Okt 2013 hastuINTERESSE Nr. 50 0

Bachelorarbeit – der Weg dorthin

Vielleicht ist das Erstsemester nicht die beste Zeit, sich Gedanken über die Bachelorarbeit zu machen, aber früher oder später kommt sie ja doch …

Illustration: Han Le

Illustration: Han Le

Und dann gilt es vorbereitet zu sein, denn der Weg zur eigenen Bachelorarbeit ist lang und verworren. Er bedeutet vor allen Dingen erst einmal Laufarbeit und Zeitmanagement, wie eigentlich das gesamte Studium.

Was also muss man für Vorbereitungen treffen, um seine Bachelorarbeit schreiben zu können?

Die Suche

Dies ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich. Zunächst müssen natürlich das Thema und die Betreuungsdozenten feststehen. Bereits hier gibt es die ersten Unterschiede: Während in den naturwissenschaftlichen Fächern das Thema von den Dozenten vorgeschlagen oder gleich komplett vorgegeben wird, müssen Geisteswissenschaftler selbst ein Thema auswählen.
Generell ist es hier hilfreich, es sich nicht unnötig schwer zu machen. Selbst die originellste Idee kann am Ende gar nicht zum Fach passen. So gehören die Erzählmuster von Computerspielen nun einmal in die Medien- und Kommunikationswissenschaft, so interessant sie auch für den Literaturstudenten sein mögen, und englische Autoren gehen auch nicht, wenn man gerade zufällig Germanistik studiert.

Um sich nicht in waghalsigen Träumen zu verlieren, ist es generell hilfreich, sich einen Dozenten zu suchen, bei dem man schon einmal ein interessantes Fach durchgenommen hat, und das Thema entsprechend darauf abzustimmen. Einen originellen Eigenpart kann man dann immer noch einbringen. Generell sollten aber die gleichen Muster eingeflochten werden, wie sie auch bei Hausarbeiten üblich sind: Fragestellung, Methodik, Material und Sekundärliteratur sollten immer beachtet werden.

Der Antrag

Hat man ein Thema gefunden, geht dann aber erst mal der Papierkram los. Normalerweise geht man auf die Seite des entsprechenden Prüfungsamtes und schaut nach dem Formular »Bachelorthesis«. Dieses kann man (teilweise) noch am Computer ausfüllen und ausdrucken. Ist auf dem Dokument der buchstabengetreue Titel der Arbeit eingetragen, so kann man damit zum Erst- und Zweitprüfer und schließlich zum Prüfungsamt. Dort wird die nötige Punktzahl überprüft, die man bereits erbracht haben muss – 120 LP braucht man üblicherweise.

Wenn alles stimmt, wird das Dokument Ende des Monats dem Prüfungsausschuss vorgelegt, und man bekommt Anfang des nächsten Monats die Bestätigung zugeschickt. Dann hat man drei bis vier Monate Zeit zum Schreiben. Gute Planung ist dabei das A und O, denn es gilt eine Menge Bücher zu lesen und zu exzerpieren: manche wird man nur in der Fernleihe bekommen und andere nur als E-Book zum kostenpflichtigen Herunterladen. Es ist sicherlich nicht einfach, das Ganze mit einem geregelten Privatleben unter einen Hut zu bringen. Dennoch sollte man sich gelegentlich eine Pause gönnen und auch mal etwas lesen, was nicht zum Studienstoff gehört – ansonsten könnte einem generell die Lust am Arbeiten vergehen.

Die Verteidigung

Ist man lang genug wie ein Geist durch die Bibliothek geschwebt, hat man den Bachelor dann aber in der Tasche, richtig? Nicht ganz – in manchen Fächern (speziell in den naturwissenschaftlichen) muss man seine Bachelorarbeit noch in einer Art Kolloquium vor einem Fachpublikum verteidigen. Diese Veranstaltung geht zu einem Drittel in die Bachelornote ein. Hier macht es sich bezahlt, wenn man bei der Erstellung der Arbeit genau gearbeitet und sich auch mal den Rat der Betreuer eingeholt hat – grobe Fehler und Unsicherheiten können so meistens im Voraus verhindert werden.

Diese Veranstaltung sollte generell gegen Ende des sechsten Semesters stattfinden. Hat man aber aufgrund von Uni­stress, fehlender Inspiration oder schlicht mangelnder Information erst später zum Prüfungsamt gefunden, muss man notwendigerweise noch ein, zwei Monate an das laufende Studium dranhängen und ein neues Semester anfangen.

Die Verlängerung

Doch auch in diesem Fall heißt es »Nicht verzweifeln!« Sollte man bereits BAföG beziehen, kann man vom Studentenwerk eine Studienabschlusshilfe bekommen. Auf diesem Dokument, das man neben dem normalen BAföG-Antrag einreicht, kann man vom Prüfungsamt bestätigen lassen, dass sich das Studienende noch um ein paar Monate hinauszögert, und erhält damit weiterhin BAföG. Kann man als Verzögerungsgrund Krankheiten oder außerstudentisches Engagement vorweisen, bekommt man zudem weiterhin den normalen Betrag aus unverzinstem Darlehen und zurückzuzahlendem Beitrag.

Und wer sich jetzt noch Sorgen um den Anschluss an den Master macht, der sei an die letzte Ausgabe und den Artikel »Master ohne Bachelorarbeit« erinnert: Solange man bis Dezember die Arbeit ausgewertet hat, ist auch das Nebenbeistudieren im Master noch möglich. Der Weg zum Bachelor mag also verworren und schwierig sein, aber er muss ja auch nicht zwangsläufig schnurgerade sein.

Über Martin Wohlgefahrt

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Erstellt: 08.10. 2013 | Bearbeitet: 06.10. 2013 00:58