Mai 2012 hastuUNI 3

Vier Stimmzettel und eine Hochschulwahl

Am 23. Mai könnt Ihr an der Uni Euer Wahlrecht ausüben. Für alle Neulinge und Fortgeschrittenen hier die wichtigsten Fakten.

Senat und Fakultätsrat, Studierendenrat und Fachschaftsrat: Warum bekommt Ihr gleich so viele Stimmzettel in die Hand? Auf zwei Zetteln wählt Ihr, wer Eure Interessen in den Gremien der Universität vertritt. Weitere zwei Stimmzettel betreffen die Studierendenschaft, den gesetzlich verankerten Zusammenschluss der Studierenden innerhalb der Hochschule. Etwa 95 Prozent der Studierenden der MLU sind Mitglied in der Studierendenschaft und damit wahlberechtigt für deren Gremien: Studierendenrat und Fachschaftsräte. Diese studentischen Interessenvertretungen können sich gegenüber der Uni oder auch anderen Adressaten, etwa dem Wissenschaftsministerium, der Stadt oder der Presse, zu Wort melden. Unter anderem beteiligt sich der Studierendenrat an der Diskussion über das zukünftige Profil der Universität und hat die Petition für eine bessere Ausstattung des Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrums unterstützt.

Neben der Hochschulpolitik im engeren Sinne soll die Studierendenschaft auch kulturelle, fachliche, soziale und wirtschaftliche Belange ihrer Mitglieder wahrnehmen. So hat sich der Studierendenrat für die Einführung des Semestertickets eingesetzt, der Arbeitskreis Studieren mit Kind will die Uni familienfreundlicher gestalten, der Studierendenrat bietet qualifizierte Beratung in Rechts-, BaföG- und sozialen Fragen. Studierendenrat, Fachschaftsräte und Arbeitskreise führen auch Vorlesungsreihen, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen zur Meinungs- und politischen Bildung durch. Auch Projekte von Studierenden können auf Antrag finanziell unterstützt werden.

Zur Erfüllung dieser Aufgaben verfügt die Studierendenschaft über einen jährlichen Haushalt in der Größenordnung von 450 000 Euro, von denen etwa 200 000 Euro dem Studierendenrat zur Verfügung stehen. Der Rest verteilt sich auf Fachschaften, Sozialfonds, Sportförderung und die hastuzeit.

Studierendenrat

Die 35 Sitze des Studierendenrats (Stura) werden anteilig auf studentische Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Fachschaften, den studentischen Zusammenschlüssen auf der Ebene der Fachbereiche, verteilt. Ihr könnt nur Kandidaten aus der eigenen Fachschaft wählen. Für die kleinsten Fachschaften wie die Theologie steht je ein Sitz bereit, die größte Fachschaft (Sozialwissenschaften und historische Kulturwissenschaften) ist mit sechs Sitzen im Stura vertreten. Auch die internationalen Studierenden, die im Studienkolleg an einem Vorbereitungskurs teilnehmen, haben einen Sitz im Stura.

Der Stura entsendet einen nicht stimmberechtigten Vertreter in den Senat der Universität. In der Konferenz der Studierendenräte Sachsen-Anhalt arbeitet er mit anderen Hochschulen zusammen und beteiligt sich an der hochschulübergreifenden Interessenvertretung der Studierenden.

Fachschaftsräte

Die Studierendenschaft ist in 17 Fachschaften untergliedert. Die Diskrepanz zu den 10 Fakultäten erklärt sich dadurch, dass einige Fakultäten aus fachlich sehr unterschiedlichen Bereichen bestehen, etwa die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die übrigens bis 2006 noch getrennte Fakultäten waren.

Auch die Fachschaftsräte erfüllen die oben genannten Aufgaben der Studierendenschaft, speziell im Interesse der Studierenden ihres Fachbereichs. Beispielsweise vermitteln sie bei Konflikten mit Lehrenden, helfen bei Problemen im Studium, weisen die Fakultät auf Probleme hin, organisieren Veranstaltungen oder Exkursionen und fördern Projekte von Studierenden.

Senat

Studierende sind keine Kunden der Hochschule, sondern Mitglieder. Deshalb sind in den Gremien der universitären Selbstverwaltung auch ein knappes Fünftel der Sitze für studentische Vertreterinnen und Vertreter vorgesehen. Die Sitzverteilung spiegelt also nicht die Zahlenverhältnisse an der Uni wider, denn die Professoren haben auf jeden Fall die absolute Mehrheit. Immerhin haben Studierende hier die Möglichkeit, sich direkt in die Diskussionen einzubringen.
Der Senat befasst sich beratend oder entscheidend mit grundlegenden Angelegenheiten, die die ganze Hochschule betreffen. Dabei geht es um Studium, Lehre und Forschung, aber auch um den Haushalt, Vereinbarungen mit dem Land oder – aktuell – um die Diskussion über das zukünftige Profil der Universität. Unter anderem ist der Senat die letzte Instanz bei der Einrichtung und Schließung von Studiengängen, bei der Berufung von Professoren und bei allgemeinen Bestimmungen zu Studien- und Prüfungsordnungen. Auch zentrale Einrichtungen wie die Bibliothek, das Unirechenzentrum, das Sprachenzentrum und das Unisportzentrum liegen in der Kompetenz des Senats. Ein Teil der Arbeit wird in Kommissionen erledigt, in denen jeweils ein studentischer Sitz vorgesehen ist.

