Jul 2011 hastuINTERESSE Nr. 37 0

Vom Suchen und Finden einer Idee

Wer nicht darauf warten möchte, von der Muse geküsst zu werden, dem sollen unsere gesammelten Kreativitätstechniken und Tipps helfen.

Vier Grundregeln für mehr Kreativität:

1. Keine Kritik: Während der Ideenphase solltet Ihr darauf verzichten, gleich kritisch darüber nachzudenken, ob die Idee Gehalt hat. Dafür habt Ihr später noch genug Zeit. Außerdem verschwinden dadurch Ideen, die nur auf den ersten Blick »schlecht« sind.

2. Keine Hierarchie: In der Gruppe sollte es zu Beginn keine Rangordnung geben; alle Ideen sind gleich gut.

3. Quantität vor Qualität: Zögert nicht, jeden noch so absurden Gedanken aufzuschreiben, der Euch durch den Kopf geht. Fast nie ist der erste Einfall der beste.

4. Fragen formulieren: Die Ausgangslage für jede Überlegung sollte eine Frage, kein Problem sein. Fragt Euch nicht, warum die Hausarbeit blöd ist, sondern wie man sie verbessern kann.

Writing is easy. You only need to stare at a piece of blank paper until your forehead bleeds. (Douglas Adams)

Eine Methode, 108 Ideen: Brainwriting

Das Brainwriting, auch 6-5-3-Methode genannt, entwickelte sich aus dem Klassiker der Ideenfindung, dem Brainstorming. Wie sich aus dem Namen bereits ergibt, werden dabei die Problemlösungen direkt aufgeschrieben.

Dazu braucht man sechs Personen, die innerhalb von fünf Minuten drei Ideen auf ein Blatt Papier schreiben. Dieses wird nach der genannten Zeit an den nächsten weitergegeben. Dann werden wieder innerhalb von fünf Minuten drei Vorschläge aufgeschrieben, oder die vorhandenen weiterentwickelt. Dieser Prozess geht reihum, bis jeder Teilnehmer seine Ideen oder Ergänzungen niedergeschrieben hat. So ergeben sich am Ende 108 Ideen, wenn jeder auf jedem Blatt drei neue Punkte notiert hat.

Dies ist eine sehr ergiebige Methode, die bei erfolgreicher Ausführung stufenweise viele Lösungen hervorbringt. Natürlich lässt sie sich auch mit weniger Teilnehmern, Minuten oder Ideen durchführen. Die Vorteile liegen dabei in der Masse der Ideen. Die ständige Weiterentwicklung der gebrachten Vorschläge führt außerdem zu qualitativ besseren Ergebnissen und eignet sich so auch für komplexere Probleme. Für schüchterne Teilnehmer ist es ein Weg, ihren Ideen einzubringen, ohne vor der Gruppe sprechen zu müssen.

Allerdings erfolgt das Brainwriting auch weniger spontan, erfordert mehr Einsatz und ist aufwendiger in der Auswertung.

Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnelle Pferde. (Henry Ford)

Verkehrte Welt spielen – die Kopfstandtechnik

Einfache Lösungen sind immer die schönsten. Oft klappt es aber nicht, auf eine knifflige Frage eine schnörkellose und elegante Antwort zu finden.

Warum nicht einmal den Spieß umdrehen? Bei der Kopfstandtechnik kommt es darauf an, zuerst das eigentlich Ziel zu verneinen. Für dieses »Anti-Ziel« werden dann »Anti-Lösungen« gesucht. Aus diesen können dann häufig wichtige Ansätze zur Lösung der eigentlichen Frage gewonnen werden.

Das eigentliche Problem könnte zum Beispiel lauten: »Ich habe am Ende des Monats kein Geld mehr.« Die Umkehrung der Frage wäre: »Wie schaffe ich es, mein Geld noch schneller auszugeben?« Mögliche Anti-Lösungen wären dann beispielsweise, nicht auf die Preise bei Lebensmitteln zu achten, häufiger in Restaurants essen zu gehen, jedem Kaufrausch nachzugeben und nicht darüber nachzudenken, wie viel Geld man in diesem Monat schon ausgegeben hat.

