Mai 2011 hastuINTERESSE Nr. 36 0

Qualitätskontrolle für die Wissenschaft

Alles muss effizienter gemacht werden. Am besten auch Wissenschaft und Forschung. Dabei ist es oft schwierig, verlässliche Kriterien für den »Erfolg« von Wissenschaftsdisziplinen anzugeben.

»Denken Sie nicht, dass die Exzellenzinitiative nur Vorteile gebracht hat«, kommentiert Prof. Dr. Heinz-Hermann Krüger sein neues Forschungsprojekt. Krüger selbst kennt die Bildungs- und Wissenschaftsforschung aus verschiedenen Perspektiven – neben seiner Tätigkeit als Professor ist er auch DFG-Gutachter für Forschungsvorhaben. Gemeinsam mit seinen Kollegen will der Professor für Pädagogik unter anderem die Folgen der deutschen Exzellenzinitiative untersuchen. Ursprünglich war der Wettbewerb dazu gedacht, universitäre »Leuchttürme« zu fördern. Mit diesen besonders erfolgreichen Disziplinen sollten die Universitäten ihr Profil schärfen. Aber auch kleinere Fächer sollten insgesamt davon profitieren. »In der Realität sieht das Ganze anders aus: Die nicht-exzellenten Fächer bekommen keine zusätzlichen Gelder.« Und insgesamt sei eine starke Polarisierung zwischen den Hochschulen und den Fächern zu befürchten.

Krüger ist einer der »Bildungsforscher« aus Halle. Diese untersuchen, wie sich bestimmte Initiativen in der Bildungslandschaft nach ein paar Jahren durchgesetzt haben und welche Folgen sie mit sich bringen. Dazu analysieren die Forscher beispielsweise Statistiken und führen Expertengespräche mit Hochschulrektoren und -lehrern. »Man darf das Bildungs- und Wissenschaftssystem nicht abgetrennt vom Rest der Welt betrachten«, mahnt Krüger. Es gehe bei der Evaluierung immer auch darum, die gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen mit einzubeziehen. »Dazu gehört zum Beispiel der Druck der internationalen Gemeinschaft, der auf Deutschland während der Umstellung auf Bachelor und Master ausgeübt worden ist.«

Ob und wie man die wissenschaftliche Effizienz einer Hochschule messen könne, darüber ist sich Krüger unsicher: »Im Bereich der Hochschulforschung, also auch in den bekannten Rankings, wird häufig nur der wissenschaftliche Output gemessen.« Wichtige Faktoren für solche Rankings wären zum Beispiel die Anzahl von Publikationen pro Jahr, die Ausstattung der Universität und die Zufriedenheit der Studierenden. »Bei den Publikationen geht es dann nicht nur darum, wie häufig publiziert wird, sondern auch in welcher Fachzeitschrift. Da ist dann ein kleiner Artikel in der renommierten Science mehr wert als ein längerer Aufsatz in einer geisteswissenschaftlichen Zeitung …« Science ist eine der berühmtesten Zeitschriften für Naturwissenschaften. Forscher gelten als etabliert, wenn sie dort publizieren. Für Geistes- und Sozialwissenschaftler gibt es zwar auch solche Zeitschriften. Diese gelten aber oft als weniger bedeutend, weil sie vermeintlich keine »harten Fakten« lieferten. Dadurch wäre es schwer, so Krüger, sinnvolle Vergleiche zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften anzustellen: »Weder Luhmann noch Habermas würden diesen Effektivitäts-Kriterien entsprechen.«

Der »Elite«-Gedanke ist in Deutschland noch relativ jung und erst seit wenigen Jahren im politischen Diskurs angekommen. In anderen Ländern dagegen haben sich regelrechte Elite-Gesellschaften ausgebildet. »Das klassische Beispiel sind die USA mit ihren privaten Hochschulen, die immer einen Elite-Touch haben«, so Krüger. Besonders interessant sei in diesem Zusammenhang aber auch Frankreich: »Hier gibt es neben Eliteuniversitäten auch Elitegymnasien. Um dort reinzukommen, muss man häufig einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht angehören.«

Illustration: Susanne Wohlfahrt

Über Tom Leonhardt

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Erstellt: 13.05. 2011 | Bearbeitet: 22.07. 2011 17:24