Der Senat ist das mächtigste Gremium der Universität, und erfahrungsgemäß herrscht dort kein Mangel an studentischen Kandidaten. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum so viele Kandidaten auf Eurem Senatswahlzettel stehen: Ihr könnt hier Studierende aus allen Fakultäten wählen; bei den anderen Gremien beschränkt sich die Auswahl auf studentische Kandidaten der eigenen Fakultät, des eigenen Wahlbereichs oder der eigenen Fachschaft.

Fakultätsräte

Die Fakultätsräte sind das entscheidende Organ in grundlegenden Angelegenheiten in Studium, Lehre und Forschung der einzelnen Fachbereiche. Der jeweilige Fakultätsrat entscheidet unter anderem über Studien- und Prüfungsordnungen, Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen, Berufungsvorschläge und die Sicherstellung des Lehrangebots.

Wenn Ihr einen Blick auf die offizielle Wahlbekanntmachung der Uni geworfen habt, ist Euch wahrscheinlich aufgefallen, dass in den drei Naturwissenschaftlichen Fakultäten sowie in der Jura-/Wiwi-Fakultät die Sitze nochmals auf einzelne »Wahlbereiche« aufgeteilt sind. So können beispielsweise Studierende der Rechtswissenschaften nicht ihre Kommilitonen aus den Wirtschaftswissenschaften wählen.

Noch zwei für die Frauen

Gleichzeitig mit den Gremienwahlen finden alle zwei Jahre auch Wahlen zur Gleichstellungsvertretung statt. Gleichstellungsbeauftragte haben unter anderem die Aufgabe, sich für Chancengleichheit von Frauen und Männern an der Hochschule einzusetzen, wirken bei Personalangelegenheiten mit und können beratend an Sitzungen der Hochschulgremien teilnehmen.
Wahlberechtigt sind alle weiblichen Mitglieder der Martin-Luther-Universität, einschließlich Studentinnen, die also noch zwei weitere Stimmzettel ausfüllen können. Auf einem Zettel steht die Gleichstellungsbeauftragte der gesamten Universität sowie ihre Stellvertretungen zur Wahl, auf dem anderen Zettel die Gleichstellungsbeauftragten auf der Ebene der eigenen Fakultät bzw. anderer Einrichtungen, die keine Fakultät zugeordnet sind.
Beim Wahlamt findet Ihr online die Kandidatinnen für die gesamte Universität und die sonstigen Einrichtungen. Kandidatinnen und Kandidaten der Fakultäten werden per Aushang bekanntgegeben, teilweise werdet Ihr auch auf den Seiten der jeweiligen Gleichstellungsbeauftragten fündig.

Die Kandidaten

Alle zugelassenen Wahlvorschläge werden von der Universität und dem Wahlausschuss des Stura per Aushang und online bekanntgegeben. Am Montag vor der Wahl stellen sich Hochschulgruppen und Kandidaten in einer Informationsveranstaltung im Audimax vor. Außerdem empfehlen wir Euch einen Blick auf unsere Übersichtsseite, wo viele Kandidatinnen und Kandidaten sich in Wort und Bild präsentieren.

Leerstand als Chance

Leider finden sich nicht für alle Gremien ausreichend Bewerberinnen und Bewerber. Wenn auf dem Stimmzettel nur wenige oder gar keine Namen stehen, werdet Ihr freie Felder vorfinden, in die Ihr Eure Wunschkandidaten eintragen könnt. Diese müssen aber wählbar sein, also Studierende aus der gleichen Fakultät, dem gleichen Wahlbereich bzw. der gleichen Fachschaft.

Die Wahl

Am Mittwoch, den 23. Mai sind die Wahllokale von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Wählen könnt Ihr nur in dem einen Wahllokal, das für Eure Fakultät/Wahlbereich/Fachschaft zuständig ist. Wo das ist, erfahrt Ihr in der Wahlbekanntmachung oder auf der Infoseite des StuRas zu den Hochschulwahlen: www.hochschulwahl.info/wahllokale

Die Wahlergebnisse werden, je nach Aufwand und Arbeitsgeschwindigkeit, nach einigen Tagen, aber spätestens am 12. Juni veröffentlicht.

Über Konrad Dieterich

Redakteur.

Erstellt: 19.05. 2012 | Bearbeitet: 25.05. 2012 21:22