Dez 2012 hastuUNI Nr. 45 0

Der Kapitalismus und die Krise

Die neugegründete Institutsgruppe Politikwissenschaften lud zu ihrer ersten Veranstaltung ein.

Der kleine Raum war schon vor Beginn der Diskussion gut gefüllt. Das Publikum verteilte sich auf Sofas und rasch herbeigeholte Sitzkissen. Die erste von der Institutsgruppe der Politikwissenschaften organisierte Veranstaltung fand als Podiumsdiskussion zu dem Thema »Wege des Kapitalismus aus der Krise« am 27. November im Café Somkys statt. Als Teilnehmer waren an diesem Abend Benjamin von Opratko von der Universität Wien und Chris Methmann von der Universität Hamburg erschienen. Methmann hatte kurzfristig zugesagt, anstelle der erkrankten Professorin Angela Oels, die den Vertretungslehrstuhl der Internationalen Beziehungen an der Uni Halle innehat. Henriette Kühnl von der IG Powi übernahm die Moderation.

Antonio Gramscis »Gefängnishefte« entstanden während seiner Haftzeit im faschistischen Italien. Der marxistische Theoretiker (1891–1937) prägte den Begriff der »kulturellen Hegemonie«, des herrschenden ideologischen Konsenses, um den in der Zivilgesellschaft unblutig gerungen wird.
Foto: unbekannt (gemeinfrei)

Opratko, selbst ein Vertreter des Neogramscianismus, sprach zunächst über die kulturelle Hegemonietheorie von Antonio Gramsci. Hierbei stieg er mit einem Zitat von Anton Čechov ein: »Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag.« So sei in den letzten Jahren ein Dauerzustand von Krisen geschaffen worden wie die Finanz-, Wirtschafts- oder Klimakrise. Durch den Neoliberalismus verschiebe sich das Kräfteverhältnis zwischen Lohn und Arbeit, was dazu führe, dass die Nachfrage nach Konsumgütern sinkt. Auf dem Kapital- und Finanzmarkt hingegen hält die Suche nach hohen Renditen an, jedoch wird das Kapital nicht produktiv angelegt.
Danach äußerte sich Methmann zu diesem Thema. Er sprach die Entwicklung der Green Economy an, die sich seit den letzten Jahren immer mehr zu einem Erfolgsmodell entwickelt habe. Das sei ein Zeichen, dass auch Bewegungen, die anfangs nicht zum Mainstream gehörten, ebenfalls die Chance hätten, Gehör zu finden. Ein Beispiel für die Green Economy ist der Emissionshandel. Der Markt soll eingesetzt werden, um die Umwelt zu retten. Durch solche Investitionen soll gleichzeitig für Wachstum und damit auch Schuldenreduktion gesorgt werden. Weiterhin drehten sich Methmanns Ausführungen um die problematischen Folgen der Green Economy und wie diese sich in Zukunft weiter entwickeln solle.

Vieles, was den Zuhörern geboten wurde, verschwand schnell im Dickicht der verschiedenen Schulen und Theorien der Politik, was es für einige aus dem Publikum sehr anstrengend machte, den Faden nicht zu verlieren. So kam sehr schnell, auch bei den Fragen einiger engagierter Diskussionsteilnehmer, eine Fachsimpelei über Politik, deren Begrifflichkeiten und Definitionen auf. Was sicherlich auch daraus resultierte, dass, wie einige Zuhörer an ein paar Stellen anmerkten, die Fragestellung nicht ganz klar war, da sich Methmann und Opratko weniger ein Rededuell lieferten, sondern vielmehr einander ergänzten und im Grunde ihrer Aussagen übereinstimmen.

Das Publikum stellte viele Fragen, die meist sehr ausführlich mit eigenen Gedanken unterlegt waren und sich darum drehten, ob denn beides, Wachstum und die »ökologische Rettung» möglich sei oder wieso der Neoliberalismus in den letzten Jahrzehnten so erfolgreich ist. So hatte man den Eindruck, dass das Thema auch hätte lauten können: »Wege des Kapitalismus in die Krise«. Trotz dieser Situation schaffte es Henriette, die Moderatorin, die Diskussion in interessante Bahnen zu lenken, so dass jeder zu Wort kommen konnte.

Als Fazit lässt sich die Podiumsdiskussion als eine sehr interessante, jedoch für diejenigen mit weniger fachlichem Vorwissen eher anstrengende Veranstaltung zusammenfassen.

Institutsgruppen sind fachspezifische Interessenvertretungen von Studierenden. Besonders zahlreich sind sie in der Philosophischen Fakultät I zu finden, wo der Fachschaftsrat bei den vielen Instituten und Studiengängen kaum den Überblick behalten kann.

Über Kristina Wilke

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Erstellt: 17.12. 2012 | Bearbeitet: 20.12. 2012 13:26