Dez 2012 hastuINTERESSE Nr. 45 0

Die schönsten China-Klischees

Vorurteile beeinflussen viele Menschen in ihrer Meinung zu fremden Ländern. hastuzeit-Redakteurin Alisha will den Mythen zu China auf den Grund gehen.

Foto: privat

Sun Qi (25) studiert seit 2010 an der MLU Medien- und Kommunikationswissenschaften und Wirtschafts­wissenschaften. Ursprünglich stammt er aus der Provinz Shandong im Nordosten von China, gut 7800 km von Halle entfernt. Vor unserer Unterhaltung habe ich die besten Vorurteile über China aus dem Internet notiert. Diese lege ich Qi vor, mit der Bitte, diese zu verifizieren oder auch zu falsifizieren.

Alle Chinesen essen Hunde und Katzen

»Nein, das stimmt nur zum Teil«, klärt Qi mich sofort auf. Nicht alle Chinesen verspeisen süße Haustiere zum Abendbrot. Nur in Südchina gibt es eine Provinz namens Guangdong, in der Katzen und Hunde tatsächlich gegessen werden. Generell verspeist die Bevölkerung dort alle Tiere, deren Rücken zur Sonne gewandt sind. Das Problem dabei ist, dass genau diese Menschen als erste Chinesen in das Ausland gereist sind. Sie sind also das Aushängeschild für alle anderen Chinesen gewesen, und genau deshalb denken wir, dass Asiaten Hunde und Katzen essen. Und falls ihr gerade drüber nachdenkt, ob Chinesen jeden Tag Reis essen, kann ich euch sagen – nein, nicht alle. Auch hier essen nur die Menschen aus dem Süden täglich Reis. Trotzdem existiert dieses Bild hartnäckig, vergleichbar mit dem Vorurteil, dass wir Deutschen alle nur Brezeln und Sauerkraut essen.

Chinesen arbeiten fleißig und viel, verdienen aber wenig Geld.

»Wir in China haben genug Geld, um uns einen angenehmen Lebensstandard leisten zu können«, behauptet Qi, als er dieses Vorurteil hört. In China wird mit Yuan gezahlt (1 Yuan = 10 bis 12 Cent). Die Lebenskosten sind im Allgemeinen nicht so hoch wie in Deutschland. Ein Arbeiter, der ca. 25 Tage im Monat arbeitet, verdient 3000 bis 4000 Yuan; das Geld reicht für ein gutes Leben. Für eine schicke Stadtwohnung muss ein Arbeiter schon rund 1 000 000 Yuan aufbringen.

Chinesen dürfen alle nur ein Kind haben.

»Ja, das stimmt. In den 1970ern wurde die Ein-Kind-Politik in China eingeführt. Wir wollen dadurch ein weltweit positives Ziel erreichen, denn es gibt mittlerweile zu viele Menschen auf der Erde.« verteidigt Qi das politische Vorgehen. In der Zeit Mao Zedongs waren Kinder sogar erwünscht. In den Jahren zwischen 1949 und 1971 ist dann die Bevölkerung Chinas von 542 Millionen auf 852 Millionen Bürger gestiegen. »China wurde sich dieses Problems bewusst, und als Land mit der größten Bevölkerung übernehmen wir nun die Verantwortung.«

Auch Qi selbst hat keine Geschwister. »Für uns selbst ist die Ein-Kind-Politik nicht immer gut, wir sind allein, und die Gesellschaft wird immer älter.« Trotz allem sollte man sich bei einer Missachtung der Ein-Kind-Politik darauf einstellen, viel Geld bezahlen zu müssen.

Der »Mao-Anzug« ist wirklich aus der Mode gekommen. 1984 (hier eine Straßenszene aus Peking) war das noch anders.
Foto: kattebelletje (Flickr, CC BY-NC 2.0)

Chinesen sehen alle gleich aus und tragen alle den gleichen Mao-Anzug

»Ja, wir haben alle braune Augen und in der Regel auch schwarze Haare«, stimmt Qi zu. Dennoch kann er von ein paar wenigen Jugendlichen erzählen, die ihre Haare auch mal grün, rot, oder auch gelb färbten. Doch diese seien eher die Ausnahme.

»Wir tragen nicht alle die gleiche Kleidung, vor allem keinen Mao-Anzug«, dementiert Qi. Der sogenannte Mao-Anzug ist meistens grau und wurde von Mao Zedong berühmt gemacht. Deshalb steht er auch für die Revolution. Die zwei Brusttaschen des Anzuges stehen für die Gewaltenteilung. Doch nur die wenigsten wissen, dass der Anzug eigentlich von einem gewissen Sun Zhongshan erfunden wurde. Mittlerweile ist der Anzug außer Mode gekommen.

Chinesen behandeln Ausländer wie Könige

»Ja, wir in China sind sehr freundlich, auch zu Ausländern. Aber die Freundlichkeit ist unsere Natur, wir sind nicht nur zu den Ausländern höflich. Wir sind es immer, auch untereinander«, erklärt mir Qi. Tja, so besonders sind wir Europäer dann also doch nicht. Chinesen sind einfach ein lächelndes Volk und lassen jedem gleichermaßen ihre Freundlichkeit zuteilwerden.

Chinesisch ist eine schwere Sprache

»Ja, auch das stimmt. Die Wörter im Chinesischen haben einfach zu viele Bedeutungen.« versucht Qi mir die Schwierigkeiten mit der Sprache näher zu bringen. Das Wort 表 wird »Biao« gelesen und kann einerseits Formular, Liste und Tabelle bedeuten, andererseits auch Uhr und Thermometer. »Die Bedeutung ergibt sich erst durch den Kontext«, erklärt Qi.

Mir wurden sechs große Vorurteile zu China von einem echten Kenner erklärt. Am Ende muss man feststellen, dass man über ein fremdes Land doch nicht alles weiß, auch wenn man es vielleicht glauben mochte. Mein Tipp: lieber das Land selbst entdecken und weniger auf andere hören!

Link zum Originalfoto von kattebelletje auf flickr

Über Alisha Führer

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Erstellt: 20.12. 2012 | Bearbeitet: 21.12. 2012 21:43