Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Mit dem Messer gestrichen

Kommentar zur hochschulpolitischen Lage im Land

Gemeinsame Demo gegen Kürzungen in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales am 3. Juli.  Foto: Christoph Korb

Gemeinsame Demo gegen Kürzungen in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales am 3. Juli.
Foto: Christoph Korb

Bei der Recherche zu diesem Überblick wurde ich (wieder einmal) wütend. Es soll gespart werden, Gründe liegen in der Schuldenbremse, die für die Bundesländer in naher Zukunft greift. Ab dann ist es verboten, weiter Schulden aufzunehmen. Der Schuldenabbau ist ja im Grunde nichts Schlechtes, aber derart kurzsichtiges Sparen (ohne auf die Überlegung zu kommen, dass man auch Einnahmen erhöhen könnte) wie in Sachsen-Anhalt ist Wahnsinn.

Sachsen-Anhalt leidet an Einwohnermangel, es sind in den vergangenen Jahren viele Menschen weggezogen. Ich bin zum Studieren in dieses Land gekommen, habe mich in den vergangenen drei Jahren oft positiv überraschen lassen. Von der Schönheit Halles, vom Kulturangebot hier, von der Universität. Freunde, die mich besuchen, äußern unisono, dass ich mir hier eine tolle Stadt ausgesucht habe. Ich denke nicht, dass ich der Einzige bin, dem es so geht. Trotz der miserablen Vermarktung Sachsen-Anhalts und Halles kommen also auch junge Menschen nach Halle. Aber ob wir nach dem Studium hier bleiben? Wie kann eine Regierung ernsthaft denken, Menschen, junge Menschen noch dazu, im Land zu halten, wenn es genau dieser Generation das wegnimmt, was für sie das Leben hier ausmacht: Bildung und Kultur? Wie kann eine Regierung ernsthaft glauben, so eine Alternative zu sein zu anderen Bundesländern oder gar dem Ausland? Es geht doch um zukunftsfähige Politik im Sinne von Sachsen-Anhalt, davon ist aber nichts zu sehen. Überall wird ungeplant mit dem Messer zusammengestrichen, es wird also nicht einmal überlegt, strukturiert zu handeln, alles erscheint einfach nur dumm und kurzsichtig – und ist es auch. Es fehlt offensichtlich seitens der Landesregierung die Befähigung Politik zu machen, die auf die Zukunft ausgerichtet ist. Dazu kommt die Weigerung, logische, sinnvolle Pläne auszuarbeiten. Das gesamte Auftreten von Haseloff unterstreicht diesen Eindruck. Ein Ministerpräsident, der von einem Regierungssprecher überredet werden muss, auf einer Demonstration zu sprechen, jemand, der eine anerkannte Ministerin am Telefon entlässt, eine Regierung, die nicht einmal von ihren eigenen Fraktionen verstanden wird. Denn ob die SPD-Fraktion noch versteht, was Bullerjahn möchte, darf bezweifelt werden. Auch wenn es bitter ist, dass man auf eine Partei hoffen muss, die die Pläne anfangs mitgetragen hatte und nun – reichlich spät – anfängt, sich eigene Gedanken zu machen: Ein Umfallen der SPD-Fraktion wäre der Sache sicher nützlich.

All diese Landespolitik wird flankiert von einem hallischen Oberbürgermeister Wiegand, der zur Eröffnung der Saaleschwimmstrecke erscheint, bei den Kürzungen in Kultur und Universität seinen Mund aber nicht aufgemacht – oder wenn, dann an den falschen Stellen. Fraglich, ob dieser OB schon bemerkt hat, um was es für seine Stadt geht.

Insgesamt kann man nur feststellen: Nein, Sachsen-Anhalt, früher aufstehen tust du derzeit wahrlich nicht.

Über Tobias Hoffmann

Tobias Hoffmann
Tobias Hoffmann vermisste während seines Biochemiestudiums das Schreiben und Formulieren. Seit Anfang 2013 füllt er diese Leere durch Mitarbeit bei der hastuzeit.

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Erstellt: 14.07. 2013 | Bearbeitet: 27.05. 2014 20:47