Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Sommer, Sonne, Strand … und Kürzungen?

Zum aktuellen Stand der Diskussionen und Proteste

Foto: Bertolt Marquardt

Foto: Bertolt Marquardt

Das Semester neigt sich dem Ende zu, die Klausuren rücken so langsam näher, wieder einmal wird schmerzhaft klar, dass keiner der Vorsätze vom Semesterbeginn die ersten Vorlesungswochen überlebt hat: Auch diesmal hat man nicht früher mit dem Lernen angefangen und auch nicht mehr mitgeschrieben. Wahrscheinlich ist der eine oder andere auch voll Vorfreude nach Klausurstress auf einen entspannten Sommer in der Heimat.

Die Kürzungsdebatte in Kultur und Hochschulen bleibt aber auch über die Sommermonate aktuell und wichtig. Nicht ausgeschlossen, dass die Politik die Abwesenheit vieler Studenten nutzen möchte, um ungeliebte Maßnahmen durchzudrücken. Gute Gründe also, Halle die kommenden Wochen nicht völlig auszublenden.

Was gibt es vom Hochschulbündnis?

Auch wenn man im Zuge des Hochwassers nicht mehr so viel gehört hat, die Kürzungspläne liegen weiterhin auf dem Tisch. Haseloff jedenfalls hat am 21. Juni in einer Regierungserklärung seinen Willen bestärkt, massiv zu kürzen. Nach wie vor geht es um 50 Millionen Euro bis 2025. Denkt und rechnet man diese Zahlen zu Ende, könnten in Halle allein für die Uni-Klinik und MLU 46 Professuren wegfallen (von aktuell 350). Bei der Burg Giebichenstein wären es noch mal acht.

Interessant und auch mehr als ein bisschen erschreckend: 2006 fielen in Halle nach Kürzungen von knapp 15 Millionen Euro die Ingenieurwissenschaften weg.

Von den neuen Kürzungen wären nach wie vor alle Institute betroffen, denn weniger Mittel für Tutorien, Praktika und die Lehre allgemein trifft uns alle. Gespart würde auch vor allem beim Bestand der Bibliotheken, Lizenzen für Zeitschriftenabonnements und direkt am Personal. Wo allerdings in diesen Fällen noch mehr eingespart werden soll, bleibt das Geheimnis der Landesregierung. An vielen Stellen jedenfalls geht man schon jetzt auf dem Zahnfleisch.

Zuletzt war in Magdeburg der »Zirkus Haseloff« aufgetreten – eine kreative Art des Protests anlässlich der Regierungserklärung seitens der Landesregierung. In Halle hängen derzeit an vielen Stellen außerdem Plakate mit Gesichtern von Profs, Studenten und anderen Betroffenen und ihrem Statement zu den geplanten Kürzungen. Darüber hinaus wurden und werden noch weitere Aktionen, die die Aufmerksamkeit wachhalten, geplant. So fand am 3. Juli nach Redaktionsschluss erneut eine Demonstration statt, los ging es am Stadtpark, und später wurde eine Kundgebung auf dem Uniplatz abgehalten. Mit dabei waren auch Betroffene aus Kultur und Bildung. Gefordert wurden unter anderem eine ausfinanzierte Hochschullandschaft einschließlich Universitätsmedizin und Studentenwerken, keine Reduzierung der Studierendenzahlen und keine weitere Kürzungen der Landeszuschüsse für die Kultur. Wie es nun im Sommer weitergeht, wird man sehen, die SPD-Fraktion geht zögerlich auf Distanz zu Haseloff und ihrem Parteigenossen Finanzminister Bullerjahn, Entsprechendes hatte sich schon früher angedeutet.

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.