Mai 2012 hastuUNI 0

Sinkende Wahlmüdigkeit

Der Stura weiß es und die Studierenden auch: Demokratie funktioniert nur durch Wahlen.

Große Ziele hatte sich der Studierendenrat im Vorfeld der Wahlen am 23. Mai gesetzt. Denn endlich sollte die 20%-Hürde geknackt werden. So viele Studierende wollte man zur Wahl motivieren. Dafür rührte man schon Wochen vorher kräftig die Werbetrommel: Plakate und Flyer zierten Institute und Hörsäle der Uni. Damit aber nicht genug. Auch mit Postsendungen in Form von Wahlbenachrichtigungen wollte man den Studierenden klar machen, wie wichtig die kommende Wahl sei. Das hat man auch geschafft. Schließlich stieg die Zahl der Wähler von 12,7% auf 18,3% an. Die Zwanzig aber kratzte man  höchstens.

Doch der Tag fing gar nicht so gut an. Denn bereits eine Stunde nach Wahlbeginn geisterten zahlreiche Gerüchte nicht nur durch die Uni. Auch in sozialen Netzwerken wurde fleißig gepostet. »Die Wahl ist ungültig, die Jusos wurden absichtlich auf den Wahlzetteln der Philosophischen Fakultät I vergessen«, so nur eine zahlreicher Parolen. Empörung machte sich unter manchen Studierenden breit. Dabei war lediglich der Wahlzettel der PhilFak I für den Stura ungültig – die restlichen drei Gremein (Fakultätsrat, Senat und Fachschaftsrat) konnte man trotzdem wählen.

Die meisten aber juckte das nicht. Besser: Viele wussten es nicht einmal oder registrierten das  Ganze nur beiläufig. Trotz der Panne steht fest: Man konnte eine steigende Wahlbeteiligung verzeichnen. Das macht Hoffnung für die kommenden Jahre. Denn dann könnte man vielleicht irgendwann einmal eine Wahlbeteiligung erreichen, die auf Landtagsniveau ist. Um die 50% versteht sich.

Betrachtet man aber andere Unis, dann fällt eines auf: Die Wahlbeteiligung ist auch dort nicht wesentlich höher. In Leipzig etwa hatte man 2007 eine Beteiligung von reichlich 21 Prozent. Die Studierenden sind offenbar faul, selbst zu faul zum Wählen. Deshalb ließen sich die Philosophische Fakultät I und die Wirtschaftswissenschaften etwas einfallen: Sie platzierten ihre Wahlstände direkt im Audimax. Je zentraler, desto besser. So konnte man auch noch einige Studierende von den Vorlesungen abfangen. Jene, die trotz Wahlbenachrichtigung strikt diesen Tag ignorieren wollten. Und ignorant sind sie, ohne Zweifel. Schließlich erreichten die versendeten Wahlbenachrichtigungen den Großteil der Studierendenschaft.  Von 90 Prozent und mehr war die Rede. Wählen waren aber nur eher wenige. Denn viele Studierende fühlen sich mit den gewählten Gremien wenig verbunden. Oder haben keine Motivation zu wählen.

Die 20 Prozent werden also noch ein Traum bleiben müssen – bis zur nächsten Wahl. Ein Schritt in die richtige Richtung war die steigende Wahlbeteiligung alle mal. Und wenn man selbst zur Wahl war, so konnte man Erfreuliches feststellen. Es bildeten sich Schlangen an den Wahlständen. Sogar ziemlich lange. Oder war es nur ein trügerisches Bild? Denn oft standen die Studierenden nur zwischen Viertel vor und Viertel nach an – der Pause zwischen zwei Vorlesungen oder Seminaren. Aber könnte man da nicht ansetzen für die nächste Wahl? So nach dem Motto: Eine weniger rauchen und dafür mal schnell ein paar Kreuze für die Zukunft der Uni machen.

Über Maria Weickardt

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Erstellt: 28.05. 2012 | Bearbeitet: 31.05. 2012 08:24