Apr 2012 hastuINTERESSE Nr. 41 0

Bürgerkrieg und Mobiltelefone

Chemisch stabil und unersetzlich für die Mikroindustrie: Tantal. Doch wie lange gibt es das seltene Metall noch, und welche Konsequenzen sind mit seiner Gewinnung verbunden?

Unsere Freunde und Begleiter Mobiltelefon und Notebook sind von einem baldigen Aussterben bedroht. Denn für ihre Herstellung wird das Metall Tantal verwendet, und das wird immer knapper.

Tantal gehört inzwischen nach offizieller Definition zu den seltenen Metallen. Das heißt, es kostet circa 500 Dollar pro Kilogramm und wurde in der Zeit von 2001 bis 2004 um fast 100 Prozent teurer. Außerdem reichen die Reserven höchstens 25 Jahre. Wobei vom heutigen Wissenstand ausgegangen wird; es sei nicht ausgeschlossen, dass bisher noch unentdeckte Vorkommen durch verbesserte Technik oder höhere Investitionen erschlossen werden, erklärt Prof. Ebbinghaus, Experte für Festkörperchemie an der MLU.

Das Metall wird aus Coltan gewonnen und für die Produktion der winzigen Kondensatoren in Mobiltelefonen, Digitalkameras und Notebooks verwendetet. »Die Handys sollen bei gleichbleibender oder sogar verbesserter Leistung immer kleiner und leichter werden, das heißt, die Bauteile müssen kleiner werden, und dafür eignet sich besonders Tantaloxid.« Aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften könne man daraus besonders kleine und leichte Kondensatoren herstellen, so Ebbinghaus.

Als bisher einzig möglicher Ersatz für Tantal gilt das Metall Niob mit ähnlich nützlichen Eigenschaften. Doch damit käme man auch nicht viel weiter, denn auch die Niob-Bestände schrumpfen.

Coltan wird in Brasilien, Australien und Zentralafrika gefördert. Am billigsten kann das wertvolle Erz im Kongo eingekauft werden. Dort sind die Arbeitsbedingungen in den illegalen Minen allerdings untragbar. Kinderarbeit, keine Schutzkleidung und einstürzende Stollen – es gibt keine Kontrollen und Richtlinien. Etwa die Hälfte des auf dem Weltmarkt benötigten Tantals stammt aus dem Kongo und finanziert dort den Kauf neuer Waffen, denn die Warlords kassieren Zwangsabgaben für das Betreten und Verlassen der Minen von jedem Arbeiter. Tantal gilt deswegen als sogenanntes Konfliktmaterial.

Der Dokumentarfilm »Blood in the mobile« zeigt, wie viel Blut an den Handys klebt, die wir täglich benutzen und nicht mehr missen möchten, und wie schwer es für den Konsumenten ist, den Produktionsweg nachzuvollziehen.

Filmemacher Frank Poulsen begibt sich vor Ort, um die illegale Minenindustrie mit eigenen Augen und vor allem mit der Kamera zu sehen. Er fordert Nokia auf, den Zustellerweg offenzulegen, aber die Mitarbeiter reden sich heraus.

Gerade diese fehlende Transparenz ist problematisch für alle Konsumenten. Wer wissen will, woher die Materialien stammen, aus denen das geliebte Handy zusammengesetzt wird, muss sehr hartnäckig sein und kann selbst dann noch nicht davon ausgehen, die richtigen Informationen zu haben. Also einfach aufgeben und nicht weiter darüber nachdenken? Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland circa 30 Millionen Handys verkauft. Und durch die fortwährende Verbesserung der Technik und Vervielfältigung der Anwendungen wird der Absatz nach Schätzungen der BITKOM noch um 5,5 Prozent steigen. Was passiert mit den ganzen alten Handys?

Es sei absolut möglich, das Metall aus alten Handys zu recyceln, versichert Ebbinghaus. Und nicht nur Tantal, auch andere wertvolle Metalle könnten wiederverwertet werden. Auch Gold und Platin landen irgendwann in der Schublade, wenn Mobiltelefone keine Verwendung mehr finden.

Aber warum wird diese Quelle nur so selten genutzt? »Das ist vermutlich eine Kostenfrage, noch ist es billiger, das Tantal zu importieren statt zu recyceln.« Also die alten Handys nicht wegschmeißen, vielleicht entscheidet sich die Industrie bald, sie zu verwerten und damit die Ressourcen und einiges mehr zu schonen.

Über Ronja Schlemme

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Erstellt: 26.04. 2012 | Bearbeitet: 26.12. 2013 17:12