Apr 2012 hastuPAUSE Nr. 41 0

Offen für Neues II

Das Universitätssportzentrum bietet über 80 verschiedene Sportarten an. Bei vielen, wie Fußball oder Yoga, ist zumindest ungefähr klar, was einen erwartet. Unter anderen Sportarten konnten wir uns nichts Genaues vorstellen. Also haben wir hastuzeit-Autorin Caroline losgeschickt.

Foto: Maria Weickardt

Eigentlich war ich ja vorgewarnt: »Contact Improvisation lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben!«, hatte mir Übungsgruppenleiterin Eva gesagt. Das stimmt. Da aber genau das der Sinn meiner Sportartvorstellung ist, muss und werde ich es nun trotzdem versuchen.

Einmal mehr habe ich mich selbst eingeladen, eine neue Sportart auszuprobieren, und so begebe ich mich gespannt an einem Donnerstagnachmittag um 16 Uhr zum Unisportraum Mensa am Weinberg. An diesem Tag ist die Gruppe recht klein.

Contact Improvisation ist eine intuitive Sportart, bei der es viel um das Körpergefühl geht. Man versucht, den Kopf gewissermaßen auszuschalten und das »Zentrum«, welches in der Körpermitte liegt, die Bewegungen steuern zu lassen. Um Contact Improvisation richtig genießen zu können, muss man sich wirklich voll und ganz darauf einlassen. Gedanken, wie man bei den Bewegungen aussieht, sollte man sich nicht machen. Es geht nicht um das Aussehen, sondern vielmehr um das Gefühl der Bewegungen.

Den namensgebenden Kontakt sucht man in der Aufwärmphase zunächst zu Boden, Wänden oder auch der Säule in der Mitte des Raumes. Zu leiser, angenehmer Musik windet und dreht man sich, bleibt still liegen oder steht auch mal auf, je nachdem, wie es der Körper halt gerade will. Möglichst viele verschiedene Körperteile sollten hierbei den Kontakt zu den räumlichen Begrenzungen suchen. Mein Körper ist hierbei zuerst etwas übermotiviert. Ich drehe und verbiege mich, bis mir schwindelig und fast ein bisschen schlecht ist. Also vielleicht doch etwas öfter kurz liegen bleiben und einfach den Boden spüren – ja, das ist schon sehr viel angenehmer. Sowieso: Kein Leistungsdruck, kein Nachdenken, nur intuitive Bewegungen – auch mal gut. Im Nachhinein stelle ich fest, dass mich nach einer Weile nicht einmal mehr die Spiegel an der Wand interessiert haben. Nachdem alle aufgewärmt und gut durchgedehnt sind, beginnt der Partnerkontaktteil: Wir finden uns in Zweiergruppen zusammen und bewegen uns nun aneinander. Dabei wird stets ein Kontaktpunkt gehalten; dieser wandert jedoch an beiden. Von Schulter an Schulter zu Rücken an Rücken zu Schulter an Hüfte zurück zu Schulter an Schulter. Alles improvisiert. Der nächste Teil ist dann ein mehr oder weniger vorgegebener Bewegungsablauf: Partner A kniet auf dem Boden (oder einer Matte), Partner B macht einen Schulterstand auf As Oberschenkel, Bewegung zurück, bis B kniet und A eine Hebefigur auf Bs Schulter macht. Jedenfalls so ungefähr. Bei mir sieht das Ganze wieder einmal etwas anders aus. Es fällt mir wohl doch etwas schwer, meinem Körper komplett zu vertrauen, und ich habe Zweifel, ob ich wirklich nicht zu viel Gewicht auf die Schulter meiner Partnerin bringe. Kurz: Meine Hebefigur erinnert von der Eleganz an einen Kartoffelsack.

Zum Abschluss tanzen wir einen Besenstiel: Das heißt, wir gehen erst mal alle in einer Reihe. Jeweils einige personifizierte Borsten »fallen aus« und wirbeln ausdruckstanzend herum, bis der Besen sich am Ende der Halle dreht und die verlorenen Borsten auf dem Rückweg wieder einsammelt.

Fazit: Contact Improvisation eignet sich gut, um einfach mal abzuschalten. Wenn man sich auf die Sportart einlässt und sich voll und ganz auf seinen Körper konzentriert, kann man es wirklich genießen.

Über Caroline Bünning

Caroline Bünning
geboren 1992, bei der hastuzeit seit 2011 - Ich mag Sport, Sprachen, Reisen, ... und noch vieles mehr.

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Erstellt: 22.04. 2012 | Bearbeitet: 26.12. 2013 17:16