Feb 2013 hastuPAUSE Nr. 46 0

Alice im Pharmaland

Am 16. Januar feierten die Pharmazeuten den Pharmafasching. Mit einem zweistündigen Programm begann im Urania die Party.

Viele Studenten haben sich passend zum Motto verkleidet; gut erkennbar an der Riesenschlange, in der die Feierwilligen mitunter eine halbe Stunde anstehen mussten. Alle sind gut gelaunt und manche schon leicht betrunken. Gegen 21 Uhr fängt eine kleine Band an zu spielen.

»Moschuskrautgewächse«, das sind fünf Studenten, die auf ihrem Schlagzeug, Keyboard und elektronischen Instrumenten wie Bass, Gitarre und Geige spielen. Sie läuten mit ihren schönen, einprägsamen und sich wiederholenden Rhythmen das Schauspiel ein. Passend zum Pharmaland gibt das Keyboard dissonierende Töne von sich.

Die Einführungsrede hält Christian Müller, verkleidet als verrückter Hase. Er präsentiert den Studienablauf der Pharmazie mit kleinen Witzen und in Reimform. »Im zweiten Semester wurden Pflanzen seziert und dabei manchmal Daumen massakriert.« Nach seinem letzten Reim (»Lasst uns die Becher heben. Prost!«) heben aus der hinteren Reihe gefühlte hundert Menschen ihre Bierplastebecher und grölen ihm zustimmend zu.

Da gibt’s doch auch was von …

Nun ist auf zwei Leinwänden ein kleiner selbstgedrehter Film zu sehen, der mit Hilfe von Dr. Simon Drescher entstand. Alice, gespielt von Marie Leps, befindet sich in einem pharmazeutischen Labor und versucht nach Anweisung des Protokolls etwas herzustellen. Die Anweisung war aber fehlerhaft. Währenddessen rennt Lisa Hadlich als Grinsekatze herum und macht das Labor dreckig. Der Professor lässt Alice alleine und sagt ihr, sie solle alles aufräumen. Plötzlich erscheint der Hase und springt in einen Abzug. Alice springt hinterher und landet im Nebel neben dem Hasen auf der Bühne des Urania.

Dort treten sie zu einer Tür, aus deren Loch der Wächter vom Pharmaland, gespielt von Florian Weber, hervorschaut: »Ey, du kommst hier nich rein.« Alice darf nur eintreten, wenn sie eine Chemieexpertin schlägt. Dazu wird Dr. Hilgeroth auf die Bühne gerufen und Studentin Kathrin aus dem ersten Semester. Dr. Hilgeroth und der Hase sollen ein Periodensystem anhand von Spielsteinen schneller aufbauen als Alice und Kathrin. Zu Tetrismusik, die immer schneller wird, gewinnt schließlich Alice mit Kathrins Hilfe. Daraufhin verlassen Kathrin und Dr. Hilgeroth die Bühne wieder.

Alice bekommt vom Hasen einen Kittel und eine Brille, damit sie sich ins Pharmaland begeben kann. Doch leider ist sie noch zu groß für die Tür. Sie schluckt Ratiopharm von der Grinsekatze und verwandelt sich nach viel Nebel in eine männliche, noch größere Alice. Doch nach dem richtigen Schrumpfmittel geht die Reise endlich los. Alice und der Hase kommen ins Land der Organikraupen. Während Alice mit den Organikraupen zu Discopogo tanzt, verschwindet der Hase für kurze Zeit von der Bildfläche. Etwas später, nachdem Alice die Drogen ablehnt, die ihr die Raupenkönigin anbietet, kommt die nächste Tanzeinlage. Die Raupenkönigin verwandelt sich in einen Schmetterling und trägt passend zu der Liedzeile »Spring, spring, spring …« ein extrem enges Oberteil, das die Brust zur Freude des männlichen Publikums nur knapp bedeckt.

Einen im Tee

In der nächsten Szene tritt der Merkhase auf, er sitzt mit dem verrückten Pillenmacher an einem großen Tisch. Sie trinken Tee, der mit Drogen versetzt ist. Alice erfährt, dass der Merkhase die ganzen Drogenkreationen des Pillenmachers testen musste. Nun zeigt der Merkhase beeindruckende Zuckungen und fällt auch einmal bewusstlos vom Stuhl, nachdem er eine Kreation aus Wasser, Lebertran, Ingwer, Eichenrinde, Sennesfrüchten und Vitaminen probiert hat. Alice probiert auch einen komisch schmeckenden Keks. Alles wird nach der »Bad Manufacturing Practice«-Regel angefertigt.

