Jun 2013 hastuUNI Nr. 48 0

Was macht der Prof auf dem Sofa?

Das neue Projekt »Sofaklub« der Interessenvertretung Lehramt sorgt für Gesprächsstoff

Moderator Korb und Professor Breidenstein.

Moderator Korb und Professor Breidenstein.
Foto: Christian Schoen

Professor Dr. Georg Breidenstein wirkt wie gemacht für die angenehm entspannte Atmosphäre des gemütlich eingerichteten Raumes im Hinterhof der Großen Steinstraße 30. Mit viel Kerzenlicht, orientalischem Teppich, den urigen Holzbalken und musikalisch unterstützt von der leichten Akustikmusik der Band »Moderate Bounce« konnte ein wirklich beruhigendes Wohnzimmerflair geschaffen werden. In ziemlich kitschigen, blauen Pantoffeln hat der Schulpädagoge auf dem blauen Korbsofa Platz genommen. Vor ihm sitzen rund vierzig gespannte Gesichter auf zusammengewürfelten Stühlen und Sesseln. Neben ihm Moderator Emanuel Korb, der sich ebenso nicht zu schade für ein Paar netter brauner Pantoffeln ist.

Es ist Dienstag, 20.00 Uhr, und das Prinzip schnell erklärt: Dozent sitzt einen Abend lang auf dem Sofa und berichtet, was das eigene Forscherherz höherschlagen lässt. Alles in netter, ungezwungener Runde. Eine völlig neue Idee. Erstmals wird Lehramtsstudenten und Interessierten die Gelegenheit geboten, sich gemeinsam über die wirklich wichtigen Fragen des Lehrerberufs auszutauschen, und zwar mit den eigenen Dozenten, die nicht nur Rede und Antwort stehen, sondern auch aktiv an der Vorbereitung des Projektes mitgewirkt haben. Selten haben Studierende die Möglichkeit, auf solche Weise einmal hinter die Fassade und in die Forschungsprojekte ihrer Dozenten an der MLU zu blicken. Den Anfang machte der Schulforscher Prof. Dr. Werner Helsper, der sich am 23. April mutig den eifrig fragenden Studenten stellte.

Heute soll es aber um die »Not der Notengebung« gehen, ein Thema, mit dem sich Breidenstein innerhalb seiner Forschung bereits seit Jahren intensiv beschäftigt. Zunächst einmal berichtet er aber von der eigenen Schul-und Notenerfahrung, seinem ausgiebigen, 16-semestrigen Studium und seinen heutigen Forschungsschwerpunkten.

Nach einer kurzen Pause geht es dann ans Eingemachte: Langsam werden die Fragen drängender, konkreter, und lauter werdendes Getuschel im Publikum brandet auf, es wird leidenschaftlich diskutiert. Von einer Seite wird ein »10-Punkte-Plan« für werdende Lehrer gefordert, nach dem diese sich dann richten könnten, um bessere Pädagogen zu werden. Von einer anderen wird dagegen schlicht angezweifelt, dass Schule ganz ohne Zensuren funktionieren kann. Prof. Breidenstein antwortet geduldig, kommentiert und argumentiert weiterhin fleißig für die Abschaffung von Noten in der Schule, ohne die Suche nach halbherzigen und schlussendlich wenig effektiven Alternativen. Er plädiert für ein Hinterfragen der hiesigen Zensurenpraxis sowie für mehr Offenheit bei Schülern, Studenten und Lehrern, von denen der Großteil bereits derart notengeschädigt scheint, dass ein Umdenken nur schwer vorstellbar ist. Nach gut zwei Stunden ist dann auch das letzte Gratis-Popcorn verspeist, und der gelungene Abend nimmt langsam ein Ende.

Organisiert wurde der Sofaklub von der Interessenvertretung Lehramt (kurz IV), die seit März 2012 besteht und sich momentan als Stura-Arbeitskreis um die Sorgen und Belange aller Lehramtsstudenten kümmert. Die Idee zum Sofaklub hatten die beiden Lehramtsstudentinnen Olivia Kleinfeld und Luise Trompke. Beide sind seit 2012 Mitglieder der IV, die erstmals instituts- und schulformübergreifend Ansprechpartner für alle Lehramtsstudierenden ist.

Ihre Hauptaufgaben sind die Erstsemesterbetreuung mit Beratung zum Studienablauf, Informationen zu den Praktika im Lehramtsstudium und den vielen Didaktiken der verschiedenen Fächer sowie die Vertretung der hochschulpolitischen Interessen der Lehramtsstudenten und die Beantwortung weiterer lehramtsspezifischer Fragen, mit denen nicht nur Erstis, sondern auch häufig höhere Semester zu kämpfen haben. Noch ist der Bekanntheitsgrad der IV überschaubar, in den folgenden Monaten soll sich dies aber mithilfe zahlreicher Projekte ändern.
Auch sollte der Sofaklub nicht ausschließlich als Veranstaltung für Lehramtsstudierende gesehen werden, auch Studierende anderer Fachrichtungen waren dabei. »Jeder ist uns willkommen, egal ob als Begleitung, aus Interesse am Thema des Sofaklubs oder auch einfach, weil die Idee gefällt.« so Olivia und Luise.

Die IV bietet außerdem bisher sehr erfolgreich Workshops an, ein weiterer wird am 28. und 29. Juni zum Thema »Theater im Geschichtsunterricht – vertiefende Arbeit zum Thema Holocaust« stattfinden.

Den dritten Sofaklub gab es am 21. Mai mit der Schulpädagogin Dr. Christiane Lähnemann, beim vierten und vorerst letzten wird sich dann am 11. Juni der pädagogische Psychologe Dr. Christoph Gallschütz die Ehre und den Studenten die seltene Chance geben, ihm (Zitat Sofaklub-Flyer) »Löcher in den Bauch zu fragen«. Karten gibt es bei der IV Lehramt im Institut für Physik am Friedemann-Bach-Platz.

Die bislang elf Mitglieder der IV, alle im vierten Semester, suchen übrigens noch dringend Mitstreiter, besonders aus höheren sowie niedrigeren Semestern und den Schulformen Grund-und Förderschule. Natürlich ist jeder Interessent herzlich willkommen, egal ob zum Mitmachen oder Reinschnuppern bei den öffentlichen Mitgliederversammlungen und während der Sprechzeiten (Montag 10.00 bis 12.00 Uhr, Mittwoch 16.00 bis 18.00 Uhr).

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Foto: Christian Schoen

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 12.06. 2013 | Bearbeitet: 12.06. 2013 21:54