Feb 2011 hastuUNI Nr. 35 1

Parteien zur Wahl

Am 20. März fin­den in Sach­sen-An­halt Land­tags­wah­len statt. ha­stu­zeit woll­te mehr über die hoch­schul­po­li­ti­schen Po­si­tio­nen der Par­tei­en er­fahren.

Habt Ihr Euch schon ent­schie­den, bei we­lcher Par­tei Eu­re Zweit­stim­me am bes­ten auf­ge­ho­ben ist? Wir ha­ben den hoch­schul­po­li­ti­schen Spre­che­rin­nen und Spre­chern ei­ni­ge Fra­gen ge­schickt und hof­fen, dass ih­re Ant­wor­ten Euch bei der Ent­schei­dung hel­fen. Na­tür­lich las­sen sich die The­men auf dem be­grenz­ten Platz un­se­res Hef­tes nicht er­schöp­fend be­han­deln – fragt also für ge­nau­e­re In­for­ma­tio­nen ru­hig selbst bei den Par­tei­en nach.

1. In Thüringen gibt das Land den Hoch­schu­len für 2011 deut­lich we­ni­ger Geld, als es in Ver­ein­ba­run­gen zu­ge­si­chert hat. Ein Ar­gu­ment der Lan­des­re­gie­rung wa­ren die Bun­des­mit­tel aus dem Hoch­schul­pakt 2020, die aber ei­gent­lich für zu­sätz­li­che Stu­dien­plät­ze be­stimmt sind. Wie wird es in Sachsen-Anhalt nach der Wahl aus­se­hen? Kön­nen sich die Hoch­schu­len wirk­lich auf die Ziel­ver­ein­ba­run­gen ver­lassen, oder dro­hen auch bei uns wei­te­re Kürzungen?

2. In den kommenden Jah­ren wer­den zu­sätz­li­che Stu­dien­plät­ze für die dop­pel­ten Ab­i­tur­jahr­gän­ge be­nö­tigt. Da­zu ha­ben Bund und Län­der den Hoch­schul­pakt 2020 geschlossen. Nach der Ab­schaf­fung der Wehr­pflicht ist nun mit noch mehr Stu­dien­be­wer­bern zu rech­nen. Wie sol­lte das Land darauf re­agieren?

3. Welche Rolle spielt für Sie die ver­fas­ste Stu­die­ren­den­schaft?

4. Was ist das Besondere an der Hoch­schul­po­li­tik Ih­rer Partei?

Eva Feußner, bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin (CDU-Fraktion)

Eva Feußner (CDU)

1. Die CDU-Fraktion steht zu den von der Lan­des­re­gie­rung Sach­sen-An­halt in den Ziel­ver­ein­ba­run­gen ein­ge­gan­ge­nen ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen. Es wird kei­ne da­rü­ber hi­naus ge­hen­den Maß­nah­men, die even­tu­el­le Kür­zun­gen be­inhal­ten könn­ten, ge­ben. Im Ge­gen­teil: Die Mit­tel des Hoch­schul­pak­tes des Bun­des sol­len quo­tiert auf die Hoch­schu­len des Lan­des ver­teilt werden.

2. Alle bis­he­ri­gen Prog­no­sen über Stu­dien­be­wer­ber­zah­len wa­ren Ma­ku­la­tur oder über­ar­bei­tungs­be­dürf­tig. Das Land hat den Dop­pel­ab­i­tur­jahr­gang gut vor­be­rei­tet und die Hoch­schu­len ha­ben die­sen gut ver­kraf­tet. Wir freu­en uns über je­den Stu­dien­be­wer­ber, auch aus an­de­ren Bun­des­ländern.

3. Die verfasste Stu­die­ren­den­schaft ist ein be­le­ben­des Ele­ment des Hoch­schul­le­bens und wird von uns un­ter­stützt.

4. Die CDU-Fraktion tritt für eine aus­kömm­li­che Fi­nan­zie­rung der Hoch­schu­len un­se­res Lan­des ein, die als Mo­tor der In­no­va­tion gel­ten und die nur so dieser Auf­ga­be ge­recht wer­den kön­nen. Die CDU setzt sich in­ten­siv für die Frei­heit der Wis­sen­schaft und die Au­to­no­mie der Hoch­schu­len ein. Dies war und ist eine Dau­er­auf­ga­be, der wir uns ver­schrie­ben ha­ben. Nur so kann es ge­lin­gen, auf dem Ge­biet der For­schung Spit­zen­leis­tun­gen zu er­zie­len. Die­sem Ziel füh­len wir uns ver­pflichtet.

