Feb 2013 hastuUNI Nr. 46 0

Verbesserungswürdige Situation

Die MLU Halle sei »nicht ausländerfreundlich«, meint der Ausländerbeauftragte der Universität. Was ist dran an dieser Behauptung?

Im Bürokratiedschungel durchzublicken ist nicht immer einfach. Es ist oft sogar sehr kompliziert. Woher bekomme ich welches Formular, und wem gebe ich es dann? Wer ist der Ansprechpartner wofür, und wo finde ich ihn? Auch Fragen, welche Module belegt und was für Prüfungen am Ende des Semesters abgelegt werden, sorgen stets aufs Neue für Verunsicherungen; nicht nur bei Erstsemestlern. Sind Anweisungen schon oft für deutsche Studenten kompliziert und unübersichtlich, wie fühlen sich dann erst ausländische Studenten?

Gerade in dieser Hinsicht seien internationale Studierende in einer schlechten Lage an der Universität Halle-Wittenberg. Das meinte zumindest der Ausländerbeauftragte der MLU, Prof. Jörg Kressler, in der Senatssitzung vom 14. November 2012. In einem Gespräch mit der Stura-Beauftragten für internationale Studierende Ana Real führte er aus, dass es schon Verbesserungen gegeben habe, es aber auch noch genügend zu tun gebe.

Viele Studien- und Prüfungsordnungen sind nicht in übersetzter Form zugänglich und wenn, dann höchstens auf Englisch. Das macht es für Studierende, die nicht so gut Deutsch sprechen, schwer zu erfahren, welche Anforderungen in ihrem Studienfach an sie gestellt werden. Auf dieses Problem kam auch der Stura zu sprechen, als Dr. Manja Hussner, die Leiterin des International Office, auf einer Sitzung vorstellig wurde. Sie erläuterte, die Prüfungs- und Studienordnungen seien derzeit in der Überarbeitung, weswegen Übersetzungen erst im Anschluss daran sinnvoll wären. Jedoch seien diese schwer durch die Zentralverwaltung finanzierbar und müssten von den Fakultäten selbst übernommen werden.

Aber auch in anderen Bereichen fehlen Übersetzungen. Sollte sich zum Beispiel ein ausländischer Student für ein Deutschland-Stipendium bewerben wollen, so werden ihm Steine bei den ersten Schritten, nämlich den Informationen zum Bewerbungsprozess, in den Weg gelegt. Folgt man weiteren Beispielen Kresslers, so scheint auch das Immatrikulationsamt Schwierigkeiten mit der englischen Sprache zu haben. Angeblich würde es E-Mails, die auf Englisch verfasst sind, nicht beantworten.

Ein anderes Problem taucht bei der Wohnheimplatzvergabe auf. Absagen für Bewerbungen auf einen Wohnheimplatz würden so spät herausgegeben werden, dass Bewerber aus dem Ausland schnell in Wohnungsnot geraten können. Sprache und Distanz erschweren eine Wohnungssuche aus dem Ausland um ein Vielfaches. Hier müsste die Situation der ausländischen Bewerber besser berücksichtigt werden, so dass diese mehr Planungssicherheit bei der Suche nach einer Unterkunft haben.

Abgesehen von diesen eher organisatorischen Problemen müssten ausländische Studierende jedoch zum Teil auch Bekanntschaft mit den Rechtsaußen-Einstellungen von 20 Prozent der Hallenser machen.

Es gibt auch positive Aspekte

Neben all diesen negativen Aspekten lässt sich auch Positives vermelden. So sei der Service bei der Stadt Halle und beim International Office verbessert worden. Auch gut zu bewerten sei das ASQ-Modul »Engagiert studiert«, das zusammen mit der Freiwilligen-Agentur durchgeführt wird. Hierbei arbeitet immer ein deutscher Student mit einem ausländischen Studenten zusammen. In dieser Konstellation werden dann verschiedene Projekte durchgeführt. Ziel dabei sei es, fachliches Wissen in der Arbeit bei gemeinnützigen Organisationen anzuwenden, zum Beispiel in den Arbeitsfeldern Ökologie, Kultur, Soziales und Bildung.

Über Kristina Wilke

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Erstellt: 08.02. 2013 | Bearbeitet: 02.02. 2013 01:02