Mai 2012 hastuUNI Nr. 42 0

Gedankenraub

Nicht erst seit zu Guttenberg wird man bei Hausarbeiten vor der »Übernahme fremder Gedanken ohne entsprechende Kennzeichnung« gewarnt. Auch die MLU hat erst vor kurzem ihre eigenen Regeln dazu aufgestellt.

Illustration: Susanne Wohlfahrt


»Wenn ich in Ihrer Hausarbeit ein Plagiat finde, dann wird die Leistung als nicht bestanden bewertet.« So oder so ähnlich erklingt es in Seminaren der frisch eingeschriebenen Studierenden. Die tägliche Drohung, dass ein falsch zitiertes Wort die universitäre Karriere zerstören könnte, schleciht sich in die Gedanken der Erstsemester. Gleich zu Beginn zeigt sich dann auch der enorme Aufwand des Zitierens.

Aber wie soll man sich das alles merken? Angst macht sich unter den Studierenden breit. »Doch ist diese unbegründet«, so die Meinung von Prof. Dr. Christoph Weiser, Prorektor für Studium und Lehre an der MLU. »Man kann nicht einfach sagen: Da hat jemand wortwörtlich mal einen Satz genommen, ohne den kenntlich zu machen, und damit ist die Arbeit gleich mit fünf zu bewerten.« Denn letztlich geht es darum, wie groß der Anteil der Plagiate zum Gesamttext ist. Vergisst man lediglich einmal, ein Zitat richtig zu kennzeichnen, dann ist das noch lange kein Grund durchzufallen. Machen nicht gekennzeichnete Zitate aber den Großteil der Arbeit aus, dann muss man mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. »Die Zwangsexmatrikulation ist sicher das schärfste Mittel, das man verteilen kann«, sagt Prof. Dr. Weiser. Zu dieser Maßnahme wird aber extrem selten gegriffen, besonders an deutschen Universitäten.

Generell ist aber der Umgang mit entdeckten Plagiaten sehr unzureichend geregelt. Auch die »Bestrafung« der Studierenden scheint wohl in der Hand des Prüfers zu liegen. Deshalb hat das Prorektorat für Studium und Lehre zusammen mit den Studiendekanen in der letzten Senatskommission eine Empfehlung dazu herausgegeben. Gefordert wird ein abgestuftes Verfahren. Das heißt, dass es bei einem weniger schwerwiegenden Plagiat »nicht die volle Leistung gibt, die die Arbeit verdient hätte«, schlussfolgert Prof. Weiser. So kann eine sehr gute Arbeit nur mit einer 2,0 bewertet werden, wenn mehrere Sätze nicht korrekt zitiert wurden. Auch eine Stellungnahme des Studierenden vor dem Prüfungsausschuss oder eine Zweitkorrektur ist möglich. Trotzdem müsse man die Beurteilung immer vom Einzelfall abhängig machen. Wie viele Studierende an der MLU plagiieren, ist aber nicht bekannt. Ebenso kann man nicht genau sagen, in welchem Studiengang die meisten Plagiate auftreten. Vermutet wird aber, dass in den Geistes- und Sozialwissenschaften verstärkt plagiiert wird. Als Grund sieht Prof. Weiser, dass es »wesentlich stärker Buch- und Textwissenschaften sind, die sich mit kritischen Reflexionen beschäftigen.«

Das »Copy-and-Paste« scheint für manchen Studierenden zum Alltag geworden zu sein. Überforderung und mangelndes Unrechtsbewusstsein inklusive. Nicht umsonst prägt sich der Begriff »Plagiat-Kultur« für die momentane Uni-Generation. Umfragen wie von der Uni Münster belegen diese Ansicht. Von 300 Studierenden gaben 180 an, bereits bewusst plagiiert zu haben. Prof. Weiser hofft, dass es an der MLU nicht so gravierend ist. Denn dann »macht man in der Ausbildung etwas verkehrt.«
Aber nicht alle Plagiate werden auch als solche enttarnt. Oftmals müssen die Prüfer in viel zu kurzer Zeit viel zu viele Arbeiten kontrollieren. Die Sorgfalt fällt mit der Quantität. Ebenso zeigt sich, dass auch Prüfprogramme nur 50 bis 60 Prozent der Plagiate finden. Schließlich bleibe dem Prüfer nur »sein intuitives Gefühl«, meint Weiser. Gerade wegen solcher Erkenntnisse bleibt nur zu hoffen, dass Studierende der MLU der »Plagiat-Kultur« nicht allzu große Ehre bereiten.

Über Maria Weickardt

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Erstellt: 23.05. 2012 | Bearbeitet: 26.12. 2013 17:06