Mai 2013 hastuPAUSE Nr. 47 0

Laufsteg ins Cinemaxx

Foto: Johanna Sommer

Foto: Johanna Sommer

An diesem Abend war der Nebeneingang des Charlottencenters von Blaulicht, Blitzlichtgewitter und von Fans an einem roten Teppich geschmückt. In deren Mitte standen die Hauptakteure, umringt von Journalisten, die Mikrofone unter ihre Nasen hielten. Die Gesichter der Schauspieler waren sehr verkrampft, da hinter dem Journalistenring die zweite Front aus Paparazzi mit Blitzlicht nervte. Zwei extrem helle Scheinwerfer umschmeichelten die stattlichen Figuren der beiden. Während die Hauptpersonen des Abends versuchten, allen gleichzeitig gerecht zu werden, schritten die anderen Gäste durch den Seiteneingang in die obere Etage. Dort genossen der ganze Stadtrat, Mitarbeiter des MDR und die Prominenten Sekt sowie Berge von Häppchen. Peter Sodann erinnerte sich dabei an die gemeinsame Schauspielzeit mit den beiden: »Zusammen waren wir gut und manchmal schlecht.«

So langsam kamen auch die Radiojournalisten in die obere Etage, deshalb hatten Jaecki und Wolfgang unten freie Bahn. Über den roten Teppich geschritten gelangten sie, nachdem alle anderen 400 Gäste ihren Platz im Saal gefunden hatten, auch zu ihren eigenen Plätzen. Wolfgang machte es sich in seinem Sessel bequem, Jaecki direkt neben ihm. Um die beiden Schauspieler standen drei Kameramänner, bereit, alles zu filmen, was wichtig war. Nun betrat Thomas Rath den Kinosaal unter Applaus. Mit seiner Tüte Popcorn setzte er sich neben Wolfgang. Die Reihe dieser drei Promis wurde von zwei Bodyguards beschützt, an denen sich aber alle Paparazzi für Thomas Rath vorbeischlichen. Er beachtete sie nicht und aß fröhlich sein Popcorn. Um die Stimmung zu erhöhen, gab es ein langes Musikerlebnis von unserem guten Händel. Dann erschien der Moderator Fritz Elstermann (MDR Figaro) vor der Leinwand. Neben dem Fernsehdirektor des MDR schmeichelte er dem Kommissarenduo für 50 Folgen und bedankte sich mehrfach dafür. In seiner Rede nannte er wichtige anwesende Persönlichkeiten, woraufhin die Kameramänner von Cornelia Pieper zu Innenminister Holger Stahlknecht rannten. Nachdem der Moderator mit der Aufzählung fertig war, betraten überraschend die Halloren Jens und Andres die Bühne. Sie ließen sich vom Moderator das Mikrofon hinhalten, weil dieser sich nicht anders zu helfen wusste. Die Halloren baten nun die Ehrengäste auf die Bühne zu kommen, um ihnen als Salzgabe die Hallorenkugel und das Hallorensalz zu überreichen. Die Halloren erzählten, dass sie sich freuen würden, wenn Wolfgang Winkler auch dieses Jahr zum Pfingstbierfest nach Halle kommt, »für ein, zwei Bier, wie letztes Jahr«. Dankend und etwas verwirrt verließ das Kommisarenduo auf Geheiß des Moderators die Bühne, während die Halloren stolz von der Bühne schritten.

Danach ging, worauf alle gewartet hatten, der letzte »Polizeiruf 110« endlich los. Ein Model fällt während eines Fotoshootings regungslos zu Boden. Nachdem nun auch Schmücke und Schneider den Tatort Ferropolis erreicht haben, warten die anderen Models hinter der Absperrung. Die Ermittlungen beginnen zusammen mit der Oberkommissarin Nora Lindner (Isabell Gerschke). Doch die Chefin der Models Sylvia Gregori und ihr Mann Paolo Gregori wollen zusammen mit Jérôme Bonnair (Thomas Rath) den Modelwettbewerb weiterführen und glauben, es war ein Unfall. Außerdem, so unschuldig waren die drei nicht. Sie verkauften einige Models unter der Hand nach Tschechien. Dorthin wurden sie mit einem Exklusivvertrag für Prag und Geld gelockt. Doch stattdessen landeten sie in einem Bordell, getarnt als Frauenhaus. Als Schmücke und Schneider den Fall aufgeklärt hatten, fuhren sie auf einem Boot in ihr Rentnerdasein.

