwachsen in Halle mitzugestalten, ist schon etwas Besonderes und nicht überall möglich.
Mir gefällt in Halle vieles, und ich lebe gern hier, und es gibt andere und wichtigere Gründe, die für Halle sprechen, als der hier angesprochene. Dennoch, do wir schon mal alle hier beisammen sind, können wir ja auch das Weiterzusammenwachsen anpacken. So ganz nebenbei!

Text: Tobias Hoffmann

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 07.10. 2013 | Bearbeitet: 06.10. 2013 00:40