Hendrik Lange, Spre­cher für Wis­sen­schafts- und Hoch­schul­politik (Frak­tion Die Linke)

Hendrik Lange (Die Linke)

Hendrik Lange (Die Linke)

1. Die Hochschulen des Lan­des be­fin­den sich am fi­nan­ziel­len Li­mit und ha­ben mehr Stu­die­ren­de als Stu­dien­plät­ze. DIE LIN­KE schließt im Wahl­pro­gramm des­halb Kür­zun­gen aus. Den Hoch­schu­len muss das vol­le Bud­get in der Ziel­ver­ein­ba­rungs­pe­ri­o­de zur Ver­fü­gung ste­hen. Das schließt die Mit­tel aus dem Hoch­schul­pakt mit ein.

2. Eine bessere Stu­dien­be­ra­tung sol­lte Stu­dien­be­wer­ber auf die at­trak­ti­ven An­ge­bo­te auf­merk­sam ma­chen, die der­zeit noch nicht aus­ge­las­tet, aber als Ab­schluss vom Ar­beits­markt sehr nach­ge­fragt sind. Das be­trifft be­son­ders den na­tur­wis­sen­schaft­lich-tech­ni­schen Be­reich, in dem sich der Fach­kräf­te­man­gel ab­zeichnet.

3. Die verfassten Stu­die­ren­den­schaf­ten mit einem po­li­ti­schen Man­dat sind für uns ein he­raus­ra­gen­des Ins­tru­ment der Hoch­schul­de­mo­kra­tie. Sie ha­ben in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der wich­ti­ge kri­ti­sche An­re­gun­gen ge­geben und leis­ten ei­nen gro­ßen An­teil an der Wah­rung der Rech­te der Stu­die­ren­den. Da­her gilt auch für die Zu­kunft: Ei­ne Ab­schaf­fung der ver­fass­ten Stu­die­ren­den­schaft oder ih­res po­li­ti­schen Man­dats wird es mit der Par­tei DIE LIN­KE nicht geben.

4. DIE LINKE tritt für ein ge­büh­ren­frei­es Stu­di­um ein und möch­te auch die Lehr- und Lern­mit­tel­ge­büh­ren ab­schaf­fen. Die Frei­heit und die Ein­heit von For­schung und Leh­re sind Er­folgs­fak­to­ren im Hoch­schul­sys­tem und sol­len er­hal­ten blei­ben. Frei­heit im Stu­di­um ist not­wen­dig, um ei­nem eman­zi­pa­to­ri­schen Bil­dungs­ide­al ge­recht zu wer­den. Das be­deu­tet auch, dass je­dEr, die/der einen Ba­che­lor­ab­schluss er­langt hat, das Recht auf ei­nen Mas­ter­stu­dien­platz ha­ben muss. Wir tre­ten für Ent­schei­dungs­rech­te al­ler Sta­tus­grup­pen in pa­ri­tä­tisch be­setz­ten Gre­mien ein. Und: Grund­la­gen­for­schung soll nicht gegen an­wen­dungs- und trans­fer­ori­en­tier­te For­schung aus­ge­spielt wer­den. Viel­mehr er­gän­zen sie sich.

Rita Mittendorf, Spre­che­rin für Bil­dungs- und Wis­sen­schafts­politik (SPD-Frak­tion)

Rita Mittendorf (SPD)

Rita Mittendorf (SPD)

1. Die Zielvereinbarungen sind ver­bind­li­che Ver­trä­ge zwi­schen Land und Hoch­schu­len zu ih­ren Rech­ten und Pflich­ten, an die sich beide Seiten zu halten haben. Die in den Ziel­ver­ein­ba­run­gen ver­an­ker­te Min­dest­fi­nanz­aus­stat­tung der Hoch­schu­len stellt so­mit ganz klar und ver­läs­slich eine Ver­pflich­tung des Lan­des dar. Es ist da­bei so­gar ge­lun­gen, den Hoch­schu­len zu­sätz­lich zehn Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­bes­se­rung von Stu­di­um, Leh­re und For­schung zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Bun­des­mit­tel aus dem Hoch­schul­pakt kom­men bei Er­fül­lung der Vo­raus­setzun­gen zu­sätz­lich dazu.

