Apr 2012 hastuUNI Nr. 41 0

Studios statt Fachbereichsräte?

Ein Reformvorschlag soll die Organisationsstruktur der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle verbessern. Unnütze Gremien fallen weg, Bürokratie wird auf ein brauchbares Maß beschränkt, und der Senat gewinnt Einfluss.

Seit einiger Zeit macht sich an der Kunsthochschule Unzufriedenheit über die Entscheidungswege und die Struktur der Gremien breit. Es gibt zu viele Gremien, die sich meist um ein und dasselbe kümmern. Die Mitglieder treffen sich zu oft und haben aus Zeitmangel oder Lustlosigkeit kein Auge mehr auf Beschlussvorlagen geworfen. Der Senat bestätigt überwiegend, was vorher im Fachbereichsrat verabschiedet wurde, und andersherum. »Es war eher die Regel, dass Beschlussvorlagen, die zur Einsicht im Dekanat ausgelegt wurden, nur von wenigen, manchmal sogar von niemandem vor den entscheidenden Sitzungen angeschaut wurden«, meint Rektor Axel Müller-Schöll, der in seiner Zeit als Dekan vier Jahre lang im Fachbereichsrat Design saß.

Jetzt soll eine Veränderung her. Zur Diskussion steht ein Reformvorschlag von Wolfgang Stockert, Kanzler der Hochschule, und Matthias Fiedler, Dezernatsleiter für Personal und Haushalt. Es soll weniger Bürokratie geben. Die Fachbereiche für Kunst und Design fallen weg. Stattdessen wird es neun sogenannte Studios geben, zum Beispiel eines für Malerei. Diese werden eine gewisse Autonomie bekommen, denn sie können unter anderem das Lehrangebot organisieren. Neu ist auch, dass jedes Studio seine eigenen Hochschulprüfungen hat und diese durchführt. Die Studios bleiben durch ein Gremium, den Senat, weisungsgebunden. Eine Verbesserung, denn die Studiengänge waren durch drei Gremien weisungsgebunden: den Senat und die zwei Fachbereichsräte.

Da jedes Studio nur aus einem der beiden Fachbereiche hervorgehen wird, bleiben Kunst und Design weiterhin voneinander abgegrenzt. Mit der Neuordnung in Studios gewinnen darüber hinaus einzelne Fächergruppen an Eigenständigkeit. Der Senat wird Aufgaben der Fachbereichsräte wahrnehmen, wenn diese nicht einem Studio zugewiesen sind. Er soll über die Studien- und Prüfungsordnung entscheiden. Wer zum Dozenten berufen werden soll, darüber können die Studios mitentscheiden. Für die Verleihung von Hochschulgraden soll aber der Senat zuständig sein. Laut Hannes Trommer, studentischem Senatsmitglied und Mitglied in der Kommission, welche sich mit der Struktur beschäftigt, sind einige Fragen offen. Zum Beispiel: »Wie sollen die Studios zusammengefasst werden, und wer ist zu welchem Studio zugehörig?« Aus seiner vierjährigen Arbeit als Dekan im Fachbereichsrat Design weiß Axel Müller-Schöll auch, »dass wir im Einzelnen am Zuschnitt der Reform feilen müssen.«

Der Kanzler, der Rektor und die drei Prorektorinnen leiten in Form des Rektorates die Hochschule. Aber die Aufgaben, die ihnen durch die neue Reform bleiben, beschränken sich auf einen kleinen Teil: Bei den Entscheidungen des Senats zustimmen, nach Absprache mit dem Senat zugewiesene Mittel und Stellen verteilen und mit dem Ministerium eine Zielvereinbarung treffen. Das Rektorat wird an Einfluss verlieren. Die Studios können mehr entscheiden und haben ihren eigenen Bereich, aber kapseln sie sich nicht alle voneinander ab? Gibt es auch gemeinsame Projekte zwischen den Studios? Jedes Studio hat seine eigenen Räume, seine Aufgaben und seine Projekte. Studenten, die sich momentan noch in demselben Raum befinden, obwohl sie Verschiedenes studieren, werden sich nicht mehr so schnell über den Weg laufen. Kunst entsteht auch durch verschiedene Einflüsse, indem Studenten hier und dort reinschauen und mitmachen können. Jetzt sollen sie sich von Anfang an auf eine Schiene, zum Beispiel Malerei, festlegen.

Wolfgang Stockert und Matthias Fiedler haben sich viel zur Verbesserung der Organisationsstruktur überlegt. Bei allen Bedenken und möglichen Risiken sprechen sich aber auch Hannes und Prof. Müller-Schöll grundsätzlich für den Reformvorschlag aus.

Die Studenten der Burg sollten sich angesprochen fühlen und ihre Meinung dazu äußern. Wer sich einmischen will, ist sehr gern bei dem studentischen Arbeitskreis gesehen, der sich mit dem Thema befasst.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 26.04. 2012 | Bearbeitet: 26.04. 2012 16:51