Zur »Teeparty« werden Prof. Dr. Rahfeld und die Studentin Stephie aus dem zweiten Semester auf die Bühne gebeten. Stephie hat sich mit acht weiteren Studenten zusammen als Raupe verkleidet. Die Studenten setzen sich Augenbinden und Kopfhörer auf, genauso wie die Professorin. Alice verteilt die Substanzen, und der Pillenmacher moderiert. Auf den Leinwänden werden die Substanzen als Mikroskopieansicht gezeigt, damit die Zuschauer mitraten können. Bockshornsamen, Bärentrauben und Sternanis sind sehr schnell erraten. Während der Merkhase sich hinter den Kulissen übergibt, erscheint der verrückte Hase wieder auf der Bühne.

Kostüm und Tanz

Alice setzt ihre Reise fort und trifft auf zwei Wächter der Herzkönigin, die Blutzellen rot malen sollen. Auch hieraus wurde ein Spiel gemacht, aber mit den Studenten werden die Blutzellen schnell angemalt außer einer. Daraufhin will Jean Kunert als böse Schrecksenkönigin Alice und dem Studenten den Kopf abschlagen lassen. Florian Weber als ihr Gemahl wiederholt das meiste, was sie sagt, in piepsiger, hoher Stimme. Die Szene wird durch eine weitere Tanzeinlage einer Gruppe, bei der Christian Müller mittanzt, unterbrochen. Danach soll das Schicksal der beiden durch eine Partie Cricket entschieden werden. Die Tanzgruppe bildet verschiedene Tore, in die der Student und die Königin hineintreffen müssen. Wobei der Student gewonnen hat und nur noch Alice büßen muss.

Nach einer weiteren Tanzeinlage erscheint die weiße Königin, gespielt von Anne-Kathrin Schulze. Sie rettet Alice und schlägt der Königin zum Ausgleich einen Kostümwettbewerb vor. Nacheinander treten Dideldum und Dideldei, die zwei Lampen und der verrückte Hutmacher auf die Bühne. Die Zuschauer entscheiden per Applaus, wer das hübscheste Kostüm anhatte. Der Hutmacher gewinnt, und die böse Königin ist zufrieden. Anschließend wird wieder getanzt, diesmal macht die Band mit. Die Herren sehen aus wie Ballerinas und versuchen zu Schwanensee Ballett zu tanzen. Das Publikum ist begeistert, so dass die Herren eine Zugabe mit der Begleitung »All the Single Ladies« aufs Parkett legen.

Zu guter Letzt kommt Alice wieder in ihr Labor zurück. Eigentlich sollte sie ja aufräumen, aber sie legt sich schlafen. Die Abschlussrede hält Anne Steinicke. Danach verbeugen sich alle Schauspielerinnen.

Während nun die Party beginnt und alle zu Gangnamstyle tanzen, berichtet die Organisatorin Anne Steinicke, dass Christian Müller sich das ganze Programm ausgedacht hat. Leider ist bei der Vorstellung öfter der Ton ausgefallen, daher musste zum Beispiel das abschließende Video noch einmal abgespielt werden. Ansonsten ist sie sehr zufrieden. Die Studenten, die auf die Bühne gerufen wurden, waren schon vorher eingeweiht.

Lisa und Luise, die beide Pharmazie studieren, fanden das Männerballett am besten, die Show hat ihnen gut gefallen. Justine studiert Kunstgeschichte und Archäologie und sieht das etwas anders: »Hinten waren alle viel zu laut, man konnte kaum etwas verstehen.«
Der Pharmafasching wird immer vom dritten Studienjahr organisiert, anschließend gibt es traditionell eine Hochzeit, wo sich Pärchen trauen lassen können. An diesem Abend war das nach Mitternacht noch nicht der Fall.

Fotos: Johanna Sommer

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 01.02. 2013 | Bearbeitet: 01.02. 2013 23:54