Mai 2013 hastuPAUSE Nr. 47 0

Hübsch aus Halle nach Berlin

Constanze Jugel, 19 Jahre jung, Gewinnerin eines Modelcastings und Studentin für Erziehungswissenschaft an der MLU, weiß, wie man sein erstes Semester gelungen beendet: als Model auf der Berliner Fashion Week.

Foto: Johanna Sommer

Von Designern in Haute Couture gekleidet. Umringt von Stylisten und in einer Reihe mit Micaela Schäfer (»Germany«s next Topmodel«-Kandidatin 2006). Eingetaucht in das Blitzlichtgewitter der Presse. Halle ist hübsch! Und zwar so hübsch, dass bereits nach Jena, Magdeburg und schließlich Berlin exportiert wird. Damit sind keine Lebensmittel gemeint, sondern Studentin Constanze, die für die Designerin Jeanette Schlenzig und die Modeschule Magdeburg »ins Rennen« ging. Auf dem Runway durfte sie ausgewählte Mäntel im Chic der 50er Jahre präsentieren und bot für die Eröffnung der Berliner Fashionshow einen gekonnten Start.

Aber erst mal zurück auf Anfang: Nicht nur eine große Tasche voller Accessoires waren am 19. Januar bei Constanze im Zug zur Berliner Fashion Week, ebenfalls eine Modelkollegin und hastuzeit, um sie für einen Tag von der »Maske« bis hin zum Laufsteg zu begleiten. Bereits um 8.00 Uhr früh ging es am Hauptbahnhof Halle (Saale) zur Landesvertretung Magdeburg in Berlin. Unter den neugierigen Augen der Passagiere gab es nach einem kurzen »Frühstück to go« ein Interview, inklusive Gefühlscheckup.

Etwas nervös, aber bereits sehr gekonnt gab uns Constanze einen kurzen Vorgeschmack über das, was uns an diesem Tag erwarten sollte. »Wenn wir angekommen sind, werden als erstes Proben der Choreographie stattfinden. Dann müssen wir in die Maske, dort bekommen wir das Makeup gemacht, und die Frisuren werden vorbereitet. Und dann bleiben zwischendurch immer noch ein paar Pausen, um etwas zu essen und ein wenig runterzukommen. Momentan bin ich noch entspannt. Das ist wahrscheinlich die Ruhe vor dem Sturm. Nachher wird wahrscheinlich die Nervosität hochkommen. Man hat ja Angst, dass man hinfällt, aber ich denke, dass alles gut wird.«

Im Zug knistert die Stimmung, wir sprechen noch ein Thema an, das sowohl schön als auch delikat sein kann: Gönner und Neider. Constanze darauf, in einer Mischung zwischen schmunzelnd und souverän: »Viele Kommilitonen von mir interessieren sich sehr für das Modeln und natürlich auch für die Fashion Week. Ich soll dann meistens erzählen, wie es so war, wen ich getroffen habe oder was es für Kleider gab. Da kommt man manchmal gar nicht aus dem Erzählen raus. Ich denke, dass es mit Sicherheit auch Neider gibt, aber die meisten meiner Kommilitonen freuen sich für mich.«

Foto: Johanna Sommer

In Berlin angekommen, nach einer Orientierung in den Räumen der Landesvertretung Magdeburg, geht«s gleich auf den Laufsteg. Anders als bei gewöhnlichen Schauen wird der Laufsteg unter heißen Songs wie »Bourlesque« von Christina Aguilera oder Imelda Mays »Johnny«s Got a Boom Boom« gerockt. Eine letzte Probe unter den kritischen Blicken des SAW-Moderators Frank Wiedemann, und dann geht«s auch gleich weiter in die Maske.
Unter greller Beleuchtung, dampfenden Lockenstäben und aussitzenden Models nutzt hastuzeit die Chance und will von Constanze wissen, was heute das Besondere an ihrem Styling ist. Unter geföhnten Haaren kommt die Antwort: »Das Besondere an dem Makeup ist der Stil der 50er Jahre. Sprich: der typische Lidstrich, Naturtöne für den Lidschatten und Lippen in Rosenholztönen. Alles sehr elegant.« Als das Styling dann fertig ist und mehr einem Kunstwerk als einem normalen Besuch beim Friseur und Kosmetiker gleicht, fragen wir uns natürlich, wie sich unsere hastuzeit-Leserinnen mit wenig Zeit möglichst professionell stylen können. Für ein Quickstyling empfiehlt Constanze Internettutorials: »Da werden auch knifflige Dinge wie ein perfekter Lidstrich gezeigt und erklärt. Damit habe ich mir auch viel angeeignet, und es ist praktisch, wenn man wenig Zeit hat.«

Zu guter Letzt das Glanzstück des Tages, das Outfit. Hierbei handelt es sich um einen Designermantel von Jeanette Schlenzig, dem das gewisse Etwas durch einen Petticoat gegeben wird. Kann man so ein extravagantes Designerstück auch auf dem Campus tragen? Ja, meint Constanze: »Ich würde den Mantel durchaus in der Uni tragen, aber ohne Petticoat, weil der verrät, dass es sich ja eigentlich um Haute Couture handelt, und das ist für mich weniger alltagstauglich.« Ob sie die Kleider, die sie beim Modeln trägt, auch behalten darf? Mit einem versteckten »Schade« gesteht sie uns, dass sie sich das schon wünschen würde, die Kleider der Modenschauen jedoch in aller erster Linie für den Verkauf gedacht sind und deswegen nicht verschenkt werden.

Nach einer Generalprobe, Styling und 50er-Dresscoat fehlt zum Glück nur noch ein Utensil: acht Zentimeter hohe Glitzerhighheels, die den Modelweg so glamourös wie möglich ebnen. Und »der Wahrheit« sah genauso aus. Glamourös, elegant, eben genau im Stil der 50er Jahre.
So gekonnt wie die Fashion-Show der Berliner Fashion Week mit Jeanette Schlenzig und deren Models begann, so gekonnt wurde sie auch beendet. Diese Ehre hatten Designerin Carolin Schmidt und Gastmodel Micaela Schäfer, die allen anderen noch mal zeigte, wie man mit ganz wenig Stoff viele Blicke auf sich zieht. Diese vielen Blicke wurden auch nach der Show untereinander ausgetauscht, denn nach der Arbeit kommt bekanntlich das Vergnügen. Und zwar in Form einer waschechten Aftershowparty mit allen Models, Designern, Presse und Promis. Eine glänzende Möglichkeit, den Abend bei einem prickelnden Getränk ausklingen und sich als den neuen Exportschlager von Halle (Saale) feiern zu lassen.

Über Sophie Groeber

Erstellt: 04.05. 2013 | Bearbeitet: 03.05. 2013 00:10