Dez 2012 hastuUNI Nr. 44 0

Eine Ära geht zu Ende

Die Magister- und Diplomstudiengänge an der MLU neigen sich dem Ende zu. Doch wie viele Studierende sind von der Aufhebung eigentlich betroffen, und was bedeutet die Einstellung des Lehrangebots für die Verbliebenen?

Bologna-Prozess

Im Zuge des Bologna-Prozesses kam es auch an der Martin-Luther-Universität zur Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem. Gleichzeitig wurden die Magister- und Diplomstudiengänge aufgehoben und die Einstellung des Lehrangebotes beschlossen. Konkret bedeutete dies, dass man sich für die »alten Studiengänge« letztmalig in den 2006/07, in einigen wenigen Fächern 2007/08, einschreiben konnte. Aufgrund des Bologna-Prozesses und dessen Umsetzung sei klar gewesen, »dass es die Universität nicht dauerhaft leisten kann, Magister- und Diplomabschlüsse parallel zu den Bachelor- und Masterstudiengängen anzubieten. Dies war politisch nie vorgesehen und ist aus Kapazitätsgründen einfach nicht machbar«, erläutert Katrin Eckebrecht, Leiterin der Abteilung für Studium und Lehre in der Zentralen Universitätsverwaltung der MLU. Eine Besonderheit stellt der Diplomstudiengang Theologie dar, der infolge eines Staatsvertrags mit der evangelischen Kirche weiterhin angeboten wird.

Wen betrifft die Aufhebung?


Insgesamt gibt es noch 419 Magister- und 768 Diplomstudenten an der MLU. Eine davon ist Ilona Koch. Sie studiert Geschichte und Japanologie im 17. Semester. Ihr fehlen noch ein paar Hauptseminarscheine, um ihre Magisterabschlussprüfungen zu beginnen. »Schwierig ist einfach das Zeitmanagement. Einerseits muss ich arbeiten gehen, um vor allem die Langzeitstudiengebühren zu finanzieren, aber auch, um mich und mein Kind über Wasser zu halten, andererseits verlangt das Studium einfach viel Zeit von einem ab.« Vor allem die Sprachkurse in der Japanologie sowie die Vor- und Nach­bearbeitung der Seminare sind sehr zeitintensiv. Ilona hat jetzt, um ihr Studium doch noch in der vorgegebenen Frist zu beenden, alles andere aufgegeben, unter anderem auch ihren Vorsitz in der Institutsgruppe.

Durch die 2009 verabschiedete »Ordnung über die Aufhebung von Studiengängen« kommt es in der Philosophischen Fakultät I am Ende dieses Wintersemesters zur Einstellung des Lehrangebotes. Wer sein Studium also nicht bis zum 31. März 2013 beendet haben wird, hat prinzipiell zwei Möglichkeiten. Einerseits kann ein sogenannter Härtefallantrag gestellt werden, bei dem aber besondere Umstände vorliegen müssen, zum Beispiel Krankheit oder Elternzeit. Die zweite Option zur Weiterführung des Studiums bietet der Verlängerungs­antrag, der bis spätestens 31. Januar 2013 eingereicht werden muss. Damit diesem stattgegeben wird, sei es wichtig, »dass absehbar ist, dass das Studium in einem Jahr, also in zwei Semestern, beendet werden kann«, so Eckebrecht. Aber letzten Endes prüft der Studien- und Prüfungsausschuss jeden Einzelfall und entscheidet dann über eine Bewilligung des Antrags.

Welche Möglichkeiten zum Wechsel gibt es?

»Es liegt im Interesse der Universität, allen Studierenden in den aufgehobenen Magister- und Diplomstudiengängen einen Abschluss zu ermöglichen«, betont Eckebrecht. Auch Ilona äußert sich positiv über die Vorgehensweise aller Verantwortlichen und betont, »dass alle bestrebt sind, es nicht schwieriger zu machen als nötig« und ihr bis jetzt keine Steine in den Weg gelegt worden sind. Wer jedoch merkt, dass es in der verbleibenden Zeit unmöglich wird, das Studium zu beenden, der kann auch in den Bachelor- oder Master­studiengang wechseln. Vor allem der Übergang in ein Bachelorstudium ist kein Problem. »Bisherige Leistungen können dabei anerkannt werden, dies wird natürlich im Einzelfall geprüft.« Der Wechsel in den Masterstudiengang gestaltet sich schon schwieriger, obwohl die MLU auch hier den Studenten entgegenkommt. Da der Masterstudiengang voraussetzt, dass man bereits einen Hochschulabschluss erworben hat, Magisterstudierende dieses Kriterium aber nicht erfüllen, ist es laut Eckebrecht eine Ausnahmeregelung der Universität, über eine sogenannte Äquivalenzbescheinigung trotz allem diesen Wechsel zu vollziehen. Voraussetzung sei natürlich, dass der Studierende in seinem Studium so weit fortgeschritten ist, dass er sich auf dem Niveau eines Bachelorabschlusses befindet, damit er den Übergang in einen fachlich entsprechenden Masterstudiengang beantragen kann.

Informationen und Hilfe

Die Universität möchte noch im November alle zum Ende dieses Wintersemesters betroffenen Studenten über die bevorstehenden Fristen und Beratungsmöglichkeiten per Mail informieren. »Wichtig ist, dass man die Verlängerungsanträge bis spätestens 31. Januar 2013 gestellt hat.« Außerdem erhält man in den Fakultäten und bei den dafür zuständigen Studienfachberatern alle nötigen Auskünfte über Fristen und Anträge. Unter www.uni-halle.de/studierende können sich Betroffene im Internet schon jetzt über alle Möglichkeiten informieren.

Foto: Metro Centric / Montage: Tom Leonhardt

Die Interviews sind in Zusammenarbeit mit Unimono, der studentischen Sendung auf Radio Corax, entstanden und wurden von Peer Guckland, Sophie Kopsch, Nadja Sonntag und Christine Klose geführt. Den daraus entstandenen Beitrag findet Ihr unter www.unimono.de.

Über Christine Klose

Erstellt: 13.12. 2012 | Bearbeitet: 01.02. 2013 18:36