Jan 2012 hastuINTERESSE Nr. 40 0

Literaturrecherche auf dem Laufband

Sportplatz oder Schreibtisch – dazwischen gab es früher eigentlich nichts. Dies hat sich mittlerweile geändert.

Wer ab und an ins Uni-Fitnessstudio geht, wird – vor allem jetzt, kurz vor und in der Prüfungsphase – auf den Crosstrainern und Laufbändern häufig Kommilitonen mit Lernunterlagen antreffen. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Lernumfeld. So können manche besonders gut beim Sport lernen, andere direkt danach, wieder andere haben in den Lern- und Prüfungsphasen überhaupt keine Zeit für Sport. Aber gibt es eine Verbindung zwischen Sport und Lernen?

In jedem Fall keine pauschal gültige. Welche Auswirkungen Sport auf das Lernvermögen hat, ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Eine weit verbreitete Theorie geht davon aus, dass Sport die Sauerstoffversorgung und damit Stoffwechselvorgänge im Gehirn sowie im gesamten Körper verbessert und das Gehirn so leistungsfähiger macht. »Auch das ist bislang nur Spekulation«, so Prof. Dr. Oliver Stoll, Leiter des Arbeitsbereichs Sportpsychologie, Sportpädagogik und Sportsoziologie an der MLU. Belegt sei bislang nur, dass Sport, insbesondere Ausdauersport, das Selbstwertgefühl stärke und die Einstellung zum eigenen Körper verbessere. Diesen Effekt kann man sich besonders beim Aneignen koordinativer Fähigkeiten zunutze machen. Wer durch Sport mehr Vertrauen in seinen Körper hat, transportiert dieses Vertrauen auch in andere Situationen. Zu diesen zählt auch die Vorbereitung auf Prüfungen, in denen theoretische Sachverhalte abgefragt werden. Mit einer positiven Grundeinstellung lernt es sich also besser und effektiver.

Verschiedene Sportarten trainieren unterschiedliche Gehirnareale. »Mannschaftssportarten mit ihren spezifischen Taktiken beispielsweise schulen Problemlösefähigkeiten«, erläutert Stoll. Das Verstehen dieser Taktiken erfordert ebenso wie das Verstehen wissenschaftlicher Theorien »analytisches Denken. Der Transfereffekt ist zwar fraglich, aber plausibel.«

Einen Sportler in der Wettkampfvorbereitung treibt sein Ziel an, eine bestimmte Platzierung zu erreichen. Einen Prüfling treibt das Ziel an, eine bestimmte Note zu bekommen. »Motivation ist in jedem Fall ein ganz wichtiger Punkt«, so Stoll. Vor allem im Jugendalter seien Leistungssport und schulisches Lernen ohne Frage eine Doppelbelastung, aber viele der Jugendlichen fänden dann irgendwann ein Thema oder Fachgebiet außerhalb des Sports, das sie besonders interessiert. In diesem zeigten sie dann auch besonders gute Leistungen. Als Beispiel hob Stoll die erfolgreiche Wasserspringerin Katja Dieckow hervor, die im vergangenen Jahr ihr Studium an der MLU als Diplom-Biologin abschloss. Zudem holte sie 2011 eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften. Im Januar belegte sie bei den Deutschen Wintermeisterschaften den ersten Platz vom Einmeterbrett. Bei solchen Erfolgsgeschichten spielt neben dem durch Sport geförderten Durchhaltevermögen auch Motivation eine entscheidende Rolle: Wer im Sport die Erfahrung gemacht hat, dass sich Training lohnt, wird auch eher bereit sein, Zeit in das Lernen und Verstehen von Theorien und Co zu investieren.

Eine weitere wichtige Parallele zwischen dem Lernen theoretischer Sachverhalte und sportlichem Training sei der Übungseffekt, betont Stoll. Sowohl im sportartspezifischen Training als auch in der Vorbereitung auf mündliche oder schriftliche Prüfungen wird vor allem wiederholt: Ein Sportler übt und wiederholt bestimmte Bewegungsabläufe, bis er sie aus dem Effeff beherrscht; ebenso wiederholt ein Prüfling den zu lernenden Stoff, bis er ihn verinnerlicht hat.

Über Caroline Bünning

Caroline Bünning
geboren 1992, bei der hastuzeit seit 2011 - Ich mag Sport, Sprachen, Reisen, ... und noch vieles mehr.

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Erstellt: 25.01. 2012 | Bearbeitet: 17.04. 2012 21:07