Dez 2012 hastuPAUSE Nr. 45 0

60 Künstler auf 1500 m²

Zwei Initiatoren wagten das Experiment, einen Kunstraum zu eröffnen, und setzen die Serie fort.

Foto: Christian Schoen

In der Großen Ulrichstraße 19–21 findet bis zum 22. Dezember 2012 die fünfte Ausstellung der Initiatoren Rebekka Rauschhardt und Björn Hermann statt. »Eine Verkaufsausstellung und Werkschau von knapp 60 Künstlern, wo wir Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Schmuck und Textilbuchkunst zeigen. Der Kunstraum wird begleitet von Kulturveranstaltungen, Lesungen und Auftritte von Musikern.«

Die Idee für die Ausstellung kam den beiden Künstlern, da sie keinen Ausstellungsraum für ihre Arbeiten gefunden hatten. Wenn man doch das Glück hat, einen zu finden, muss man Transportkosten bezahlen. Oftmals gibt es nicht genügend Platz für alle Werke, und man verkauft nicht sehr viel, wie mir Rebekka berichtet. »Da haben wir einfach gedacht: Wir machen jetzt selber eine. Es wäre aber vielleicht zu langweilig, wenn wir unsere eigenen Sachen ausstellen. Also fragen wir alle, die wir kennen, ob sie auch Lust haben mitzumachen.«

Beide Künstler haben zusammen an der Burg Giebichenstein studiert. Björn hat sich als jetziger Student auf Malerei und Textile Künste spezialisiert. Rebekka ist schon seit zwei Jahren mit ihrem Diplom fertig. Im Sommer 2011 fing die Ausstellung der beiden Künstler im Kleinformat an. »Es waren fast 25 Exponate beim ersten Mal, und tatsächlich hat die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der Arbeiten das Publikum sofort begeistert.« Als es Winter wurde, verlagerten sie die Ausstellung von der Leipziger Straße in die Große Ulrichstraße. Doch diesen Winter gab es, statt einer Rede wie im ersten Kunstraum, einen Auftritt der Sopranistin Julia Preußler. »Diesmal dachten wir, wir wollten es dramatisch haben, und da fiel uns ein, dass die Künstlernamen gesungen werden könnten. Sie hat innerhalb von zwei Wochen knapp 60 Künstlernamen auswendig gelernt und diese unglaublich dramatisch klassisch gesungen, wie eine Arie.« Für Rebekka und Björn war das »der Hammer«.

Foto: Christian Schoen

Für die Eröffnung gestalteten sie den Kunstraum selber. Sie hängten nicht nur Gemälde von Künstlern auf, sondern auch von Studenten, Anfängern oder freischaffenden Künstlern. Schließlich darf jeder mitmachen, da es keine Kriterien gibt. Die Initiatoren entwickelten auch Sympathien für bestimmte Werke. Einer Meinung sind sie zu den Bildern von Christine Bergmann: »Die Bilder sind malerisch wahrscheinlich sehr einfach, aber wenn man es versuchen würde nachzumachen, würde man mit sich ganz schön ins Hadern kommen. Es ist ein ganz leichter Pinselstrich, der sitzt dann auch, und das ist das Schöne an ihren Werken.« Auch zu den anderen Gemälden hat Rebekka viel zu erzählen: »Die Grafiken von Barbara Wege sind Zeichnungen mit leichter Farbe, und die von Undine Hannemann sind recht wilde Bilder, wo es ganz schön drunter und drüber geht. Ein sehr freier Strich, aber am Ende funktioniert es wie eine Geschichte.« Björn fasziniert aber noch mehr, wie die vielen unterschiedlichen Stile der Bilder in Kombination mit den Plastiken sich gegenseitig bereichern und zusammenspielen. Auch die beiden haben für die Ausstellung an einigen Werken gearbeitet. Björn bezeichnet sich selber als abstrakter Maler und bevorzugt Haut-, Rot- und Orangetöne. »Es sind keine konstruierten Flächen in den Bildern zu sehen, und sie vermitteln eine Unendlichkeit.« Doch da seine Bilder sehr großformatig sind, hat er sehr wenig ausgestellt. Rebekka hat dagegen sehr viel an Platz gefüllt. Sie bevorzugt Vollfarben und malt sehr gerne Portraits. Ihre gemalten Gesichter sind abstrahiert, aber noch leicht naturalistisch.

Ein Ausstellungsstück von Rebekka ist mit einem kräftigen, strahlenden Gelb gemalt worden und trägt den Titel »Gelbverbot«. In ihrer Studienzeit hatte sie in einem einstimmigen Urteil von ihrem Professor und ihrer damaligen Klasse ein Gelbverbot erhalten. Auch in Björns Studium ist nicht alles glattgegangen. »Also, es passieren schon einmal Missgeschicke, wenn man übermüdet ist. Dass einem möglicherweise der komplette Farbeimer umkippt, die riesige Farblache irgendwo landet, wo sie nicht landen soll. In dem Moment ist das natürlich nicht ganz so lustig, und es wird trotzdem irgendwie mit hysterischem Lachen begleitet, weil es einfach so unbegreiflich ist.« Nun brechen beide in Gelächter aus.

Auf die Frage, ob man denn von der Kunst leben könne, fängt Björn wieder an zu lachen. Beide tätigen viele künstlerische Nebenjobs. Er selber hat durch eine Initiative der Bürgerstiftung mit vielen anderen Künstlern oder Kunstpädagogen Kindern aus Halle-Neustadt Kunst und Kultur nähergebracht. Ab und zu erhalten sie auch Aufträge für Kunst am Bau. Am 3. Dezember war Björn in Weißenfels und half dort der Burgabsolventin Christine Bergmann den Bahnhof zu verschönern. Rebekka präsentierte am selben Abend im Rahmen eines Stipendiums der Kunststiftung Sachsen-Anhalt ihr Projekt zum Thema »Die Wäsche meiner Nachbarn« im Kunstraum Rauschickermann.

In der Zukunft sieht sich Rebekka immer noch mit ihrem Pinselstiel in der Hand. »Ich brauche nur die Kunst, um glücklich zu sein.« Dann erzählt sie noch, dass im Moment ein kleines Kunstprojekt ihre eigene Vita ist. »Ich selber langweile mich total, wenn ich die Viten anderer Leute lesen muss oder lesen möchte. Da habe ich gedacht, ich drehe an der Form, so dass es interessanter wird. Aber ich gehe sogar die Gefahr ein, dass es lächerlich wird.« Dabei fällt ihr ein: »Ach, Björn müsste demnächst auch mal Diplom anmelden.« Doch er meint nur: »Die nächsten Ziele sind unter Umständen das Diplom zu machen. Was natürlich schön ist, wenn man mit dem Kunstschaffen allgemein in all seinen Facetten, so wie wir es hier betreiben, leben und überleben kann.«

Rebekka Rauschhardt und Björn Hermann sind mit der jetzigen Ausstellung zufrieden und wollen 2013, im Zeitraum der Händelfestspiele, wieder einen Kunstraum eröffnen.

  • Sa, 15. Dezember, 19.00 Uhr: Gedichtvortrag von Margarete Wein zusammen mit Simone Juppe (Percussion) und Gerlinde Poldrack (Saxophon)
  • Di, 18. Dezember, 19.00 Uhr Improvisationstheater »BilderReise«
  • Sa, 22. Dezember, 19.00 Uhr Finissage mit Untermalung der Trommelgruppe »Takt!Los!«

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Momentan unterstützt sie die hastuzeit als Freiwillige Mitarbeiterin.

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Erstellt: 19.12. 2012 | Bearbeitet: 01.02. 2013 18:35