2. Wir werden ab­si­chern, dass min­des­tens die ge­mäß Hoch­schul­pakt ge­for­der­ten Plät­ze für Stu­dien­an­fän­ger auf­recht­er­hal­ten bzw. be­reit­ge­stellt wer­den. Mit­tel­fris­tig wird auf Grund der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung in den neu­en Bun­des­län­dern ein Rück­gang der Stu­die­ren­den­zah­len prog­nos­ti­ziert. Wir wol­len dem ent­ge­gen­wir­ken, in­dem wir al­le Maß­nah­men un­ter­stüt­zen, die da­zu bei­tra­gen, den An­teil von Stu­die­ren­den aus den al­ten Bun­des­län­dern und dem Aus­land zu er­hö­hen. Das ist kein Au­to­ma­tis­mus. Wir wol­len aber auch, dass noch mehr Ab­i­tu­ri­en­ten aus Sach­sen-An­halt auch an un­se­ren Hoch­schu­len stu­dieren.

3. Die ver­fass­te Stu­die­ren­den­schaft ist für die SPD ein un­ver­zicht­ba­rer Be­stand­teil ei­ner de­mo­kra­ti­schen Hoch­schu­le und mo­der­ner Hoch­schul­po­li­tik. Auf In­i­tia­ti­ve der SPD wur­de im Rah­men der Be­ra­tun­gen zur No­vel­lie­rung des Hoch­schul­ge­set­zes 2010 das im Ent­wurf des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums ge­stri­che­ne po­li­ti­sche Man­dat der Stu­die­ren­den­schaft wie­der im Ge­setz ver­ankert.

4. Mit der SPD wird es auch zu­künf­tig kei­ne all­ge­mei­nen Stu­dien­ge­büh­ren ge­ben. Die SPD steht für eine ver­läss­li­che und auf­ga­ben­ge­rech­te Fi­nan­zie­rung der Hoch­schu­len. Wir ma­chen uns für eine Fle­xi­bi­li­sie­rung der Stu­dien­struk­tu­ren stark (u. a. stär­ke­re Wahl­mög­lich­kei­ten von Se­mi­na­ren und Vor­le­sun­gen so­wie ge­rin­ge­re Ver­schu­lung des Studiums).

Gerry Kley, bildungs­po­li­ti­scher Spre­cher (FDP-Frak­tion)

Gerry Kley (FDP)

Gerry Kley (FDP)

1. Die FDP wird sich an die vom Land mit den Hoch­schu­len ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen aus den Ziel­ver­ein­ba­run­gen hal­ten. Ei­ne Ab­sen­kung des Ge­samt­bud­gets für die Hoch­schu­len kommt für uns nicht in Fra­ge. Soll­ten sich aus der leis­tungs­ori­en­tier­ten Mit­tel­ver­ga­be un­ge­recht­fer­tig­te Be­las­tun­gen ein­zel­ner Hoch­schu­len er­ge­ben, muss ge­ge­be­nen­falls nach­ge­steu­ert wer­den. Die Hö­he der Hoch­schul­mit­tel ins­ge­samt blie­be da­von un­berührt.

2. Trotz Rekordzahlen blei­ben ab­ge­se­hen von meh­re­ren über­las­te­ten Stu­dien­gän­gen noch viele Stu­dien­plät­ze un­be­an­sprucht. Sach­sen-An­halt stellt be­reits heu­te deut­lich mehr Stu­dien­plät­ze als für den ei­ge­nen Be­darf not­wen­dig zur Ver­fü­gung. Wenn auf­grund der dop­pel­ten Ab­i­tur­jahr­gän­ge und des Weg­falls der Wehr­pflicht – den die FDP schon län­ger ge­for­dert hat – mehr Stu­die­ren­de den Weg nach Sach­sen-An­halt fin­den, ist das zu­nächst er­freu­lich. Die Stu­dien­in­ter­es­sen­ten müs­sen aber bes­ser be­ra­ten wer­den. Ge­ge­be­nen­falls müss­ten kurz­fris­tig Mit­tel et­wa für Tu­to­ri­en zur Ver­fü­gung ge­stellt werden.

3. Die Studierendenschaften kön­nen für die Hoch­schu­len wich­ti­ge Im­pul­se brin­gen. Ih­nen muss es da­bei ge­lin­gen, ei­nen grö­ße­ren Teil der Stu­die­ren­den von ih­rem Nut­zen zu über­zeu­gen, so dass diese auch an den Wah­len teil­neh­men. Ei­ne wei­te­re Kon­zen­tra­tion auf de­ren all­täg­li­che Be­lan­ge wäre der bes­te Weg.

