Feb 2011 hastuUNI Nr. 35 0

Wie funktioniert das eigentlich?

Beim BAföG durchzublicken, ist ein Kunststück. Einer, der weiß, wie es geht, ist BAföG-Berater Jörg Kreutz

Worauf muss ich bei einem Fachrichtungswechsel achten
Jörg Kreutz ist der ehemalige Chef des BafÖG-Amts

Jörg Kreutz ist der ehemalige Chef des BAföG-Amts

Bis zum Ablauf des zweiten Semesters muss bei einem Fachrichtungswechsel gar kein Grund angegeben werden. Man teilt dem Amt in diesem Fall nur mit, dass man sich umorientieren möchte, dann wird ein wichtiger Grund unterstellt. Im dritten Semester muss man bei der Begründung schon genauer sein. Man muss glaubhaft machen, dass man diesen jetzt vorgetragenen Grund nicht frühzeitiger erkennen konnte. Wenn etwa der Student der Rechtswissenschaft bereits im ersten Semester durch den kleinen Strafrechtsschein gefallen ist, sich das im zweiten Semester wiederholt und dann im dritten merkt, dass ihm dieses Studium nicht liegt, unterstellt das Amt, dass er das schon früher hätte wissen müssen. Man sollte also unverzüglich wechseln. Der Studierende hat sich mit den Inhalten des Studiums auseinanderzusetzen und dann ist es auch möglich, bis zum dritten Semester zu merken, ob dieses Studium das richtige ist – schließlich ist das bereits die Hälfte des Bachelor-Studiums.

Vollzieht sich der Fachrichtungswechsel erst nach dem dritten Semester, muss ein sogenannter unabweisbarer Grund geltend gemacht werden. Dieser ist ganz schwer herzuleiten, denn er muss von außen auf den Auszubildenden eingedrungen sein. Das ist zum Beispiel der Sportstudent, der sich kompliziert den Knöchel bricht, oder der Chemiestudent, der bei dem Hantieren mit chemischen Substanzen erstmals eine Allergie entwickelt. Deswegen ist es ganz wichtig, dass man sich spätestens im Verlauf des dritten Semesters absolute Sicherheit verschafft, ob das derzeitige Studium auch das richtige ist. Leider kommen die meisten erst, wenn sie schon einen Ablehnungsbescheid haben. Es ist wichtig, dass man sich bei streitigen Anspruchsvoraussetzungen frühzeitig durch persönliche Kontaktnahme mit dem BAföG-Amt oder dem BAföG-Berater informiert.

Bekomme ich im Auslandsemester BAföG? Wie finanzieren sich meine ausländischen Kommilitonen?

Das Auslandsstudium wird förderungsrechtlich bis zu zwei Semester außen vor gelassen und fällt somit nicht in die Regelstudienzeit. Möchte ein ausländischer Student ein Auslandsemester bei uns absolvieren, wird es mit der Finanzierung sehr schwierig. Die sogenannten Bildungsausländer müssen nachweisen, dass sie zumindest die ersten zwei Semester finanziell abgesichert sind. Dies wird im Heimatland des Studierenden getan. Erst nachdem er einen Bürgen gefunden hat, kann er hier studieren.

Wie kann ich reagieren, wenn mir meine Eltern den Unterhalt verweigern?

In solchen Fällen können Studierende eine Vorausleistung vom Amt für Ausbildungsförderung anstelle des elterlichen Unterhalts bekommen. Das Amt wird dann im Auftrag des Landes versuchen, diesen Anspruch zivilgerichtlich einzufordern. Ein an dem Wohnort der Eltern befindliches Familiengericht bestimmt dann, ob und in welchem betragsmäßigen Umfang diese unterhaltsverpflichtet sind. Die Unterhaltspflicht der Eltern umfasst eine angemessene Ausbildung bis zu zwei Semester über der Regelstudienzeit. Lässt man sich beim Studieren zu lange Zeit, kann der Ausbildungsanspruch verwirken. Es gilt das Gegenseitigkeitsprinzip. Eltern zahlen und der Studierende muss im Gegenzug Leistung erbringen. Die Eltern können auch verlangen, dass das Kind ihnen gegenüber die Leistung darlegt. Sie könnten zum Beispiel die Zahlung einstellen, wenn der Studierende seine Studienverpflichtungen so vernachlässigt, dass mit einem Studienerfolg in angemessener Zeit nicht mehr zu rechnen ist.

Über Yvette Hennig

Ehemaliger Mitarbeiter

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Erstellt: 20.02. 2011 | Bearbeitet: 20.02. 2011 12:58