Dez 2013 hastuINTERESSE Nr. 51 0

Marke Eigenbau

Drei Läden in Halle bieten die einzigartige Möglichkeit, sich auf verschiedenen Feldern mit professioneller Unterstützung und zu erschwinglichen Preisen auszuprobieren, egal ob beim Nähen, beim Schrauben am eigenen Rad oder beim kreativen Basteln und Bauen.

Fahrräder

Foto: Christian Schoen

Rad + Tat

In diesem Jahr wurde mir die Dynamostrippe rund acht Mal durchgeschnitten, da hilft so langsam auch das Flicken mit dem Isolierband nicht mehr. Eine neue Strippe muss her. Doch wo ist es günstig für uns Studenten? Im »Rad + Tat« begrüßt mich der Inhaber Sebastian Pohlig und werkelt gerade an einer Felge herum. Ich erkläre ihm das Problem, und er meint, für drei Euro zeigt er mir, wie man die Dynamostrippe austauscht und eine neue einsetzt. Momentan sind dort zwei Schüler für ihr FÖJ und der Inhaber, samt Kollegen, die mir dann helfen würden, tätig. Außerdem erzählt er mir, dass es den Laden schon seit 15 Jahren gibt. Drei Jahre davon stand der Laden »unter der Herrschaft des Fahrradies«, danach übernahm 12 Jahre lang die Jugendwerkstatt vom Bauhaus. Da diese aber zwei Mal in Insolvenz gingen, wurde Sebastian der Inhaber.

Wem es zu teuer ist, sein Fahrrad reparieren zu lassen, geht selber ans Werk. Hier stehen sämtliche Ersatzteile für einen kleinen Preis zur Verfügung: Reifen, Ketten, Lampen, Schutzbleche, Schrauben und noch mehr. Die Werkzeuge könnt Ihr für fünf Euro die Stunde benutzen. Komplizierte Sachen wie Federgabelwechsel oder Reparaturen an E-Fahrrädern sind nicht an der Tagesordnung. Zum Schweißen seid Ihr hier auch an der falschen Adresse. Da werdet Ihr dann an die Schlosserei um die Ecke verwiesen. Euren Drahtesel könnt Ihr hier auch loswerden, so dass sich nach einer Renovierung ein anderer Student das Rad kaufen kann. Selbst Fahrradschrott entsorgt das »Rad + Tat« umweltfreundlich.

  • Reilstraße 126, (0345) 522 67 56
  • Öffnungszeiten:
    Montag bis Freitag 10.00 bis 13.00 und 14.00 bis 18.00 Uhr
    Donnerstag 14.00 bis 20.00 Uhr
    Samstag 10.00 bis 13.00 Uhr
  • Selbsthilfe:
    Montag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr,
    Donnerstag bis 20.00 Uhr
  • http://www.rad-plus-tat.de/
Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

Eigenbaukombinat

Die Idee für den Verein existiert seit Februar 2012. Roberto Hoffmann hatte auf seinem Dachboden viele alte Holzmaschinen sinnlos herumstehen. Die wollte er unbedingt wieder nutzbar machen, auch für die Öffentlichkeit. Es sollte doch möglich sein, einen Ort zu kreieren, wo jeder gerne hingeht, um seiner Phantasie freien Lauf zu lassen, aber auch neue Freundschaften mit gemeinsamen Interessen zu schließen. Doch große, günstige, sanierte Räumlichkeiten für das »Eigenbaukombinat« zu finden war schwierig. Im Januar 2013 hatte er endlich Glück mit der Julius-Ebeling-Straße 9.

So war es nicht verwunderlich, dass neben dem Lager und der Küche zuerst die Holzwerkstatt entstand: Mit Hobelbank, Tischkreissäge, Handkreissäge, Tellerschleifmaschine, CNC-Fräse und noch mehr. Als Erholungszimmer dient die Küche. Hier kann Mittagessen gekocht, eine DVD in der Sofaecke angeschaut oder über die neuen Kursangebote an der Tafel diskutiert werden. Im selben Raum findet sich aber auch ein riesiger Glastisch, der gerne zum Nähen oder Stricken verwendet wird. Direkt daneben befinden sich: Sattlernähmaschine, Durchnähmaschine, Haushaltsnähmaschine oder Industrienähmaschine.