Daraus ergeben sich dann Lösungsansätze für das richtige Problem: Ein Haushaltsbuch zu führen, die Preise von Lebensmitteln zu vergleichen, öfter selbst zu kochen und darüber nachzudenken, ob man den gerade heiß begehrten aber in Wirklichkeit total blödsinnigen Gegenstand wirklich braucht oder ihn nach zwei Minuten direkt wieder entsorgen würde.

Der Nachteil der Methode: Häufig kommen bei den Problemlösungen Selbstverständlichkeiten heraus, die Ihr vielleicht schon vorher wusstet. Der Vorteil davon: Ihr habt sie schwarz auf weiß.

»If you can dream it, you can do it« die Walt-Disney-Methode

Die Walt-Disney-Methode geht – natürlich – auf den legendären Comiczeichner zurück. Für diese Technik benötigt Ihr drei Personen: den Träumer, den Realisten und den Kritiker. Disney soll alle drei Positionen selbst eingenommen haben, um auf seine Ideen zu kommen. Damit Ihr nicht zwangsweise schizophren werdet, empfehlen wir drei Personen, die jeweils eine Rolle einnehmen. Damit sich die Personen nicht gegenseitig beeinflussen, sollten sie räumlich voneinander getrennt an der Umsetzung des Projektes bzw. an den Ideen arbeiten.

Der Visionär überlegt sich ein zukünftiges Szenario und legen damit die Ziele für das Projekt fest. Wichtig für den Visionär ist es, durchgehend positiv zu denken und sich nicht an der konkreten Gestaltung der Umsetzung aufzuhalten.

Der Realist ist dafür zuständig, die Visionen umzusetzen: Er arbeitet die Ziele und Wünsche des Visionärs in die tatsächlichen Rahmenbedinungen ein. Der Realist gibt an, welche Schritte für die Ziele notwendig sind.

Die Kritiker sind die »Miesepeter«. Sie analysieren kritisch, welche Probleme und Risiken die Vorschläge des Realisten mit sich bringen. Dabei darf der Grundgedanke, dass das Problem zu lösen oder das Ziel realisierbar ist, nicht vernachlässigt werden.

Damit die Methode wirklich Erfolg hat, ist es wichtig, die drei Personen voneinander zu trennen: Der Visionär darf bei der Findung der Ziele nicht von den anderen gestört oder kritisiert werden. Der Realist sollte sich nicht durch eventuelle Probleme einschränken lassen. Der Kritiker muss einen Spagat zwischen Objektivität und Vertrauen in die Ziele versuchen.

Ideen sind wie Kinder: Die eigenen liebt man am meisten. (Lothar Schmidt)

Wenn nichts mehr geht…

Manchmal fällt einem trotz oder gerade wegen der großen Gedankenmühen nichts mehr ein. Was dann hilft?

1. Ruhe bewahren: Man muss sich selbst positiv zureden, um den Druck zu nehmen. Dann können die Gedanken wieder besser fließen.

2. Abschalten: Entspannende Musik hören, ein Spaziergang an der frischen Luft, ein lockerer Abend mit Freunden. Zwischen all dem Tatendrang und Zeitdruck muss man sich auch eine Auszeit gönnen. Dabei sammelt man neue Eindrücke, und manchmal überrascht einen der Zufall mit einer schönen Idee.

3.Refugium: Sucht Euch einen Ort, der Euch inspiriert und an den Ihr Euch zurückziehen könnt, damit keiner Eure Gedankengänge stört.

 

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
Ehemaliger Mitarbeiter
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Erstellt: 22.07. 2011 | Bearbeitet: 14.11. 2011 16:33