Feb 2013 hastuINTERESSE Nr. 46 0

Die neue Art des Lernens

Viele Studenten sitzen in der Prüfungsphase vor vielen aufgeschlagenen Büchern und einer Kanne Kaffee, dabei sollen doch Smartphones, Tablets und Laptops uns das Leben leichter machen.

Smartphone und Co.: Ablenkung und Lernhilfe zugleich

Wir erinnern uns: Am Anfang war der Lerntyp. Der eine Grundschüler lernte von Anfang an mit seinen Augen. Die Kennzeichen hierfür waren, dass er alles Wichtige markierte und genau wusste, wo was steht. Ein anderer schrieb nie mit, da er nur durch seine Ohren lernte. Erkennbar daran, dass er gerne Selbstgespräche führte, um das Wissen zu behalten. Manch ein Grundschüler war sehr personenorientiert und hatte bessere Noten bei den Lehrern, mit denen er sich gut verstand. Dieser Lerntyp verabscheut Gruppenarbeiten und mag sogar den Einzelunterricht. Dann gab es noch diejenigen, die nur durch die Praxis lernten. Der letzte, der rhetorische Lerntyp zeichnet sich dadurch aus, dass er die ganze Zeit das zu Lernende mit einem Mitschüler besprechen muss. Dann gab es noch die, die gar keinen Lerntypen zuzuordnen sind. Erkennbar daran, dass sie kurz vor einer Prüfung am verzweifeltsten von allen sind.

Musik ist kein Trumpf

Ihr habt bestimmt schon oft gehört, dass Ihr Ruhe beim Lernen braucht. Während Eures Lernprozesses arbeitet nicht nur Euer Gedächtnis mit, sondern auch Euer Unterbewusstsein. Wenn Ihr in Eurer Prüfung sitzt, fällt es Euch schwerer, aus einem Reflex heraus das Wissen niederzuschreiben. Ihr erinnert Euch zuerst daran, welche Musik ihr beim Lernen gehört habt, und versucht darüber die Brücke zum Wissen zu schlagen. Im schlimmsten Fall bekommt Ihr noch einen Ohrwurm während der Prüfung. Ein Kommilitone hat stattdessen in Ruhe gelernt und kann sein Wissen nun mühelos niederschreiben, weil sein Unterbewusstsein ihn nicht auf andere Gedanken bringt.

Der zweite Ablenkungsfaktor ist Facebook und alle anderen Communities, die Eure effektive Lernzeit verkürzen. Zum einen behebt Ihr das, indem die entsprechenden Seiten gesperrt werden oder Freunde Euch sagen, dass Ihr offline gehen sollt. Zum anderen könnt Ihr in einen Wettstreit mit jemandem treten, der für dieselben Prüfungen lernen muss. Ihr entwickelt eine Checkliste mit denselben Lerninhalten. Pro Tag legt Ihr fest, was durchgearbeitet werden soll. Wenn jemand versagt, dann darf der Gewinner entscheiden, was er tun muss. So bleibt Euch der Spaß beim Lernen erhalten, und die Inhalte prägen sich viel besser ein, wenn man weiß, warum die Haare grün geworden sind.

Lernwerkzeug Handy

Der nächste Schritt lautet, sich einen Terminplaner zuzulegen. Dutzende kostenlose Apps machen dies möglich. Es wird alles eingetragen, was am Tag zu erledigen ist. Da jeder von uns Studenten sicherlich sehr viel zu tun hat, müssen auch kurze Zeitfenster genutzt werden. Für die Zeit im Bad, in einem Wartezimmer oder bis der Professor kommt, sollte auf dem Tablet der virtuelle Stichpunktzettel mit Eurem Prüfungsstoff erscheinen. Manche von uns rennen den ganzen Tag von A nach B. Dieses Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten könnt Ihr ebenfalls für passives Lernen nutzen.

Für eine Sprachprüfung können die Vokabeln passiv eingeübt werden. Mit einer Sprachmemo-App können Vokabeln auf das Handy gesprochen werden. Jetzt müsst Ihr nur noch Eure Kopfhörer aufsetzen, und es kann losgehen. Diese Methode funktioniert besser als das Karteikartensystem. Pro Tag kann ein Gehirn bis zu 30 Vokabeln aufnehmen. Ab und zu sollten die Vokabeln nicht nur gehört, sondern auch aufgeschrieben werden, um so auch die Rechtschreibung zu verbessern. Der nächste Weg ist, zuzuhören und die Vokabeln nebenbei zu lesen, zum Beispiel in der Straßenbahn. Außerdem ist es wichtig, am Tag zwei Tests, mittags und abends, durchzuführen, um zu schauen, was Ihr Euch passiv gemerkt habt und was nicht.

