Jan 2012 hastuINTERESSE Nr. 40 0

Fantasie als Lernmethode

Wer sich Wörter und Begriffe nur schwer merken kann, sollte sich mal mit der Mnemotechnik beschäftigen. Mit ihren Methoden kann langweiliges Auswendiglernen fantasievoll gestaltet und erleichtert werden.

»Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel« – wer kennt ihn nicht, den König aller Merksprüche? Anhand dieses kleinen Buchstabenspiels lernt sich das Sonnensystem gleich ein wenig schneller, stehen doch die Anfangsbuchstaben jedes Wortes für jeweils einen unserer (mittlerweile nur noch) acht Planeten. Solch hilfreiche Merksätze unterstützen dabei, komplexe und weitreichende Begriffe besser zu verinnerlichen. Aber auch Gedächtnisstützen anderer Art können uns den Umgang mit vielen Zahlen oder zu merkenden Wörtern vereinfachen.

Die sogenannte Mnemotechnik, also das Ausarbeiten und Anwenden von Merkhilfen, liefert Tricks, mit denen man mancher Prüfung entspannter entgegentritt. So kann man beispielsweise zur Kettenmethode greifen, wenn es darum geht, sich in kurzer Zeit eine Vielzahl von Begriffen zu merken. Die zu lernenden Wörter werden dabei wie Perlen einer Kette in einer gleichbleibenden Reihenfolge aneinandergereiht und in eine ausgedachte, meist ziemlich sinnfreie Geschichte übertragen. Beim erneuten Abrufen des Erdachten, das sich um einiges leichter merken lässt als einzelne Begriffe, tauchen die Wörter somit von alleine wieder auf.

Beim Vokabellernen kann man das Prinzip der Ähnlichkeit anwenden. Man überlegt sich Wörter, die der Vokabel lautlich ähneln. Durch die Verknüpfung zwischen Vokabel und visualisiertem Gegenstand, der durch die Wortähnlichkeit abgeleitet wird, kann man dann persönliche Zusammenhänge erstellen, die das Merken erleichtern. Muss man sich beispielweise das lateinische Wort laudare (=loben) merken, könnte man es mit einer applaudierenden Masse verbinden, die die Darbietung eines Künstlers lobt.

Assoziationen und ihre Verknüpfungen bieten also die Basis dieser Mnemotechniken. Es geht darum, mithilfe von visualisierten Vorstellungen bestimmte Verbindungen zu Begriffen, Zahlen oder Bildern herzustellen. So kann man die Finger überkreuzen, wenn man sich etwas Bestimmtes merken will – beim späteren Wahrnehmen der seltsamen Handstellung erinnert man sich im besten Fall an die Sache, obwohl sie nicht im direkten Zusammenhang steht.

So funktioniert auch die bekannteste der Mnemotechniken, die sogenannte Loci-Methode: Muss man innerhalb kurzer Zeit viele Begriffe lernen, hilft es, sich einen festgelegten und bekannten (!) Weg vorzustellen. Der Weg sollte bestimmte Plätze aufweisen, an die man einen Begriff ablegt. Beim gedanklichen Abgehen des Weges kann man die Informationen dann wiedererhalten, indem man die jeweiligen Plätze mit den abgelegten Begriffen assoziiert. Im Alltag oder in der Uni muss man sich außer vielleicht Vokabeln eher selten einzelne Begriffe merken. Bei Vorträgen kann man jedoch mit der Loci-Methode Schlagwörter im geistigen Raum verteilen und so einen gedanklichen Rahmen schaffen, der eventuell das Ablesen vom Zettel ersetzen kann.

Die Mnemotechnik weist etliche solcher Assoziations-Methoden auf. Man muss sie nicht alle kennen, da sie keine starre Regelhaftigkeit für sich beanspruchen und man sich seine eigenen ausdenken kann, solange das Prinzip verstanden wurde. Neben der Fähigkeit, eine bestimmte Sache automatisch mit einer anderen in Verbindung zu bringen, ist nämlich auch viel Fantasie zum gedanklichen Ausschweifen gefordert: Je verrückter die Verbindungen, die man herstellt, und je ausgefallener und absurder die Geschichten oder mentalen Wege sind, die man mit Gegenständen ausschmückt, desto größer wird der Lern-Effekt. Außergewöhnliches hinterlässt mehr Eindruck und bereitet mehr Freude als stupides Auswendiglernen.

Über Helena Werner

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Erstellt: 28.01. 2012 | Bearbeitet: 17.04. 2012 21:01