Okt 2013 hastuPAUSE Nr. 50 0

Google ma‘ auf Facebook

Es ist mein Gedächtnis, meine Art zu kommunizieren und Unterhaltung.

Illustration: Eva Feuchter

Wie war das Leben eigentlich ohne Facebook? Keine Ahnung. Facebook vertreibt die Langeweile, denn es unterhält uns.

Der Professor erzählt gerne langweilige Sachen, aber anstatt in der Luft rumzugucken, schauen die meisten auf ihr Handy. Sicherlich kann man nach hübschen Menschen Ausschau halten, aber die kann man nicht einfach ansprechen, man will ja den Professor nicht stören. Deshalb geht der Student online zu »Spotted: Martin Luther Universität Halle Wittenberg« und schreibt, dass er sie toll findet. Danach wird gechattet, Poker gespielt und im Status letztendlich hingeschrieben: »Die Vorlesung ist langweilig.«

Gegen Ende der Vorlesung macht die Studentin noch schnell einen Gruppenchat auf, um die Freunde zu fragen, was heute gemacht wird. Dank Touchen und Selber-online-sein erhält sie schnell und leise die Antworten. Danach treffen sich alle, um ins Café zu gehen. Da wird eifrig über die neuesten Nachrichten, die bei »HalleOn.de« stehen, geredet. Ein Pony wurde geklaut, der HFC hat gewonnen, oder es gab eine Razzia im Rockerviertel. Andere interessieren sich eher dafür, was die Promis heute so gemacht haben, denn deren Seiten können geliked werden, so dass man deren Fotos ebenfalls bewundern kann oder heiße Infos von der neuen Staffel erfährt.

Selbstverständlich redet man gerne untereinander über die eigenen Facebookprofile, warum es der einen schlecht geht, sie hatte es heute früh erst gepostet. Als nächstes kann man der guten Freundin noch mal persönlich zum Geburtstag gratulieren, das stand, zum Glück, im Geburtstagskalender und als Erinnerung in den Neuigkeiten. Der Kumpel ist gerade auf Jobsuche, wie er berichtet, und hat sich die Facebookaccounts der Firmen angeguckt. Zwei Firmen haben ihn besonders angesprochen, da hat er gleich seine Bewerbung als Chatnachricht abgeschickt und sofort die Antwort erhalten, er müsse sich gedulden, dann würden sie sich bei ihm melden. Bei dem anderen Kumpel hatte sogar schon ein Vorstellungsgespräch per Videochat auf Facebook stattgefunden, und sein Job fängt nächsten Montag an. Natürlich haben beide darauf geachtet, ihre Privatsphäre so einzustellen, dass die Arbeitgeber keine Peinlichkeiten zu sehen bekommen.

So vergeht langsam ein schöner Nachmittag. Jetzt schauen alle in ihren Veranstaltungskalendern, was am Abend los ist. Vielleicht ins Kino? Im Objekt 5 tritt heute noch eine gute Band auf. Findet in der Nähe ein Festival statt? Alle legen ihre Vorschläge dar. Zum Schluss entscheiden sie sich doch für eine Homeparty. Klick, klick, klick. Veranstaltung steht mit Uhrzeit, Treffpunkt via Google Maps, Wetteranzeige, und alle sind eingeladen. Jetzt wird noch festgelegt, wer was mitbringt. Die Wege trennen sich für ein bis zwei Stunden. Die Mädels hübschen sich auf, die Jungs stehen vor dem Alkoholregalen, und die Handys hängen an den Ladegeräten.

Die Party geht los mit gutem Essen und Getränken. Die Handys sorgen für Blitzlichtgewitter und rotes Aufnahmelicht, gespielt werden die neuesten Musiktrends von Musikseiten auf Facebook. Leider gab es bei der eingestellten Anzeige bei »Spotted« keine Kommentare von der Angebeteten. Was soll’s, der Alkohol hilft beim Vergessen.

Ein neuer Tag ist angebrochen. Der Kopf tut weh. Erst mal Kaffee kochen und schauen, was Facebook noch von der Party weiß. Bilder werden schnell geliked, kommentiert und Freunde darauf verlinkt. In den Neuigkeiten wird des weiteren eine neue Freundschaftseinladung angezeigt. Von einer Studentin aus Equador, die er auf der Feier kennengelernt hatte. Leider ist ihr Auslandssemester schon zu Ende, dafür können die beiden aber auf Facebook in Kontakt bleiben.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 19.10. 2013 | Bearbeitet: 18.10. 2013 11:20