Jan 2011 hastuUNI 0

„Noch nicht im Schlaraffenland»

Der akademische Senat der Martin-Luther-Universität ver­sam­mel­te sich am 12. Ja­nu­ar zu ei­ner Son­der­sit­zung. Ei­gent­lich wol­lte man sich so früh im Jahr noch nicht tref­fen, weil über die Weih­nachts­pau­se we­nig Dis­kus­sions­wür­di­ges pas­siert. 2010/11 ist das je­doch an­ders. In den letz­ten Ta­gen des al­ten und in den ers­ten Ta­gen des neu­en Jah­res wur­den in zahl­rei­chen Sitzun­gen die For­mu­lie­run­gen der Ziel­ver­ein­ba­run­gen ver­han­delt. Die­se hät­ten be­reits An­fang 2010 fer­tig sein sol­len (hastuzeit berichtete).

„Wir sind schon sehr weit», ver­kün­de­te Rek­tor Udo Sträter nun im Be­zug auf den Fort­schritt der bi­late­ra­len Ver­hand­lun­gen zwi­schen der MLU und dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um. Ei­ne ers­te Aus­fer­ti­gung der Er­geb­nis­se lag dem Se­nat in der Son­der­sit­zung be­reits vor und wur­de lan­ge dis­ku­tiert. Un­ter an­de­rem ging es dabei um die Aus­las­tung der Uni­ver­si­tät. Für das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um gilt die MLU als nicht voll aus­ge­las­tet, ob­wohl sie bei 19 500 im­ma­tri­ku­lier­ten Stu­die­ren­den nur Per­so­nal für die Be­treu­ung von 13 700 Hoch­schü­lern hat. Die­se Para­do­xie ver­wun­der­te auch Udo Sträter an­fangs. Al­ler­dings wer­den vom Mi­nis­te­ri­um nur Stu­den­ten in­ner­halb der Re­gel­stu­dien­zeit ge­zählt. „Das Drit­tel, was drü­ber ist, wird uns nicht an­ge­rech­net», so der Rektor.

Viel Dis­kus­sions­be­darf be­stand auch im Be­zug auf die Leh­rer­bil­dung, die einen Groß­teil der Ziel­ver­ein­ba­run­gen ein­nimmt. Die MLU soll zu­künf­tig mehr Leh­rer aus­bil­den und die Ein­füh­rung eines Ba­che­lor- und Mas­ter­sys­tems an­stre­ben. Auf Nach­fra­ge ver­nein­te Pro­fes­sor Thomas Bremer, der Di­rek­tor des Zent­rums für Leh­rer­bil­dung, dies je­doch. Warum es trotz­dem in den Ziel­ver­ein­ba­run­­gen steht, bleibt frag­lich – wie manch an­de­re Din­ge auch. So sol­len Be­wer­ber für das Lehr­amts­stu­dium zu­künf­tig ei­nen Eig­nungs-Selbst­test ma­chen. Die­ser muss zur Be­wer­bung vor­ge­legt wer­den. Wie der Test aus­ge­gan­gen ist, hat al­ler­dings kei­ne Aus­wir­kung auf die Stu­dien­platz­ver­ga­be. Zu­dem wur­den mehr­fach die Fä­cher­kom­bi­na­tio­nen, die durch das Mi­nis­te­ri­um aus­ge­ar­bei­tet wur­den, mo­niert.

Ne­ben der aus­führ­li­chen Dis­kus­sion der Ziel­ver­ein­ba­run­gen gab es als zwei­ten Ta­ges­ord­nungs­punkt der Se­nats­sit­zung den Rek­to­rats­be­richt, in dem Pro­fes­sor Udo Sträter fi­nan­ziell Er­freu­li­ches zu ver­kün­den hat­te. Das De­fi­zit der Uni Halle für das Haus­halts­jahr 2011 beläuft sich nach der­zei­ti­gen Schät­zun­gen auf rund 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro. „An­ge­sichts die­ser Sum­me muss man sich über­le­gen, wie der Be­trieb auf­recht­er­hal­ten wer­den kann», gab Strä­ter zu be­den­ken. Al­ler­dings fand sich ei­ne Lö­sung für die fi­nan­ziel­le Mi­se­re. In einem Ge­spräch mit Sach­sen-An­halts Fi­nanz­mi­nis­ter Jens Buller­jahn konn­te er, zu­sam­men mit Kanz­ler Martin Hecht, ei­ni­ge Ent­las­tun­gen aus­han­deln. So müs­sen die Hoch­schu­len kei­nen Kon­so­li­die­rungs­bei­trag zu­rück­le­gen. Wenn al­so der Lan­des­haus­halt kon­so­li­diert wer­den muss, be­trifft dies die Hoch­schu­len als ein­zi­ge Ins­ti­tu­tio­nen im Land nicht. Die MLU hat so eine Mil­lion mehr von ihrem Bud­get zur Ver­fü­gung. Zu­dem wird die Ex­zel­lenz­ini­tia­ti­ve For­schung und In­no­va­tion wei­ter­ge­führt. Bis 2015 spült dies 20 Mil­lio­nen in die Kas­sen. Der wohl be­trächt­lich­ste Teil kommt al­ler­dings aus den Hoch­schul­pakt­gel­dern. 61 Mil­lio­nen be­kommt das Land Sach­sen-An­halt für fünf Jahre. Die­se soll­ten ei­gent­lich ge­staf­felt ver­ge­ben wer­den und mit nied­ri­gen Aus­schüt­tun­gen 2011 be­gin­nen. Da die Fi­nanz­la­ge der Hoch­schu­len akut schlecht ist, war der Fi­nanz­mi­nis­ter be­reit, das Geld gleich­mä­ßig auf die Jah­re zu ver­tei­len. So gibt es jähr­lich 12 Millionen. Die MLU rechnet damit, davon rund vier Mil­lio­nen zu be­kom­men. Mit die­sen Ent­las­tun­gen ist die Ar­beits­fä­hig­keit der Uni Halle 2011 ge­si­chert. Zu viel Op­ti­mis­mus will Rek­tor Udo Strä­ter je­doch auch nicht auf­kom­men las­sen: „Wir sind noch nicht im Schla­raf­fen­land.»

Über Julius Lukas

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Erstellt: 13.01. 2011 | Bearbeitet: 19.05. 2012 16:36