Auch eine Dauerschleife reicht für manche Vokabeln nicht aus. Für diese kann ein Merksatz erfunden werden, den Ihr auf Euer Handy sprecht; wenn es mehrere Vokabeln sein sollten, dann wäre eine Geschichte sinnvoller. Am besten ist es, wenn Ihr die Geschichte mit persönlichen Erinnerungen füllt. Sollte das auch nicht funktionieren, dann kann auch der Desktophintergrund eine Möglichkeit sein. Dazu einfach die Vokabeln in sehr großen Buchstaben aufschreiben oder noch das entsprechende Bild dazu malen. Dafür ist das Handy aber besser geeignet, denn so kann das Wort ebenfalls passiv gelernt werden, da wir alle in der Vorlesung mehrmals auf die Uhr gucken, um zu schauen, wann die Vorlesung zu Ende ist. Übrigens könnt Ihr diese Lernmethoden nicht nur für Vokabeln verwenden, sondern für jedes Prüfungsthema. Wer heutzutage lernen will, sollte also versuchen, alle Sinne und Synapsen anzusprechen.

Manchmal ist es jedoch so, dass wir 20 Bücher vor uns liegen haben, in der Hoffnung, dass sich das Wissen im Kopf festsetzt, ohne dass wir die Bücher anfassen. Auch hierfür gibt es eine Lösung. Es existieren sehr viele EBooks für Prüfungsthemen. Aber hier sind verschiedene Lernwege gefragt. Am besten bearbeitet Ihr das Buch auf dem Handy und auf dem Rechner. Das Handy bietet eine kleine Fläche zum Lesen, so lässt sich der Inhalt schneller einprägen. Beim Markieren des Textes solltet Ihr nicht zu viele Farben verwenden. Das Gehirn merkt sich anhand von wenigen hervorgehobenen Worten den Inhalt am besten. Manche Texte sind mit Bildern unterlegt, das heißt, man kann den Text abdecken und versuchen anhand des Bildes zu rekonstruieren.

Zu guter Letzt erstellt Ihr aus dem elektronischen Buch eine Mitschrift auf dem eigenen Tablet, was sich besser eignet als die handschriftliche Methode. Auf dem Tablet dauert es länger, und man muss sich mehr konzentrieren, aber der Stoff sitzt dann um so besser. Wer dann noch Glück hat und einen Film zu dem Thema findet, sollte sich diesen auch mehrmals anschauen, um das Wissen zu festigen.

Entspannt in die Prüfung

Wem das zu viel Arbeit ist und wer lieber die Vorlesung des Professors aufzeichnen möchte, kann das nur tun, wenn die Erlaubnis dafür vorliegt. Manche Vorlesungen bestehen dagegen einfach nur aus einer 400-seitigen Power-Point-Präsentation. So etwas kann auch das Langzeitgedächtnis überfordern. Hier ist es wichtig, dass Ihr ein System vor Augen habt, zum Beispiel durch eine Mindmap-App. Falls es zu der Vorlesung noch kein Inhaltsverzeichnis gibt, dann kann man eines per Mindmap erstellen. Danach fertigt man für jeden Unterpunkt eine neue Mindmap an.

Erfolgreich ist jeder Student nur dann, wenn er sich regelmäßig und wiederholend mit dem Stoff beschäftigt. Schließlich soll während einer Prüfung nicht lange über die Antworten nachgedacht werden, sondern das Wissen soll so schnell wie möglich abrufbar sein. Wir schauen in die Zukunft: Eines Tages sitzen wir entspannt in der Prüfung, weil wir uns tagelang per Skype oder Handy, über das Prüfungsthema ausgetauscht haben. Andere von uns haben auf ihre Tablets und Smartphones gestarrt, um sich den markierten Text einzuprägen. Ein paar Studenten hörten den ganzen Tag ihren eingesprochen Prüfungstext via Smartphone. Einige von uns tippten, markierten und nahmen auf, um sich in der Praxis alles einzuprägen.

Foto: Christian Schoen

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 03.02. 2013 | Bearbeitet: 25.04. 2013 18:08