Wer fotografieren lernen will, wird nebenan oft in dem Fotostudio oder der Dunkelkammer arbeiten. Die Studenten betätigen sich auch gerne in der Metallwerkstatt, mal mit Schweißen, am Fahrrad herumbasteln oder mit der CNC-Fräse für Aluminium. Diese CNC-Fräse ist eine Eigenanfertigung vom Team des Eigenbaukombinats, in Zusammenarbeit mit der 3D-Druckerei. In dieser Abteilung finden Kunststudenten die Möglichkeit, mit Ultimaker 3D-Drucker, Ulticontroller-Steuereinheit, Rep-Rap Huxley 3D-Drucker und FabScan 3D-Scanner zu arbeiten. Hier findet sich immer ein Plätzchen für die Bachelorarbeit, man muss sich nur anmelden. Auch im Raum für Elektronik lassen zum Beispiel Informatiker ihrer Phantasie freien Lauf. Momentan werden dort Rennautos, Quadcopter und Drachen bearbeitet.

Dies war nur eine Auswahl an dem dortigen Zubehör. Es gibt jedoch sehr viel mehr auf der Internetseite zu finden. Wer eine Führung will, wendet sich an den anderen Vorstand Marian Kogler, um erst einmal einen Überblick zu erhalten. Wenn weder Roberto noch Marian da sind, hilft auch der dritte Vorstand Stephanie Weier weiter oder jemand anderes von den 45 Mitgliedern.

  • Julius-Ebeling-Straße 9
  • Öffnungszeiten:
    Montag 19.00 bis 22.00 Uhr
    Mittwoch 19.00 bis 22.00 Uhr
    Samstag 17.00 bis 22.00 Uhr
  • http://eigenbaukombinat.de/

Nähcafé

Janine Jonneg hat sich in der Richard-Wagner-Straße 11 ein gediegenes Nähcafé geschaffen. Im Vorgarten laden eine Bank und Café zum Ausruhen ein. Dies wird jedoch bald ausgebaut, damit dort mehr Platz ist. Im Innern findet sich Ware, von Kleidern über Broschen, Mützen und Beuteln bis zu Leggins von Janine selbstentworfen. Kaufen ist hier allerdings kein Muss. Studenten, die ihre Kleidung selber nähen wollen, sind gerne gesehen.

Wer schon alle Techniken des Modedesigns beherrscht, kann sich für eine Stunde alle Hilfsmittel für sechs Euro mieten, ein Tagesticket kostet 30 Euro. Für eine Woche muss der Student 80 Euro zahlen. Wer ein paar Fragen hat, zahlt für ein bisschen Hilfe 12 Euro. Falls ein Student keine Ahnung hat, bekommt er für 28 Euro eine professionelle Hilfestellung. An acht Nähplätzen kann genäht werden.
Als Nähmaschinen gibt es hier zwei Semi-Industriemaschinen, Overlock und eine Coverlock. Andere künstlerische Drucktechniken sind Siebdruck und Transferdruck. Die letzten Feinheiten finden auf dem großen Planungs- und Zuschneidetisch statt. Zusammen mit Christiane, die seit einem Jahr dabei ist, organisiert Janine auch Kindergeburtstage im Nähcafé. Nähkurse finden ab einer Personenzahl von vier bis fünf für 25 Euro pro Person statt.

Ein richtiges Café ist dies noch nicht, dazu ist die Kaffeemaschine zu klein, und es gibt auch keine extra Tischecke. Es ist eher wie eine Art Internetcafé. Das heißt, Ihr arbeitet dort und bekommt zur Aufmunterung ein heißes, braunes Koffeingetränk.

  • Richard-Wagner-Straße 11, (0345) 23 90 99 40
  • Öffnungszeiten:
    Dienstag 10.00 bis 19.00 Uhr, nach Anfrage auch länger
    Mittwoch Ateliertag/Werkstatttag
    Donnerstag 10.00 bis 16.00 Uhr
    Freitag Ateliertag/Werkstatttag
    langer Samstag nach Anfrage möglich
  • Termine für Nähkurse und weitere Informationen:
    http://naehcafe-halle.jimdo.com/
Illustration: Eva Feuchter

Illustration: Eva Feuchter

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Momentan unterstützt sie die hastuzeit als Freiwillige Mitarbeiterin.

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Erstellt: 09.12. 2013 | Bearbeitet: 17.03. 2014 18:05