Jun 2013 Termine 0

Pfingstbewegung in Argentinien

Montag, 24. Juni 2013, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Uniplatz

Religiöse Ungleichheiten? Soziale Klassenunterschiede und Religion in einer evangelikalen Massenbewegung Lateinamerikas
Jens Köhrsen (Uni Bielefeld)

Eine Veranstaltung des Alternativen Vorlesungsverzeichnisses, eines Arbeitskreises des Studierendenrats der Martin-Luther-Universität

Aus dem Veranstaltertext:

Oft wird angenommen, Religion sei eine soziale Sphäre, in der soziale Ungleichheiten keinen Platz haben. Soziale Klassenunterschiede – etwa in Form von Bildungs- und Einkommensunterschieden – würden wenn überhaupt nur eine sehr untergeordnete Rolle für die Praxis von Religion spielen. In der Erforschung von Religion und sozialer Ungleichheit zeigt sich demgegenüber, dass soziale Klassenunterschiede sehr wohl einen Einfluss auf die religiöse Praxis von Menschen haben. Doch wie wirken sich soziale Klassenunterschiede in der Religion aus? Auf welche Weise beeinflussen Klassenunterschiede die Wahl von Religion?
Diese Fragen werden im Vortrag am Beispiel der Pfingstbewegung in Argentinien erörtert. Die Pfingstbewegung ist eine evangelikale Erneuerungsbewegung, die sich im 20. Jahrhundert rasant in Afrika, Asien und Lateinamerika ausgebreitet hat und mittlerweile bis zu 600 Millionen Anhänger weltweit umfasst. Die Pfingstbewegung zieht mit ihrem religiösen Angebot besonders Menschen aus der „Unterschicht» an. Oft wählen sie diese religiöse Option, da sie sich von den Pfingstkirchen Hilfestellungen in schwierigen Lebenssituationen erhoffen. Zugleich versteht es die Pfingstbewegung wie kaum eine andere religiöse Gemeinschaft in Lateinamerika, kulturelle und religiöse Präferenzen der Unterschichten in attraktiver Weise aufzubereiten. Viele werden vom festlichen und stark emotionalen Charakter der Gottesdienste angezogen.
Demgegenüber steht die argentinische Mittelschicht, die sich von dem „Aberglauben» der Unterschichten abzugrenzen sucht, der Pfingstbewegung eher kritisch gegenüber. Trotz dieser Skepsis gegenüber der Pfingstbewegung partizipiert eine kleine, aber scheinbar wachsende Minderheit aus der Mittelschicht an der Bewegung. Diese tendiert meist zu bestimmten Formen des Pfingstlertums. So zeichnen sich die Pfingstgemeinden der Mittelschicht durch eine eher nüchterne religiöse Praxis aus, die sich an die allgemeinen kulturellen Standards der argentinischen Mittelschicht annähert und von der pfingstlichen Praxis der Unterschichten abgrenzt.
An den Unterschieden zwischen Unterschichts- und Mittelschichtspfingstlern zeigt sich, dass die religiöse Praxis oft durch die Klassenzugehörigkeit von Menschen gerahmt ist. In dem Vortrag werden diese Klassenunterschiede anhand von Beispielen aus der argentinischen Pfingstbewegung illustriert.

Erstellt: 20.06. 2013 | Bearbeitet: 20.06. 2013 10:11