Sep 2013 hastuUNI Nr. 50 0

Fritzchen versteht nur BAföG …

Die BAföG-Beratung des Studierendenrates erhellt so manchen Ahnungslosen

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Fritzchen schämt sich. Er studiert nun seit zwei Semestern in Halle. Irgendwie sind die Inhalte ihm aber zu komplex und überfordernd. Am liebsten würde er wechseln. Allerdings hat er die letzten beiden Semester ein bisschen getrödelt, zwei Prüfungen nicht mitgeschrieben. Jetzt hat Fritzchen Angst: Er ist auf die BAföG-Zahlungen angewiesen, doch wie wirkt sich da ein Wechsel des Studienfaches aus? Was, wenn das Amt merkt, dass seine Motivation seit dem letzten Semester Urlaub macht? Was soll er nur tun? Also beliest sich Fritzchen im Netz, die 68 Paragraphen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes sind dort problemlos einzusehen. Fritzchen versteht leider nur jedes dritte Wort. Ein Kumpel gibt ihm einen Tipp: »Geh doch mal zur BAföG-Beratung des Stura

Bei solchen Unsicherheiten und Fragen ist der Gang zu Jörg Kreutz unbedingt anzuraten. Der ehemalige Leiter des Amtes für Ausbildungsförderung hat Durchblick im Paragraphen­dschungel, kennt die ganze Bandbreite der Handlungsmöglichkeiten und lässt niemanden im Regen stehen. Dort erfährt Fritzchen, dass der Studienfachwechsel bis zum Ablauf des zweiten Semesters ohne Konsequenzen für die Auszahlung des BAföG problemlos möglich ist, es muss nicht einmal ein Grund angegeben werden. Er hat nochmal Glück gehabt.

In jedem Fall sollte der Wechsel allerspätestens bis zum Ende des dritten Semesters erfolgen. Hier fragt das Amt: Hätte der Grund für den Wechsel wirklich nicht früher erkannt werden können? Hier wird ein sogenannter »wichtiger Grund« gefordert. In den meisten Fällen ist dieser die »fehlende intellektuelle Eignung« des Studierenden. Das mag erst einmal hart klingen, ist jedoch ehrlich und vom Amt als Grund anerkannt.

Amtsdeutsch erscheint den meisten Studierenden wie eine hochkomplizierte Fremdsprache, die einschüchtert und oft dazu verleitet, den Behördengang sinnlos aufzuschieben und wertvolle Zeit zu vergeben oder sich dann in Ausreden und Entschuldigungen zu verstricken, die das Amt nicht interessieren und das Aus für die weitere Förderung bedeuten können. Entscheidend ist nicht nur der Grund selbst, sondern vor allem die Begründung. Diese muss knapp, präzise und ohne Widersprüche sein, damit sie glaubwürdig ist. Fünf bis sechs Sätze können schon ausreichen. Herr Kreutz berät und hilft bei der Formulierung einer solchen Begründung.

Das Ende des vierten Semesters stellt im Allgemeinen eine Grenze dar: Das Amt lässt nun kaum mehr Spielraum zu und fordert einen »unabweisbaren Grund«, den die wenigsten Studierenden vorweisen können. Wer sich nicht vorher ausreichend informiert und gehandelt hat, hat hier seinen Anspruch auf Ausbildungsförderung verspielt. Unwissen und Zaghaftigkeit haben schon einige Studierende ihre Förderung gekostet, ein Besuch der Sprechstunde von Herrn Kreutz hätte dies sehr wahrscheinlich verhindern können.

Was ebenso vielen unbekannt ist: Auch nach Ablauf der Regelstudienzeit ist das Beziehen der Förderung möglich, so denn die im Studium aufgetretenen Verzögerungen nicht selbst zu verschulden waren. Dazu gehören beispielsweise auch nicht bestandene sogenannte Aufstiegsprüfungen, die ein Weiterführen des Studiums behindern.

Nach § 48 Abs. 2 ist die Vorlage des Leistungsnachweises auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich, wenn zum Beispiel Gremientätigkeit oder Krankheit sowie das Nichtbestehen einer Aufstiegsprüfung einen Studienfortschritt nicht möglich werden ließ. Wer BAföG bezieht und wechseln möchte oder wohl die Regelstudienzeit überschreiten wird, sollte sich also unverzüglich informieren; ist der Ablehnungsbescheid erst einmal da, hat man einfach Pech gehabt.

Die Sprechzeiten der BAföG-Beratung im ersten Stock des StuRa sind während der Vorlesungszeit immer donnerstags von 14.00 bis 16.00 Uhr. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Zum Weiterlesen:
http://hastuzeit.de/2011/wie-funktioniert-das-eigentlich/
Bundesausbildungsförderungsgesetz, §7 Abs. 3, §15 Abs. 3 sowie § 48

Über Julia Plagentz

... studiert Englisch/Französisch auf Lehramt und verspürt schon immer eine Faszination für Sprache[n]. Seit Frühjahr 2013 lebt sie ihre journalistische Leidenschaft als Autorin und mittlerweile Redakteurin der hastuzeit aus.

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Erstellt: 20.09. 2013 | Bearbeitet: 20.09. 2013 19:38