Jun 2012 hastuUNI Nr. 42 0

Der Neue an der MLU

Voraussichtlich im kommenden Wintersemester 2012/13 soll er eingeführt werden: der Masterstudiengang »Erneuerbare Energien«. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung muss nur noch seinen abschließenden Segen geben, dann darf sich die MLU eines weiteren Wettbewerbsvorteils als Lehr- und Forschungsanstalt erfreuen.

Foto: Carstic Productions

»Ein solches Angebot ist in Anbetracht der politischen Entscheidung der Bundesrepublik zur Energiewende unbedingt erforderlich«, erklärt Roland Scheer, Professor am Institut für Physik und Leiter der Photovoltaik-Gruppe der MLU. Er und einige Kollegen der Naturwissenschaftlichen Fakultät II hatten die Idee zur Initiierung des neuen Masters.

»Wenn wir davon ausgehen, dass wir bis zum Jahr 2050 unseren Primärenergieverbrauch um 50 Prozent reduzieren wollen, dann geht das nur durch Nutzung regenerativer Energieträger. Weltweit ein großes Feld, das sehr viele Arbeitsplätze bietet.«

Einer für viele

Nur 20 Studenten werden jährlich angenommen. Allerdings soll es sich um einen fächerübergreifenden Studiengang handeln. »Wir haben den Master so angelegt, dass er sowohl von Physik- und Chemiebachelors als auch von Absolventen passender Ingenieurausbildungen betreten werden kann«, erklärt Scheer.

Fehlende Vorkenntnisse können innerhalb des Studiums nachgeholt werden. »Wir werden die Eignung der Bewerber anhand von Gesprächen im Vorfeld testen, damit wir die verschiedenen Eingangskenntnisse etwa auf ein gemeinsames Niveau einstufen können, und danach auch zum Teil unsere Vorlesungen ausrichten«, so Scheer weiter. Wenn den angenommenen Studenten zum Beispiel Vorkenntnisse in Physik fehlen, werden die Grundlagenvorlesungen so ausgerichtet, dass dies nachgeholt werden kann. Darum die Gespräche im Vorfeld. Es zählt also nicht nur die Abschlussnote der Bachelorarbeit.

Studiengänge zum Thema Erneuerbare Energien gibt es in Deutschland schon einige, doch fast nur auf Fachhochschulen. Die MLU erhofft sich einen Wettbewerbsvorteil durch die deutschlandweit einmalige Konzipierung des neuen Masters. »Es gibt noch keinen einzigen Studiengang, der die naturwissenschaftlichen Aspekte der Energieumwandlung in den Fokus stellt. Da wir den Ausgangspunkt in physikalischen und chemischen Grundlagen nehmen, haben wir ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Bundesrepublik«, ist sich Scheer sicher. Das soll aber nicht heißen, dass sich die Studenten nur mit trockener Theorie herumschlagen werden. Zwar sieht das Lehrkonzept zu Beginn einen starken Theoriebezug vor, doch kommt am Ende die praktische Anwendung in Form von Forschungsprojekten nicht zu kurz.

Einer, der anknüpft

Forschung ist für die weitere Entwicklung der Branche sehr wichtig. Die Sonne beispielsweise ist eine sehr hochwertige Energiequelle. Der theoretische Grenzwirkungsgrad, also das, was maximal an Energie gewonnen werden kann, liegt bei 85 Prozent. Gegenwärtige Solarmodule auf Häuserdächern haben einen Wirkungsgrad von gerade einmal 20 Prozent. Zur Nutzenmaximierung der neuen Technik ist Grundlagenforschung nötig, die derzeit an verschiedenen Lehrstühlen betrieben wird und unter anderem ein Stück weit Aufgabe des Masters Erneuerbare Energien sein soll.

Professor Scheer ist Spezialist auf dem Gebiet der Photovoltaik. Trotzdem soll sich der neue Master nicht nur mit Solarzellen befassen. In der Grundlagenausbildung wird die ganze Breite an regenerativen Energiequellen erarbeitet. »Später im zweiten Teil des Studiums und wenn im vierten Semester die Masterarbeit geschrieben werden soll, gibt es natürlich Anknüpfungspunkte an Stellen, an denen wir selbst Forschung betreiben«, räumt Scheer ein. Dies umfasst ein breites Aufgabenspektrum von Elektrochemie und Elektrokatalyse bis hin zu Brennstoffzellen.

Dass das Bundesministerium sein finales OK geben wird, gilt als sicher.

Über Katharina Deparade

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Erstellt: 23.06. 2012 | Bearbeitet: 23.06. 2012 12:03