Dez 2012 hastuUNI Nr. 45 0

Floorball im Mel

Fünf freiwerdende Stellen in der PhilFak II sollen vorerst nicht wieder­besetzt werden – drei davon bei den Sportwissenschaften. Das treibt die Studierenden auf den Uniplatz.

Foto: Johanna Sommer

Knapp 200 Sportstudenten haben sich am 3. Dezember um 13.30 Uhr vor dem Melanchthonianum versammelt. Vier davon verschwinden mit einem riesigen Schild im Gebäude. Andere halten ein Plakat mit der Aufschrift: »Die Sportseite berichtet über das, was die Menschen erreicht haben; die Titelseite der Zeitung hingegen verzeichnet nur die Fehlschläge des Menschen.« Zu ihnen gesellen sich vier andere Sportwissenschaftler mit einem anderen Schild: »Vor allem wegen der Seele ist es nötig, den Körper zu üben, und gerade das ist es, was unsere Klugschwätzer nicht einsehen wollen.« steht dort zu lesen.

Mit mehreren Transparenten weisen sie darauf hin, dass die deutschen Kinder immer fetter werden und die Hallenser ohne Sportwissenschaftler erst recht. Aber im Kern geht es um Stellenstreichungen des Dekanats der Philosophischen Fakultät II und die Befürchtung, dass die Sportwissenschaften in Zukunft nur noch Lehrer ausbilden werden. Die Bachelor- und Masterstudenten dürfen in eine andere Stadt ziehen, um weiterzustudieren. Da könnten sich die Lehrämtler doch entspannen? Kai, und Stefan, fünftes und siebtes Semester Lehramt, sehen das ganz anders: »Die Vorlesungen werden voller werden. Das Niveau wird ebenfalls sinken, da Vorlesungen wegfallen, die Grundlagen vermitteln und parallel für die Bachelorstudiengänge waren. Das ist eine Abwertung für unser Studium.« – »Außerdem«, wirft ihr Kommilitone Florian ein, »sollte Halle die Artenvielfalt gewährleisten und die Kürzungen gerecht verteilen.«

Einige Bachelorstudierende wollen auf jeden Fall hier bleiben, komme, was da wolle. Kathrin Hofmann und Katrin Wenken sind im fünften Semester und wollen ebenfalls ihren Bachelor hier beenden. Sie meinen aber auch, dass Studenten, die jetzt gerade erst angefangen haben, lieber weg ziehen sollten, noch sei Zeit dazu. »Halle sollte seinen guten Ruf nicht verlieren und die guten Professoren nicht rauskicken. Kaum dass es den Bachelor gibt, wird er wieder abgeschafft. Es wurde sogar ein neues Gebäude für die Sport­wissen­schaften gebaut, das war ja völlig sinnlos. Wir geben uns wahnsinnig viel Mühe und sind im Hochschulranking sehr weit oben angesiedelt. Biedermann wurde doch ebenfalls hier in Halle ausgebildet, und die Stadt baut durch ihn ihr Image auf.« Sie recken ihr Schild (»Halle muss sexy bleiben«) in die Höhe.

14 Uhr, drei Studenten pfeifen und rufen von der Treppe, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Alle heben ihre Hände und Schilder in die Höhe und rufen im Chor: »Wir sehen gut aus. Wir trinken viel und gewinnen jedes Spiel. Wir sind die Meister aller Klassen, und wir studieren alle Sport, in Halle!« Dann strömen sie ins Melanchthonianum. Im Erdgeschoss versperren sie die Wege und fangen unter Gejohle an, Floorball zu spielen. In Zweierteams treten sie gegeneinander an. Die Wände schmücken Plakate wie »Floorball statt Flurball!« oder »Kein Sport ist Mord!« Wenn ein Team verliert, wird es von zwei anderen Sportstudenten ersetzt.

Alle hoffen, dass die Aktion Dekan Antos und Rektor Sträter beeindruckt hat. Denn um 14 Uhr hat im Melanchthonianum die Personalversammlung der Uni-Beschäftigten begonnen, auf der das Rektorat zu seinen Strukturplänen Stellung nehmen soll.

3. Dezember 2012: Sportstudierende demonstrieren für den Erhalt ihres Faches.
Foto: Johanna Sommer

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 17.12. 2012 | Bearbeitet: 16.12. 2012 23:24