4. Die FDP ist die Par­tei, die kon­se­quent auf Hoch­schul­au­to­no­mie und we­ni­ger auf Steu­e­rung aus dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um setzt. Seit lan­gem ha­ben wir uns da­für ein­ge­setzt, dass die Hoch­schu­len voll­stän­di­ge Per­so­nal­ho­heit, in­klu­si­ve Be­ru­fungs­recht und Bau­her­ren­ei­gen­schaft, er­hal­ten. Das Land muss dann deut­lich ma­chen, wel­che An­sprü­che es et­wa bei der In­ge­nieurs- oder Leh­rer­aus­bil­dung hat.

Claudia Dalbert, Landes­vor­sit­zen­de Bünd­nis 90/Die Grünen

Claudia Dalbert (Grüne)

Claudia Dalbert (Grüne)

1. Die Hochschulpaktmittel müs­sen wie bis­her zu­sätz­lich zu den Gel­dern aus den Ziel­ver­ein­ba­run­gen fließen.

2. Die Hochschulpaktmittel müs­sen we­gen des zu er­war­ten­den An­drangs stär­ker an den Hoch­schu­len für die bes­sere Aus­stat­tung der Leh­re und we­ni­ger für Wer­be­maß­nah­men ein­ge­setzt wer­den. Die An­zahl der Stu­die­ren­den pro Pro­fes­sur ist be­reits zu hoch. Wir wol­len über­füll­te Hör­sä­le ver­mei­den und durch bes­se­re Be­treu­ung die ho­he Stu­dien­ab­bruch­quo­te sen­ken.

3. Die verfasste Studie­ren­den­schaft ist für uns nicht ver­han­del­bar. Ins­ge­samt muss das Man­dat der be­tei­lig­ten Grup­pen (Stu­die­ren­de, Pro­fes­sor­in­nen und Pro­fes­so­ren, wis­sen­schaft­li­cher Mit­tel­bau) zu­künf­tig zu ei­ner ech­ten Drit­tel­pa­ri­tät aus­ge­baut wer­den und die Po­si­tion ge­gen­über der Hoch­schul­lei­tung und dem Land ge­stärkt werden.

4. Wir sind auch künf­tig ge­gen Stu­dien­ge­büh­ren, weil sie po­ten­ziel­le Stu­die­ren­de aus bil­dungs­fer­nen Schich­ten ab­schre­cken. Auch die vor­han­den­en Lang­zeit­stu­dien­ge­büh­ren leh­nen wir ab. Statt­des­sen müs­sen die Mög­lich­kei­ten zum Teil­zeit­stu­di­um, z. B. für Stu­die­ren­de mit Kin­dern oder mit teil­wei­ser Be­rufs­tä­tig­keit, wei­ter aus­ge­baut wer­den. Die Ver­schu­lung der Ba­che­lor- und Mas­ter­stu­dien­gän­ge ist zu er­set­zen durch eine Stu­dien­struk­tur, die wie­der ein an­spruchs­vol­les, un­bü­ro­kra­ti­sches und selbst­be­stimm­tes Stu­dium er­mög­licht. Hier­zu ge­hö­ren: kei­ne An­we­sen­heits­pflicht, freie Wahl von Do­zen­tin­nen und Do­zen­ten und Se­mi­na­ren, freie Wahl der Stu­dien­dau­er, selbst­or­ga­ni­sier­tes Ler­nen so­wie Un­ter­stüt­zung der Stu­die­ren­den in der Aus­ge­stal­tung ih­res Stu­diums. Der Wech­sel zwi­schen Hoch­schu­len im In- und Aus­land ist zu er­leich­tern. Al­len Ab­sol­ven­tin­nen und Ab­sol­ven­ten von Ba­che­lor-Stu­dien­gän­gen muss die Mög­lich­keit eines Mas­ter-Stu­diums of­fen ste­hen. Ak­kre­di­tie­run­gen ge­hö­ren durch staat­li­che Zu­las­sun­gen er­setzt. Wir wol­len das Bund-Län­der-Ko­ope­ra­tions­ver­bot drin­gend auf­he­ben, da­mit mehr Bun­des­mit­tel in die Bil­dung flie­ßen können.

Über Konrad Dieterich

Redakteur.

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Erstellt: 19.02. 2011 | Bearbeitet: 10.04. 2011 17:07