Jul 2011 hastuUNI Nr. 37 0

„Unsere einzige Hoffnung»

Zu wenig Platz im neuen GSZ: Studierende sammeln Unterschriften

Dass die Pläne zum geistes- und sozialwissenschaftlichen Zentrum (GSZ) unter starkem Kostendruck stehen, ist schon seit einem Jahr bekannt. Als die Universität und der Landesbetrieb Bau am 19. Mai dieses Jahres ein Modell des neuen GSZ-Campus präsentierten, war der Unmut dennoch groß. Mehr als Außenansicht und Nutzfläche der Bauten stehen noch nicht fest – die Abrissbagger sind zwar schon seit Mitte Juli zugange, der Neubau soll aber erst im kommenden Jahr beginnen. Doch auch ohne genaue Kenntnis der Raumaufteilung ist bereits klar, dass es eng wird im neuen GSZ, sehr eng. So soll rechnerisch nur ein Seminarraum je Institut vorgesehen sein, »dabei sind an größeren Instituten wie der Politikwissenschaft und Japanologie schon jetzt die meisten Räume ausgelastet«, meint Joachim Langner, der studentisches Mitglied im Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät I ist, wo die kostensenkenden Pläne des Landes ebenfalls für Ärger sorgen. Zusammen mit Kommilitonen formulierte Joachim einen offenen Brief und eine inhaltsgleiche Online-Petition. Titel und Tenor: »Das GSZ muss dem Bedarf entsprechen!«

Fast schon ein Biotop: die ehemalige Pflanzenzucht der landwirtschaftliche Fakultät (Foto: Tom Leonhardt)

Nicht nur bei der Lehre, auch bei der Forschung ist Schmalhans Baumeister: »Die Räume für Drittmittelprojekte sind auf dem Stand von vor ein paar Jahren geplant, aber die Uni wird neuerdings vom Land gedrängt, möglichst viele Drittmittel einzuwerben. Für neue Projekte sind natürlich auch neue Räume nötig.« erläutert Joachim. Und selbst bei den Professoren ist der Platzmangel vorprogrammiert: Für drei Lehrstühle an der Orientalischen Archäologie und Ethnologie seien nur zwei Räume vorgesehen, und die beiden Dekanate der PhilFak I und II müssten sich einen Raum für die Dekane und einen Raum für die Sekretariate teilen.

Auf den engen Fluren seien nicht einmal Wartemöglichkeiten für Sprechstunden vorgesehen. An Räume für Fachschaften und Institutsgruppen sei unter diesen Umständen erst gar nicht zu denken, meint Joachim, auch wenn der Kanzler der Uni, Dr. Martin Hecht, gegenüber TV Halle Zuversicht verbreitet, dass die vielen Institute am neuen GSZ sich untereinander einigen könnten, um den Fachschaftsräten fünf Räume zur Verfügung zu stellen.

Die Bibliothek auf dem GSZ-Campus soll ein Stockwerk weniger und damit nur 4400 statt 5500 Quadratmeter bekommen. Vor einem Jahr fand der damalige Bauminister Daehre diese Sparmaßnahme »vertretbar«, angesichts der fortschreitenden Digitalisierung. In den betroffenen Fakultäten wird diese Ansicht nicht geteilt. Raum für Neuerwerbungen bleibt da kaum, die Universitäts- und Landesbibliothek sondert bereits doppelt vorhandene Exemplare aus und beschied Prof. Rahul Peter Das von den Südasienwissenschaften, dass sie aus Platzgründen eine Buchschenkung von 70 Regalmetern aus Berlin nicht genehmigen könne. »Angesichts der sich abzeichnenden sehr misslichen Lage« zeigt Prof. Das gegenüber hastuzeit zwar Verständnis für diese Haltung. Die Bücher hat er vorerst in seinen Diensträumen untergebracht. Dennoch könne das »natürlich nicht die Lösung des Problems sein, denn Bücher sind für einen Geisteswissenschaftler sein Labor und seine Arbeitsmaterialien.«

Um den Kostenrahmen einzuhalten, wurde sogar an der Barrierefreiheit gespart. Das Gebäude der ehemaligen Tierklinik, wo unter anderem einmal die Archäologie einziehen soll, wird nur teilweise per Aufzug erschlossen.

Veraltet, abrissbereit? Viele Teile auf dem Gelände sind noch aus DDR-Zeiten (Foto: Tom Leonhardt)

Joachims offener Brief bekam schnell Unterstützung vom Studierendenrat, mehreren Fachschaften und politischen Hochschulgruppen. Bei Redaktionsschluss hatte die Online-Petition bereits ca. 750 Unterzeichner, nicht mitgerechnet diejenigen, die den offenen Brief in Papierform unterschrieben haben. Professoren oder seinen Fakultätsrat konnte Joachim aber nicht dazu gewinnen, als Erstunterzeichner aufzutreten: »Sie stehen mit einem großen Konsens hinter den Forderungen, halten es aber für strategisch sinnvoller, den offenen Brief nur zu ›unterstützen‹, damit es eine studentische Initiative bleibt«, erläutert Joachim und wirkt dabei nicht sehr überzeugt. Lieber erzählt er vom Zuspruch, den die Studierenden erfahren haben. So meinte ein Professor: »Wir haben getan, was wir konnten, nun sind die Studenten unsere einzige Hoffnung.« Und ein anderer: »Die Studenten haben die Belange der Fakultät besser vertreten als das Rektorat. Das können Sie ruhig so nach außen kommunizieren.«

Dass das Land seine Pläne aufgrund der Petition noch einmal grundsätzlich ändern könnte, daran glaubt auch Joachim nicht so recht. Er hofft aber auf eine pragmatische Lösung der Raumknappheit, sei es über einen Anbau oder indem weiterhin Gebäude für die Universität angemietet werden: »Bei den Forderungen sind wir bewusst nicht ins Detail gegangen.«

Den Link zur Petition findest Du hier.

Über Konrad Dieterich

Redakteur.

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Erstellt: 22.07. 2011 | Bearbeitet: 26.04. 2012 16:49