Dez 2012 hastuPAUSE Nr. 45 0

Ein Buch alleine auf Reisen

Was bringt jemanden dazu, einfach ihre geliebten Bücher draußen in der Kälte alleine zu lassen? Was geschieht mit ihnen, wenn sie dann von jemanden gefunden werden? Was ist der Sinn von Bookcrossing?

Ein Buch liegt alleine und verlassen da. Langsam ist es dunkel geworden. Sein ehemaliger Besitzer ist schon lange nicht mehr da. Und nun wartet es. Wartet darauf, dass es gefunden wird. Wieder in ein Bücherregal in eine warme Wohnung kommt. Von seinem Besitzer gelesen wird. Und dann auch wieder auf Reisen geht. Neue Orte entdeckt, die den meisten Büchern verschlossen bleiben.

Bei der Idee des Bookcrossing geht es darum, eine weltweite Bibliothek zu schaffen. Das Projekt entstand 2001 im Internet. Hat man ein Buch, welches man nicht mehr haben möchte, weil man es schon oft gelesen hat oder noch nie wirklich mochte, dann kann man es in die Wildbahn schicken, damit es einen neuen Besitzer findet. Zuvor registriert man das Buch mit einem Code, der auf der Internetseite erzeugt wird. Dieser wird mit einer kurzen Erklärung, was der Finder mit dem Buch zu machen hat, in das Buch hineingeschrieben. Derjenige, der das Buch freilässt, lässt es in der Stadt liegen. Am besten an Orten, an denen dem Buch nichts geschieht oder wo es nicht Reinigungskräften zum Opfer fallen kann.

Auf www.bookcrossing.de gibt es eine Übersicht der freigelassenen Bücher, die nach Orten sortiert ist, so dass man sich gleich auf den Weg machen kann. Zu jedem Buch steht dort der Titel sowie ein Bild des Covers. Auch ist angegeben, wann und von wem das Buch ausgesetzt wurde, sowie eine Bewertung des Buches der Leser und zu welchem Genre es dazugehört. Damit hat der Bücherjäger bereits eine Vorstellung von dem Buch und wo es sein könnte, bevor er sich auf die Suche macht, und muss so nicht orientierungslos und ohne Hinweise in der Stadt herumirren.

Auch in Halle gibt es aktive Bookcrosser. Laut der Internetseite sind von 660 Nutzern aus Sachsen-Anhalt 174 in Halle registriert. Im Gegensatz zu anderen Städten ist die Anzahl der Bookcrosser in Halle relativ gering. In Köln sind beispielsweise 2141 Nutzer gespeichert. Dennoch gibt es in Halle eine große Bookcrossingaktivität.

In den letzten Wochen wurden 59 Bücher freigelassen, wovon einige Bücher erst in den letzten Tage aufgetaucht sind. Beliebte Orte sind dabei Ärztehäuser oder auch Straßenbahnen, der Markt und Sparkassen. Einige Bücher sind schon seit bis zu drei Wochen oder mehr unterwegs, so dass man nicht weiß, ob das Buch noch da liegt, ob es einen neuen Besitzer gefunden hat oder ob es von einem anderen Schicksal ereilt wurde.

Besonders viele Bücher wurden in den sogenannten Official Bookcrossing Zones (OBCZ) hinterlegt, wie in dem Spielehaus oder der Ökoase, in welcher allein 27 der 59 Bücher stehen. Diese OBCZ haben irgendwo eine Box oder ein Regal, in welchem sich die Bücher befinden, und stellen einen Anlaufpunkt für Bookcrosser dar. Diese Orte sind bei der Mitgliederliste auch immer mit einem OBCZ gekennzeichnet, damit sie sofort erkennbar sind.

Im Vergleich zu anderen Städten steckt das Bookcrossing in Halle noch in den Kinderschuhen, dennoch gibt es schon eine erkennbare Anzahl von Begeisterten, die von der Idee einer riesigen Bibliothek ohne Grenzen fasziniert sind.

Foto: Christian Schoen

Über Kristina Wilke

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Erstellt: 25.12. 2012 | Bearbeitet: 10.01. 2013 23:47