Apr 2013 hastuINTERESSE Nr. 47 0

Streit der Ahnungslosen

Was passiert, wenn Leute verschiedener Fachrichtungen aufeinandertreffen? Bekanntlich hält jeder die eigene für die beste, aber wenn's dann auch noch um die Finanzen der Uni geht, dann gute Nacht.

Foto: Toni Birrer (Flickr, CC BY-SA 2.0, Link unter dem Artikel)

Foto: Toni Birrer (Flickr, CC BY-SA 2.0, Link unter dem Artikel)

Man kann ja vieles über die Uni behaupten, aber ganz bestimmt nicht, dass die Feindschaften der einzelnen Fakultäten nicht unterhaltsam wären. Da trifft man genug Naturwissenschaftler, die die philosophischen Fakultäten für nutzlos halten, und vice versa. Das ganze Geld sollte man doch viel lieber in eigene Forschungen und eigene Dissertationen stecken, »Wer braucht denn schon Philosophie?«, »Diese großfressigen Physiker sitzen nur faul da und glauben, sie können alles erklären – was kommt dabei rum? Nichts.« und weitere solcher Sätze werden von den Ahnungslosen durch die Nahrungsluke abgesondert. Klar, in eurem narzisstischen Kaspertheater seid ihr natürlich selber die wichtigsten, aber muss man denn so übertreiben?

Ein Gespräch, das ich jüngst erlebte, drehte sich um die Finanzen der Universität. Lukas, der Informatiker im 5. Semester, meinte, dass man das ganze Geld anders in der Uni verteilen sollte und das ja alles sowieso unfair wäre. So wie er rumheult, könnte er sich auch daran machen, »Hard Knock Life« zu singen, allerdings bezweif le ich gerade irgendwie, dass Lukas in den letzten Jahren an seinen Gesangskünsten gearbeitet hat, also verzichte ich lieber darauf, diesen Vorschlag laut auszusprechen. Wenn Lukas im Gespräch nicht schon innerhalb von drei Minuten zehnmal bewiesen hätte, dass er von Wirtschaftlichkeit weniger versteht als ein Fünfjähriger von Quantenphysik, würde ich ja nachfragen, wie er auf die Idee kommt. So wie es ist, nicke ich und beneide ihn um seine simple Einstellung: »Die anderen sind schuld«.

Der Philosoph – nennen wir ihn Philipp – verbringt dann das Gespräch damit, sich zu beschweren, dass er derjenige sei, der unter dem Ganzen zu leiden habe, und diese ganzen technischen Spielereien in der Physik für weniger genutzt werden, als sie eigentlich gut sind. Das Geld sollte nicht dahin fließen, wo es doch gar nicht gebraucht wird, etc. etc., das Gespräch dreht sich im Kreis, und ich überlege währenddessen, wie ich diese beiden Flachpfeifen möglichst elegant im nächsten Fluss versenken kann.

Natürlich hat keiner Ahnung, wovon er da redet, als ob sich einer der beiden auch nur ansatzweise über die Verteilung der Finanzen an der Uni informiert hätte. Müssen sie aber nicht – denn sie fühlen sich obligatorisch benachteiligt, das Gras ist auf der anderen Seite schließlich immer grüner.

Aber woher kommt diese grundlegende Feindschaft zwischen einzelnen Fakultäten eigentlich? Halten die sich wirklich gegenseitig für derart unnötig? Das kann man witzigerweise mit simplen Fragen ausschließen. Wenn man zum Beispiel den typischen Philosophiekritiker fragt, was das Fach eigentlich beinhaltet und was daran nutzlos sein soll, bekommt man eine zusammengestammelte Antwort, die eher auf prinzipiellen Hass als auf tatsächliche Kritik hindeutet. »Is halt so sinnlos so, weißte?« Da muss man sich schon das eine oder andere Mal fragen, ob man versucht, mit diesem Neandertaler zu reden, oder ob man gleich die Strafe für Totschlag in Kauf nimmt.

Nur dass man mich hier nicht falsch versteht: Man kann sich gern für sein persönliches Konzept einsetzen, allerdings ist »für ein Steckenpferd einsetzen« ein etwas anderes Konzept als »ein Steckenpferd nehmen und damit andere zusammenschlagen«. Vielleicht sollten das einige Leute mal berücksichtigen.

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Über Erik Müller

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Erstellt: 26.04. 2013 | Bearbeitet: 26.12. 2013 16:57