Jun 2013 hastuINTERESSE Nr. 48 0

Der Zusammenhalt fehlt

Die Stadt Halle lässt keine klare Position erkennen. Ein Kommentar

Sehr geehrter Leser oder Leserin,

angesichts der Kürzungspläne des Landes in vielen Bereichen sollten wir zusammenhalten. Wenn wir untereinander anfangen zu streiten, wer die Kürzungen tragen oder wer seinen Job niederlegen soll, dann haben wir kein Zeichen gegen die aktuelle Politik von Bullerjahn und Haseloff gesetzt. Dann nehmen sie uns nicht mehr ernst, und wir hätten uns die Demonstrationen sparen können sowie die Petitionen. Ich bitte also auch Euch um Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, die von den Kürzungen betroffen sind.

Doch dieser Zusammenhalt fehlt in der Stadt Halle. Der Stadtrat ist sich uneins, und vom OB kommen keine eindeutigen Signale. Davon wird sich die Landesregierung kaum beeindrucken lassen.

Nehmen wir beispielsweise den Konflikt zwischen Oberbürgermeister Wiegand und dem Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH Rolf Stiska. Ende Mai meldete HalleSpektrum, dass Stiska seinen Posten nun räumen will: »Wiegand hatte Stiska in der Beigeordnetenkonferenz, einer städtischen Pressekonferenz, beim Abschlusskonzert des Generalmusikdirektors und letztmalig am Mittwoch in der Stadtratssitzung scharf angegriffen.«

Wie wirken wohl diese Streitereien zwischen Dr. Wiegand und Stiska auf die Politiker Bullerjahn und Haseloff? Es wirkt so, als ob deren Plan aufgeht: Dass wir uns nun selber gegeneinander ausspielen! Genau solche Artikel drucken die im Finanzministerium in Magdeburg aus und rahmen sie sich ein. Denn das ist ein Beweis dafür, dass sie gewinnen und nicht wir. Aber wir wollen doch, dass unsere Wirtschaft, unsere Universität und die jungen Menschen in dieser Stadt Halle/Saale bleiben. Deshalb müssen wir darauf achten, wie wir miteinander reden und miteinander umgehen. Die Medien, wie Zeitungen und Fernsehen, um die wir Studenten uns kräftig bemühen, nutzen wir, um zu zeigen, wie stark wir alle gegen die Kürzungen sind.

Es ist ein Haufen Arbeit, die Mitmenschen immer wieder zu motivieren, ein drittes und viertes Mal zu demonstrieren, geschweige denn, das alles zu organisieren. Ich höre oft genug: »Tun die Politiker dieser Stadt eigentlich auch was gegen die Kürzungen?« Die meisten Studenten fühlen sich machtlos. Es wäre sehr hilfreich, wenn auch Dr. Wiegand für unsere Sache kämpft!

Foto: Tobias Grasse (CC-BY-NC-SA)

Foto: Tobias Grasse (CC-BY-NC-SA)


Foto: HalleSpektrum

Foto: HalleSpektrum


Es ist bekannt, dass im Stadtrat auch Politiker sind, die ebenfalls einen Sitz im Landtag haben. Achten wir doch einmal auf Bernhard Bönisch. Auf der Demonstration am 30. April trug er einen Sticker von »Halle Bleibt«, bei einem Gespräch am Rande deckte er ihn jedoch ab. Bönisch-Land gegen Bönisch-Stadt, wie der Volksmund Halles es spöttisch erklärt. Dafür hatte sich Bönisch noch neben das Rednerpult gestellt, während Dr. Wiegand in der Menge verschwand. Zusätzlich lehnte unser Oberbürgermeister es ab, eine Rede zu halten. Selbst bei späteren Demonstrationen hielt er sich stark zurück. Im Gegensatz zum Magdeburger OB Dr. Trümper, der Reden hält, Interviews gibt, Manieren beherrscht und auf der Seite der Studierenden steht. Dr. Wiegand sollte sich ihn zum Vorbild nehmen.

In der Hoffnung, dass dieses Schreiben die gewünschte Wirkung erzielt hat, darf sehr gerne darüber öffentlich diskutiert werden.
Mit freundlichen Grüßen

Johanna Sommer

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 19.06. 2013 | Bearbeitet: 16.06. 2013 21:52