Nov 2011 hastuINTERESSE Nr. 38 0

Unterschreiben Sie hier, dann nur noch Koffer packen

Interkulturelle Kompetenz. Eine einmalige Erfahrung. Und nie wieder im Leben so einfach. All das habe ich mir in den letzten Jahren von älteren Studenten zum Thema Auslandssemester angehört. »Schau mal zu, dass du das organisiert bekommst!« raunte mir noch vor wenigen Monaten auf einer Party ein Burgstudent ins Ohr. Die Tatsache, dass ich schon im Masterstudium bin, aber noch nicht weg war, traf regelmäßig auf Verwunderung oder sogar Empörung.
Dabei ist es nicht so, dass ich nicht wollte. Ganz im Gegenteil, ich konnte es kaum erwarten, mal rauszukommen. Aber nicht irgendein Land bitteschön! Besonders Nordeuropa und die britischen Inseln hatten es mir angetan. So beschloss ich vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und mich um ein Studium im Ausland zu kümmern. Von Erasmus hat ja wahrscheinlich jeder schon einmal etwas gehört und wie herrlich einfach das den Austausch zwischen den europäischen Unis macht.
Anfang 2010 saß ich zum ersten Mal mit leuch-tenden Augen im Büro des Akademischen Auslandsamtes am Universitätsring. Hier wurde ich aufgeklärt, dass der Austausch per Erasmus-Stipendium nur mit gegenseitigen Abkommen funktioniert, die jeder Fachbereich individuell abschließt.
Meine Pläne waren andere: In Leicester (Großbritannien) hatte ich eine Uni entdeckt, die einen Studiengang anbot, der inhaltlich gut zu meiner Bachelorarbeit passte. Perfekt!
Leider sah das die Leiterin meines Instituts nicht so. Erasmus-Abkommen erfordern einen regelmäßigen Austausch sowohl zwischen Studenten als auch zwischen Lehrenden. Wieso sollte man in Leicester an uns interessiert sein? Und erst die Kosten für die Dozenten! – Erasmus war für mich in diesem Moment gestorben. Kein passendes Abkommen, kein Austausch.
Meinen Bachelor bestand ich auch ohne Auslandsaufenthalt. Aber wann wäre die Gelegenheit wegzugehen besser gewesen als direkt danach? Zwischen Bachelor und Master kam ich auf die Idee, im Ausland zu arbeiten. Ein Praktikum wird schließlich auch gefördert.
Für Absolventen (wie mich in diesem Fall) heißt das entsprechende Förderprogramm Leonardo. Die Koordinatorin dazu sitzt in Magdeburg. Von ihr erhielt ich nach Beantragung eine Liste mit Praktikumsstellen in Europa, die sich in den letzten Jahren bewährt hatten. Für mein Fach war nicht allzu viel dabei, trotzdem bewarb ich mich. Leider ohne Erfolg. Wieder verloren.
Anfang dieses Jahres verabschiedeten sich zwei Kommilitonen von mir für längere Praktika an verschiedene Goethe-Institute. Und hier kam mir ein letzter Hoffnungsschimmer. Ein winziges Praktikum nur in den Semesterferien könnte ich ja machen. Ich überprüfte, welche europäischen Goethe-Institute Praktikanten für zwei oder drei Monate nehmen würde. Es blieben: Warschau, Budapest und Stockholm. An alle drei schrieb ich Bewerbungen. Die ersten beiden wurde rasch abgelehnt. In Stockholm war zufällig gerade eine Freundin von mir im Goethe-Institut als Praktikantin beschäftigt, als meine Bewerbung (zusammen mit 80 anderen) auf den Tisch kam. Und sie hat das dann geregelt. Ab Februar 2012 bin ich in Schweden!
Ob meine Hartnäckigkeit belohnt wurde? Ich glaube nicht. Ich denke, ich hatte einfach nur Glück. Und nachdem ich nun weitere dreimal im Akademischen Auslandsamt unserer Uni war, weiß ich jetzt auch welche Förderung ich beantragen darf: Erasmus-Praktikum. Das kennt Ihr noch nicht? Wozu auch? Es ist ja alles so furchtbar einfach zu regeln.

Über Angela Unger

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Erstellt: 14.11. 2011 | Bearbeitet: 23.12. 2011 13:47