Dez 2011 hastuUNI Nr. 38 0

Zwischen Waschbrett und Spritzbesteck

1754 wurde an der Medizinischen Fakultät der Uni Halle erstmalig in Deutschland einer Frau der Doktortitel verliehen. Wer war diese Frau?

Dorothea Christiana Leporin in Quedlinburg geboren. Ihr Vater, Dr. Christian Polycarp Leporin, war praktischer Arzt, hatte ab 1708 auch in Halle studiert und 1711 an der Erfurter Universität promoviert. Ihre Mutter Anna Sophia entstammte der angesehenen Predigerfamilie Meinicke. Dorothea hatte eine ältere Schwester und zwei jüngere Brüder.

In ihrem Lebenslauf, den Dorothea Erxleben ihrer Dissertation beilegte, sprach sie ihrem Vater maßgeblichen Anteil an ihrem Werdegang zu: Sie war ein kränkliches, jedoch wissbegieriges und lernbereites Kind. Um ihr die Langeweile zu mildern, wenn sie im Haus bleiben musste, erlaubte er ihr die Teilnahme am Unterricht des zwei Jahre jüngeren Bruder Christian. Diesen übernahm Dr. Leporin teilweise selbst und prägte so früh Dorotheas Interesse an der Medizin. Später nahm er seine Kinder sogar mit in seine Praxis und auf Visite. Für die Sprachen und die Naturwissenschaften jedoch ließ er Lehrer des städtischen Gymnasiums kommen. Mit ihrem Lehrer Tobias Eckhard führte Dorothea über den Unterricht hinaus Briefwechsel auf Latein; von ihm erfuhr sie von der Promotion der Italienerin Laura Bassi 1732. Eckhard schrieb Dorothea, er traue auch ihr einen Universitätsabschluss zu. Damit bestärkte er sie in diesem bereits vorhandenen Wunsch. Zunächst jedoch sah Dorothea es als ihre Pflicht an, zu lernen, wie man als gutes »Frauenzimmer« einen Haushalt führte. Danach wollte sie ein Medizinstudium beginnen. Ihr Bruder schrieb sich 1735 für sein Studium ein, Dorothea kämpfte bis 1741 um ihre Immatrikulationsberechtigung. Der Streit ging bis vor den König: Letztendlich war es Friedrich II., der entschied, dass sie studieren dürfe. Noch unter ihrem Mädchennamen veröffentlichte sie im Folgejahr ihre erste wissenschaftliche Abhandlung, in der sie Gründe gegen das Frauenstudium diskutierte. Kurz darauf heiratete sie den verwitweten Diakon und bereits fünffachen Vater Johann Christian Erxleben. Zusammen bekamen sie drei weitere Söhne und eine Tochter.

Sie führte jedoch nicht nur den Großfamilienhaushalt, sondern besuchte ab 1742 parallel dazu Medizin-Vorlesungen. Als ihr Vater 1747 starb, übernahm sie seine Praxis. 1753 starb eine Patientin, woran konkurrierende Quedlinburger Ärzte ihr die Schuld gaben und ihr mangelnde medizinische Ausbildung und Fähigkeiten unterstellten. Der Stiftshauptmann musste ihr in der Folge bis zum Einreichen ihrer Dissertation die Arbeitserlaubnis entziehen. Er setzte ihr dazu eine dreimonatige Frist bis Juni des Jahres, welche sie jedoch aufgrund ihrer vierten Schwangerschaft verlängern musste. Am 6. Januar 1754 reichte sie ihre 40-seitige Dissertation über die Vorteile von gründlicher gegenüber schneller Therapie und Heilung in lateinischer Sprache ein, kurz darauf legte sie die mündliche Prüfung ab. Im Mai wurde ihr der Doktorgrad verliehen. 1755 veröffentlichte sie eine umfassendere Version ihrer Doktorarbeit auf Deutsch. Dabei übersetzte sie auch die lateinischen Fachbegriffe ins Deutsche und leistete so einen Beitrag zur Allgemeinverständlichkeit.

Zudem praktizierte sie weiterhin als Ärztin. Sie nahm sich dabei insbesondere der ärmeren Bevölkerung an. Deshalb, sowie aufgrund der allgemeinen Mediziner-Konkurrenz in Quedlinburg und der Erbschulden ihres Vaters, sah sich die Familie über weite Strecken finanziellen Problemen ausgesetzt. Dorothea Erxleben starb am 13. Juni 1762, drei Jahre nach ihrem Ehemann.

Über Caroline Bünning

Caroline Bünning
geboren 1992, bei der hastuzeit seit 2011 - Ich mag Sport, Sprachen, Reisen, ... und noch vieles mehr.

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Erstellt: 28.12. 2011 | Bearbeitet: 17.04. 2012 21:10