Jul 2011 hastuPAUSE Nr. 37 0

Metal, aber richtig!

Eine Begegnung mit der Studentenband Agamemnon

Foto: Tino Jotter

Beim Betreten des Hühnermanhattans fühlt man sich leicht in eine Parallelwelt versetzt. Das alte verfallene Fabrikgelände wird heute von den unterschiedlichsten kleinen Bands als Probe- und Auftrittsstätte genutzt, mit Musik und neuem Leben gefüllt. Eine dieser Bands ist Agamemnon. Hinter dem Namen, der auf den mykenischen Sagenkönig zurückgeht, stehen die vier Studenten Richard, Patrice, Nils und Güthi.

Der Proberaum entspricht allen Vorstellungen eines kreativen Schaffenschaos: kahle Wände mit abbröckelnder Tapete, Styropor an der Decke, Plakate und aufgestapelte Kästen Sternburger – Reste vom letzten Auftritt – und natürlich vor allem, was das leidenschaftliche Musikerherz begehrt: E-Gitarren, Verstärker, Schlagzeug, Mikros.

Richard ist 22, schreibt gerade an seiner Bachelorarbeit in Physik, Güthi, 20, studiert Archäologie und Geschichte, Nils ebenfalls Geschichte in Kombination mit Politikwissenschaft, und Patrice will Lehrer für Englisch und Informatik werden. Die Idee zur Gründung hatte Güthi. Er spielte vorher bereits in einer Punkband. Als er sich, nach eigenen Angaben, »für Metal bereit fühlte«, startete er eine Suchaktion per Stud.IP. Die Idee ging auf und seit 2010 hat sich Agamemnon fest im Hühnermanhattan etabliert. »Musik ist für mich Erholung, es macht mir einfach Spaß«, erklärt Patrice. Er spielte bereits in der Schulzeit klassische Musik auf dem Cello, bis er seine Leidenschaft für E-Gitarren und Heavy Metal entdeckte.

Sie finden Power Metal zu kitschig

Die vier Jungs in schwarzen T-Shirts, Dreiviertel-Hosen und einfachen Turnschuhen entsprechen nicht dem typischen Klischeebild von rohen Wikingern mit wilder Mähne und Bodybuildermuskeln. »Das sind die Power-Metaler, die sich auch gerne als True Metaler, also die einzig Wahren bezeichnen. Sie verkörpern alle typischen Klischees, spielen schneller, und ihre Texte sind uns zu kitschig.« erläutert Güthi. Kitschig? Nein, das sind Agamemnons Klänge wirklich nicht. Wenn sie loslegen, vibrieren die Wände. Ihre Songs sind sehr kraftvoll und rockig, laut, aber nicht lärmend, mit melodischen Gitarrensoli. Patrices raue und tiefe Stimme fügt sich wie natürlich in das Gemisch aus Gitarren und Schlagzeugklängen ein. Wenn die Finger scheinbar problemlos die Seiten rauf und runterfahren, Akkorde im Sekundentakt wechseln, Toms und Crashbecken ertönen, sieht man den Jungs die Freude, die ihnen ihre Musik bereitet, deutlich an.

Dennoch sind sie froh, sich nicht für ein professionelles Musikstudium entschieden zu haben. »Ich bereue es nicht«, erklärt Patrice, »die permanente Forderung nach Perfektionismus, Methodik und Leistung würde mir den Spaß an der Musik verderben. Für eine eigene Band hätte ich dann vermutlich keine Kraft mehr.«

Pleiten, Pech und Pannen

Am ersten April dieses Jahres war es soweit. Der erste große Auftritt im Hühnermanhattan stand an. Mitten im Song rissen Nils, dem Bassisten, zwei Seiten. Beim zweiten Auftritt ließ sich das Kabel vom Verstärker der E-Gitarre nicht mehr anschließen, woraufhin schleunigst eine neue Gitarre aufgetrieben werden musste. Diese allerdings ließ sich nicht stimmen. Doch Agamemnon machte das Beste draus.

Ihre Musik kam beim Publikum sehr gut an. Vor allem für ihren ersten eigenen Song, ein mystisch düsteres Ins-trumental, erhielten sie viel Applaus.

Nächste Auftritte in Leipzig und Halle sind in Planung. Wo es mit ihnen einmal hingehen soll? Wenn man Patrice fragt: »Am liebsten in ein kleines Eigenheim mit großem Probekeller.«

 

Über Katharina Deparade

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Erstellt: 28.07. 2011 | Bearbeitet: 29.07. 2011 15:36