Dez 2012 hastuPAUSE Nr. 44 0

»Wild Blood«

Am 26. Oktober trat die Band »Cocoon Fire« supported von »Schöne Jugend« im Objekt 5 auf. Cocoon Fire nutzte die Gelegenheit, um ihr zweites Album vorzustellen: »Wild Blood«.

»Schöne Jugend« amüsierte die Gäste mit lustigem und schönem Indiepop. Einige Lacher gab es, als der Schlagzeuger sang: »Gestern hat mich ein Mädchen angelacht, sie entschuldigte sich, denn sie hatte mich verwechselt.« Trotz einer sehr einfachen Melodieführung, drei oder vier Akkorde, hat die Band gerockt.

Foto: Johanna Sommer

Nach einer kurzen Pause kündigten Nebel und Vogelgezwitscher die Hauptakteure dieses Abends an. Im Gegensatz zur ersten Band nahmen sie mit ihren Fans Kontakt auf: »Wer von euch hat heute gearbeitet und fand das scheiße?« fragte Frontsänger Felix in die Runde und stand mit seiner Gitarre am Mikrofon. Der Backgroundsänger Christian spielte sich auf seiner Bassgitarre ein, und Backgroundsängerin Johanna tat dies auf ihrem Keyboard. Jeremia gab den Beat auf seinen Drums vor und brachte die Becken zum vibrieren. Einige Anwesende waren wohl sehr unzufrieden mit ihrem Beruf. Ihnen widmete die Band den Song »Work Work«. Felix hatte das Lied in einer Zeit geschrieben, in welcher er täglich mindestens zehn Stunden arbeiten musste. Sein Chef sei unerbittlich gewesen. Auf dem Weg zur Arbeit wären ihm dann zähneknirschend die Textzeilen eingefallen. Ihm wurde klar, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben.

Neue und alte Songs spielte die Band, wie auch den Song »Octopus«. Felix hatte einen schwarz-weißen Trailer zu dem Film »Ich bin der Oktopus« im Kino gesehen und konnte den Anblick dieses Meeresbewohners nicht vergessen. Nach minütigem Applaus und Zugaberufen tranken sie vier Schnäpschen und spielten »Better Drugs«. Dieser fünf Jahre alte Song hatte einen ganz anderen Hintergrund. Damals hatte der Frontsänger immer wieder Menschen erlebt, die total dicht waren und dann Mist gebaut haben. Die Idee war, einen Partysong zu schreiben, der die Menschen an die Folgen am nächsten Tag erinnern würde.

Von Song zu Song spielte Johanna auf dem Keyboard oder begleitete auf der Gitarre. Nicht nur die Band, sondern auch die Fans waren mit dem Auftritt zufrieden. Eine Mischung aus Alternative, Indie und Rock wurde den Gästen geboten. Langweilig sind sie sicher nicht, aber vielleicht legen sie zu viel Energie in die Songs. Denn beim Interview zeigte Felix seine zitternde linke Hand mit blutendem Zeigefinger.

Wenn der Frontsänger sich an die Vergangenheit erinnert, so waren sie damals nur zu dritt. Ihr erstes Konzert gaben sie 2001. Felix, Radioredakteur, hatte den Industriearbeiter Jeremias über eine Bekannte kennengelernt. Der Radiologe Christian ist ein Schulfreund von ihm. 2008 waren ihre Songs so komplex geworden, dass sie die ganzen Ideen nicht mehr zu dritt umsetzen konnten. Johanna, Veranstaltungskauffrau, ist die Schwester eines Freundes von ihnen. Zusammen beschlossen sie sich »Cocoon Fire« zu nennen. Die Energie im Feuer und der Kokon als Symbol des Wachstums imponierten ihnen sehr. 2009 gaben sie zu viert ein Konzert. Ihr erstes Album veröffentlichten sie im selben Jahr unter dem Titel »Quarter Life Crisis«. Bis jetzt sind sie schon an vielen Orten aufgetreten, unter anderem in Leipzig, Hamburg, Potsdam und Mitte November im Halbfinale des »Chesterfield f6 Music Award« in Dresden. Auf die Frage, was denn sein Lieblingssong von allen sei, die sie bis jetzt produziert haben, muss Felix sehr lange überlegen. Letztendlich meint er: »Work Work.«

Das neue Album präsentierten sie melodiös, rockig, energiegeladen, mitreißend und voller Leidenschaft.

Über Johanna Sommer

Sie ist direkt, ehrlich, neugierig, perfektionistisch, willensstark, satirisch, emotional, wissensdurstig und ab und zu verfällt sie in Panik. Trotzdem ist sie irgendwie Chefin der "hastuzeit" geworden. Aber viel wichtiger ist, das, wenn sie Artikel schreibt, schwillt ihr Herz zu einer großen Blase voller Freude an, fast genauso groß, wenn sie Snowboard fährt.

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Erstellt: 14.12. 2012 | Bearbeitet: 20.12. 2012 13:34