Jul 2013 hastuUNI Nr. 49 0

Master ohne Bachelorarbeit

Warum man sich vielleicht doch mal mit den Hochschulordnungen befassen sollte

In diesem Jahr fangen circa 150 000 Studenten mit einem Masterstudiengang an, und ich bin einer von denen, die das eigentlich auch machen wollen. Da steh ich jetzt da und muss eine sechsmonatige Bachelorarbeit innerhalb von vier Monaten schreiben. Na klasse. Hätte ich nur nicht ewig auf der faulen Haut gelegen. Auf der anderen Seite: Das Prokrastinieren hat sich ja schon gelohnt, die Entspannung habe ich nach fünf Semestern auch mal verdient, und jetzt kann ich wieder topfit arbeiten.
Allerdings vergeht mir wieder der Spaß, wenn ich dran denke, dass ich die ganze gesparte Energie jetzt wieder schnellschnell verbraten darf. Die Qualität der Bachelorarbeit soll ja auch nicht drunter leiden. Bei jeder Seminararbeit wäre es mir auch halbwegs egal, dann kassiere ich eben für fünf oder wievielauchimmer Leistungspunkte eine nicht ganz so gute Note, Schwamm drüber. Aber es ist ja die verdammte Bachelorarbeit, da will man schon mal ein bisschen aus sich rauskommen und zeigen, was man so drauf hat. Auch weil es die erste Chance darstellt, wissenschaftliches Neuland zu betreten – und dem sollte man Respekt zollen.

Anscheinend ist diese ganze Aufschieberei auch bei meinem Kommilitonen ein Problem. Das kommt davon, wenn man mal keine Übungsserien oder anderweitig klare Ziele hat und selbstständig (er)arbeiten muss, für die Prüfungen lernen wir ja auch bloß auf den letzten Drücker. Kann man nur leider bei einer Bachelorarbeit furchtbar schlecht machen.

Mit keinen Erwartungen, aber zumindest ein bisschen Hoffnung also ab zum Studienberater. Der nette Professor hat mir schon ein-, zweimal aus der Patsche geholfen, also kann ich es wenigstens versuchen, auch wenn ich nicht wirklich dran glaube. Der sagt mir jetzt, das sei doch alles kein Problem. Und ich so »Hä?« Ich kann ja nur bis zum Masteranfang mit der Arbeit brauchen, oder? Und er so »Nö.« und erklärt mir, dass ich auch weiter im Master studieren kann, wenn feststeht, dass ich den Bachelor noch rechtzeitig bis zu einem Stichdatum – dem 31.12. – abschließen kann. Das Ganze würde auch gehen, wenn ich noch Prüfungen offen hätte, habe ich aber zum Glück nicht. Er erklärt mir alles im Detail und verweist mich auf die Bewerbungs- und Zulassungsordnung für Masterstudiengänge der MLU beziehungsweise das Hochschulgesetz von Sachsen-Anhalt. Ich denke mir: Toll, muss ich ja doch nicht wie ein Bekloppter ackern.

Als ich wieder zu Hause angekommen bin, schaue ich mir den ganzen Paragraphenwust mal an. Tatsächlich:
Aus der Bewerbungs- und Zulassungsordnung für die Master-Studiengänge und Master-Studienprogramme an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:

§ 9 Zulassung von Bewerberinnen und Bewerbern ohne Nachweis des ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses

(1) Bewerberinnen und Bewerber, die den Nachweis des ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses zum Zeitpunkt der Einschreibung nicht führen können, aber die Zugangsvoraussetzungen erfüllen und mindestens 2/3 der innerhalb des Gesamtstudiums zu erbringenden Leistungen nachweisen können, erhalten eine auflösend bedingte Zulassung mit der Bedingung, dass das Zeugnis bzw. die beglaubigte Kopie des Zeugnisses bis zum 31.12. des Jahres für das Wintersemester bzw. bis zum 30.06. des Jahres für das Sommersemester vorzulegen bzw. einzureichen ist.

Oder auf Deutsch: Mein guter Studienberater hat mich mal wieder aus dem Schlamassel befreit. Geil. Vielleicht hätte ich diese ganzen Ordnungen doch mal genauer lesen sollen, so hab ich mir umsonst den Kopf zerbrochen. Immerhin weiß ich’s jetzt und kann erst mal wieder beruhigt faulenzen …

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Über Erik Müller

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Erstellt: 15.07. 2013 | Bearbeitet: 13.07. 2013 22:42