Dez 2012 hastuUNI Nr. 44 0

»Schraube ohne Ende?« –
»Kein Kommentar!«

Die Preiserhöhung des »Semesterticket Plus« ging wohl nur an den wenigsten Studierenden unbemerkt vorbei. Nun fordert die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) auch noch eine Erhöhung des Solidarbeitrags.

Den Solidarbeitrag zahlen alle Studierenden durch den Semesterbeitrag. Er soll von 16,50 € auf nun über 20 € angehoben werden. Aus diesem Grund verhandelt der StuRa zusammen mit dem Studentenwerk und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV), zu welchem auch die HAVAG gehört. Das Studentenwerk vertritt dabei als Vertragspartner die Interessen der Studierendenschaft, da die Besetzung des StuRa bekanntlich durch Wahlen variiert. Im Gespräch erklärte Dr. Volkmar Thom, Leiter des Studentenwerks, was genau geplant wäre. Ziel sei, dass »dieser Grundbetrag, Semesterticket Freizeit, konstant gehalten werden soll«. Dem entgegen steht die Absicht der HAVAG, ihn zu erhöhen. Konkret soll die Solidarabgabe zum WS 2013/14 um 3 €, im zweiten Schritt (zum WS 2015/16) um weitere 1,50 € steigen.

Bei den Verhandlungen sitzen Vertreter des StuRa, Studentenwerks, des MDV sowie der Deutschen Bahn AG an einem Tisch. Die HAVAG wurde gebeten, die steigenden Preise zu begründen und Zahlen zu liefern, die dies nachvollziehbar machen. Ergebnis war eine intransparente Aufstellung von vier Seiten. »Mit denen konnten wir nicht viel anfangen«, so Dr. Thom. Die Nutzung des Semesterticket Freizeit habe aber laut HAVAG zugenommen. Die Methoden der Fahrgastzählung sind jedoch nicht klar durchschaubar. Zudem ist zu bedenken, dass die Zahl der Studierenden in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen ist. Somit werfen sich einige Fragen auf, zu denen die Pressestelle der HAVAG gegenüber der hastuzeit jedoch keine Stellung beziehen wollte.

Der StuRa und das Studentenwerk waren dagegen nicht nur zu Gesprächen bereit, sondern sprachen sich dafür aus, die Problematik publik zu machen. »Denn wir können uns nicht alles gefallen lassen«, sagte Dr. Thom. Es gibt von Seiten der Studierendenvertreter drei mögliche Lösungen für das Problem:

  1. mehr Leistung für mehr Geld (zum Beispiel Nutzung des Semesterticket Freizeit schon ab 17 Uhr)
  2. Vollticket für den MDV (für etwa 112 €)
  3. Integration der Strecke Halle–Leipzig (die Deutsche Bahn stellt sich dabei quer)

Illustration: Christian Schoen

Der MDV hätte wahrscheinlich nur an der zweiten Option ein wirtschaftliches Interesse – eigene Lösungsvorschläge brachten seine Vertreter bisher nicht mit in die Verhandlungen ein. Da die letzten Vertragsgrundlagen 2008 ausgehandelt wurden, ist es nun wahrscheinlich nötig, eine erneute Urabstimmung durchzuführen. Somit würde auch ersichtlich werden, wer sich überhaupt für den Solidarbeitrag bzw. ein Vollticket ausspricht.

Von einem vollsolidarischen Freizeitticket gänzlich Abstand zu nehmen wäre für die Studierenden, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, allerdings eine teure Angelegenheit, wie Sabrina Schiffner vom StuRa erläutert: Für Azubitickets müsste man pro Monat etwa 40 € bezahlen (wobei nicht sicher sei, ob Studierende dieses ebenfalls nutzen könnten – der MDV hüllt sich auch in dieser Frage in Schweigen).

Fest steht jedoch, dass – egal, bei welcher Lösung – immer vertraglich verankert sein wird, dass der MDV jährliche Preiserhöhungen vornehmen kann. Dr. Thom stellt nüchtern fest: »Das kann eine Schraube ohne Ende werden.« Doch StuRa und Studentenwerk setzen sich weiter für eine studierendenfreundliche Lösung ein.

Über Ricarda Bär

Erstellt: 14.12. 2012 | Bearbeitet: 07.04. 2014 17:33