Nach dem Film wurden die Hauptdarsteller vor die Leinwand gebeten, damit sie von Elstermann interviewt werden konnten. Auf die Frage hin, warum eigentlich beide Herbert heißen, kam die Antwort: »Weil es im Leben vorkommt.« Eine bessere Antwort wusste Jaecki Schwarz nicht. Als nächstes wurden die beiden nach dem Hund in zwei Folgen Polizeiruf gefragt. Jaecki beschrieb ihn wie folgt: »Der war klein, Oskar hieß er. Sah aus wie ein Mop. Man wusste nicht, wo hinten und vorne ist.« Spätestens hier wurde den Zuschauern bewusst, dass Winkler und Schwarz nicht nur im Polizeiruf diese Art von Humor hatten. Daraufhin kam Isabell Gerschke auf die Bühne, mit einem Alpaka aus unserem Bergzoo und seinem Pfleger Martin Böber. Gerschke stellte das Alpaka als François vor, und Böber fügte hinzu, dass es eine Haustierform ist, die von derselben Wildform wie das Lama abstammt. Außerdem seien Alpakas sehr ruhige und zutrauliche Tiere. Ob Herr Böber eine Beziehung zu dem Alpaka hätte, da es so zutraulich zu ihm war? »Ja, doch, wir sehen uns fast täglich.« Nun wurde das Kommissarenduo gebeten, François auf den Namen »Herbert zu Herbert« zu taufen. Aus einem goldenen Krug schöpften sie Wasser auf seinen Kopf. Schon war die Show vorbei, denn Böber führte das Tier wieder hinaus. Jaecki brüllte: »Tschüss Herbert!«

Der Moderator erkundigte sich nun nach Szenen, die die beiden überhaupt nicht mochten. Jaecki empfand es im Sommer bei Höchsttemperaturen immer als ärgerlich, wenn alle um ihn herum fast nackt waren und er im kompletten Anzug dastehen musste. Wolfgang sprach eine Regenszene an: »Das Bild gab mehr her, wenn wir im Regen das Haus beobachteten. Dann hatten wir eine schöne Mütze bekommen, damit wir auch richtig schön blöde aussahen.«

Eine gute Stunde waren die Schauspieler vor der Leinwand, während ein wichtiger Mensch nach dem anderen auf die Bühne gerufen wurde. Sie erhielten zwei Requisiten, eine Jacke und einen Trenchcoat. Der Innenminister bedankte sich für ganz Sachsen-Anhalt. Beide hätten als Werbebotschafter für die Region fungiert. Holger Stahlknecht schenkte ihnen einen Platz auf dem Titelbild der neuen Polizeizeitschrift. Als i-Tüpfelchen lud er die beiden im Sommer zu einer zweistündigen Rundfahrt mit der Wasserschutzpolizei und einem Glas Bier ein. Daraufhin äußerte auch Thomas Rath neben anderen Schauspielern auf der Bühne seine Meinung. »Die Mädchen müssen aufpassen. Sie müssen zu guten Agenturen gehen. Mädels, nehmt eure Eltern mit, hinterfragt alles und nehmt nicht alles an.« Zu guter Letzt erhielten die wichtigsten Teilnehmer eine ein Kilogramm schwere Hallorenkugel und die Hauptkommissare auch noch Blumensträuße. Nun durften sie noch ein letztes Mal Blitzlichtgewitter aushalten.

17 Jahre lang haben die beiden Schauspieler Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler für den »Polizeiruf 110« gearbeitet. In ihren Rollen Herbert Schmücke und Herbert Schneider haben sie die Zuschauer vor den Fernsehern in Spannung versetzt und mit viel Humor die Stimmung aufgelockert.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

Erstellt: 05.05. 2013 | Bearbeitet: 03.05. 2013 00:12