Feb 2011 hastuPAUSE Nr. 35 0

»Staatliche Kultur bekommt zu viel Geld«

hastuzeit sprach mit Nico Käfer, dem Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der freien Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts über das Projekt Schauburg und die hallische Kulturlandschaft.

Nico Käfer plant die Geschicke der Schauburg. Foto: Jan Jankowski

Nico Käfer plant die Geschicke der Schauburg. Foto: Jan Jankowski

Kommen wir direkt zum Schwerpunkt: Warum bekommt das Projekt Schauburg keine Spendengelder?

Die Menschen müssen erst einmal daran glauben. Im Moment glaubt niemand daran, weil noch nichts passiert. Für die Leute ist es schwer zu spenden, solange nichts zu sehen ist.

Wie will man der Tatsache, dass so schnell auch nichts zu sehen sein wird, entgegentreten?

Wir wollen so schnell wie möglich das Foyer herrichten und einen Schautag veranstalten, an dem wir Interessierte über das Gelände führen. Zusätzlich wollen wir alles, was an Originalen erhalten geblieben ist und zu retten war, zeigen. Das heißt Teile der alten Stuckdecke, die Marmor-Wandverkleidungen und die Toiletten.

Du warst früher für Public Relations, Eventmanagement und als Schauspieler in der Theatrale tätig, die bekanntermaßen Insolvenz anmelden musste. Warum wird das Projekt Schauburg funktionieren?

Künstler sind nicht in der Lage, solch eine Einrichtung vernünftig zu führen. Man kann nicht auf der Bühne stehen und gleichzeitig versuchen, so ein Ding zu machen. Wir verstehen uns eher als Verwalter und stellen nur die Räume, das Personal und die Logistik zur Verfügung.

Aber das größte Problem stellten in der Theatrale scheinbar die immensen Betriebskosten dar. Drei bis fünf Prozent des Geldes, welches die Menschen in und um Halle derzeit bereit sind, für Kultur auszugeben, reicht, um die Schauburg zu finanzieren.

Und was die Heizung angeht, so werden wir erst mal Feldöfen der schwedischen Armee aufkaufen. In denen kann man alles verheizen: Diesel, Pflanzenöl, Kerosin, Benzin, Heizöl, Holz, einfach alles. Und sie haben eine gute Wärmeeffizienz und stoßen kaum Abgase aus.

Davon ausgehend, dass es zur Eröffnung kommt – warum braucht Halle und die hiesige Kulturlandschaft die Schauburg?

Wenn man den Bürgern einer Stadt nur Staatstheater vorsetzt, kann man auch das Ein-Parteien-System wieder einführen. Die staatlichen Theater spielen am Rezipienten vorbei. In unserer pluralistischen Gesellschaft ist die Etablierung eines freien Theaters zwingend notwendig, um den staatlichen Theatern etwas entgegensetzen zu können.

Und was will man entgegensetzen?

Was wir brauchen, ist ein bodenständiges Theater, das uns Geschichten erzählt. Halles Theaterbesucher haben den Wunsch nach mehr Konvention und klassischen Stücken. Staatliche Kultur bekommt zu viel Geld. Und mit diesem Budget werden absurde Inszenierungen auf die Beine gestellt. Man liefert dem Publikum zu skurrile und experimentelle Stücke.

Über Philipp Schreiner

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Erstellt: 19.02. 2011 | Bearbeitet: 22.02. 2011 19:37