Feb 2011 hastuINTERESSE Nr. 35 0

Zwischen Atelier und Bibliothek

Die Universität, die man besucht, ist sehr prägend für die Identität eines Studenten. In Leas Fall sind das gleich zwei Hochschulen.

Es ist Freitagmittag, 12 Uhr. Normalerweise ist Lea um diese Zeit im Atelier. Danach folgt dann meist noch ein Besuch in der Druckwerkstatt und regelmäßig am Abend ein Plenum zum Austausch mit anderen Kunststudenten. Zwischendurch besucht sie Vorlesungen und Seminare, arbeitet in einem Café und schreibt oft bis in die Nacht an Hausarbeiten. Heute hat sie sich zwischendurch Zeit genommen, um von ihrem Studium zu erzählen. Ihre Tage sind aus einem besonderen Grunde so voll: Sie studiert an zwei Hochschulen der Stadt – an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und an der Martin-Luther-Universität.

Kunst und Wissenschaft vereinen

Lea ist an der Kunsthochschule Halle eingeschrieben und studiert dort Kunsterziehung. Da man dies nicht einzeln belegen kann, musste sie sich noch ein weiteres Fach suchen. »Eigentlich wollte ich Biologie als zweites Fach belegen. Das ließen die Kapazitäten aber nicht zu«, erzählt die 25jährige Studentin, »nur in der Philosophie war noch Platz.« So kam es, dass sie zusätzlich Philosophie und Ethik auf Lehramt studiert.

Da ihre Interessen eigentlich bei Kunst und Biologie liegen, war es nicht leicht für sie, in die Thematik einzusteigen. Hinzu kommt, dass Lea durch die zusätzlichen Seminare und Vorlesungen, Hausarbeiten und Klausuren zeitlich viel eingeschränkter ist. »Manchmal muss ich mehr Zeit für die Philosophie aufbringen, obwohl ich sie lieber in die Kunst investieren möchte. Das ist ziemlich stressig, da man zum richtigen künstlerischen Arbeiten eigentlich unbegrenzt Zeit braucht. So kann man sich keinen Müßiggang erlauben, den man manchmal braucht, um kreativ zu sein.«

Beiden Fächern gemein ist, dass sie im Vergleich zu anderen Studiengängen nicht so durchstrukturiert sind. Daher ist es besonders wichtig, einen eigenen Rhythmus zu finden und jedem Fach und jedem Projekt einen angemessenen Zeitraum einzuräumen. Auch wenn man sich manchmal dazu zwingen muss. Lea sieht das Ganze auch positiv: »Eine stärkere Begrenzung der Zeit kann man auch sehr produktiv nutzen, denn die Zeit, die man übrig hat, nutzt man viel intensiver. Man konzentriert sich mehr darauf, konstant an einer Sache zu arbeiten.« Durch das Doppelstudium hat Lea eine eigene Struktur für sich gefunden. Sie hat es geschafft, Kunst und Wissenschaft für sich zu vereinen.

»Es ist nie abzusehen, wovon wir lernen.«

Auch wenn es anfänglich Schwierigkeiten mit dem Lehramtsstudium gab und es eine Menge zusätzlichen Stress mit sich bringt, kann es für die Kunststudentin auch sehr befruchtend sein. »Ich kann die Erkenntnisse aus der Philosophie in die Kunst einbringen. Auf diese Art kann ich wissenschaftlich damit umgehen. Das ist ein Blickwinkel, der Künstlern oft fehlt, aber sehr interessant sein kann«, fasst Lea zusammen, »Es ist nie abzusehen, wovon wir lernen.« Das Philosophie- Studium ist also sehr bereichernd für Lea. Die Doppelbelastung durch die verschiedenen Studiengänge und die Fächer selbst stehen nicht, wie anfänglich vielleicht befürchtet, im Konflikt zueinander. Eigentlich ist es ein glücklicher Zufall der Kombination, und Lea kann ihre Zugehörigkeit zu zwei Hochschulen gut vereinen.

Doch man merkt schnell, dass ihr Herz an der Kunst hängt. Alles neu Erlernte versucht sie, in ihre Werke einfließen zu lassen und sie investiert auch mehr Zeit dafür. Dementsprechend identifiziert sie sich auch eher mit der Kunsthochschule, denn dort kann sie ihre wahre Leidenschaft ausleben. »Ich fühle mich ungebundener in der Kunst, aber verbundener mit der Kunst.«

Über Julia Kloschkewitz

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Erstellt: 24.02. 2011 | Bearbeitet: 19.02. 2011 16:41