Dez 2011 hastuUNI Nr. 39 0

»Lediglich ein positiver Nebeneffekt«

Umweltschutz muss sich rechnen. Die Universität hat bei stromsparenden Maßnahmen vor allem die wirtschaftlichen Aspekte im Blick.

»Wir können die Wissenschaften in ihrem Strombedarf nicht beschneiden. Deswegen haben wir da wenig Einfluss. Vor allem die Naturwissenschaften sind auf eine umfassende Stromversorgung angewiesen.« Klaus-Dieter Schubert, Mitarbeiter der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement an der MLU, spricht damit ein großes Problem des Energiesparens an.
Circa 3,5 Millionen Euro gibt die Universität im Jahr für Strom aus. Ungefähr im gleichen Bereich belaufen sich die Heizkosten. Die Uni verbraucht an Strom ungefähr 19,4 Millionen Kilowattstunden jährlich. Zum Vergleich: Im durchschnittlichen Familienhaushalt werden circa 3600 verbraucht. Die Hausverwaltung versucht an einigen Ecken zu sparen. Die Außenbeleuchtung der Universität wird zum Beispiel ab 23 Uhr runtergedimmt. Kaum einem fällt das auf, gespart wird dadurch aber nicht unerheblich. Eine Stunde vor vollen Vorlesungen wird die Heizung in den Hörsälen heruntergestellt. Feierabend- und Feiertagsabschaltung sind inzwischen schon selbstverständlich.

»Die Nachhaltigkeit ist dabei zurzeit lediglich positiver Nebeneffekt.« Wirtschaftliche Aspekte stehen noch im Vordergrund. Wo es möglich ist, wird eingespart, und wenn sowieso etwas ausgetauscht werden muss, werden energie- oder stromsparende Maßnahmen angewendet. Der bauliche Zustand einiger Universitätsgebäude führe allerdings auch Sparversuche zum Teil ad absurdum, so Schubert. Am billigsten und effektivsten könne man aber durch angemessenes Nutzerverhalten sparen, sagt er und meint damit nicht nur Studenten, die mal ein Licht anlassen, sondern auch alle anderen Mitarbeiter. »Der Mensch ist da manchmal schizophren: Wenn es nicht die eigene Tasche belastet, wird der Umgang sorgloser.« In einigen Hörsälen gibt es inzwischen Bewegungsmelder als Hilfseinrichtungen, aber auch die seien zweischneidig, denn sie unterstützen wiederum die Faulheit des Nutzers.

Für die Entsorgung des Sondermülls dagegen wurde ein Umwelt und Ressourcen schonendes Konzept entwickelt. Vor einigen Jahren haben die vier MitarbeiterInnen des Stabs Arbeits- und Umweltschutz aus eigenem Antrieb eine »Chemikalienbörse« eingerichtet. Überschüssige Chemikalien, die noch verwendet werden können, werden aussortiert und in einem Zwischenlager zum Abholen angeboten, sie stehen Studenten und Mitarbeitern kostenfrei zur Verfügung. Das gleiche wurde nun für Glasgeräte eingerichtet. »Es tut uns einfach weh, die Sachen wegzuschmeißen, wenn sie noch gebrauchsfähig sind«, erklärt Sabine Kiese, die mitverantwortlich ist für das Sonderabfallzwischenlager. Die verfügbaren Chemikalien und Glasgeräte der Börse werden aufgelistet, im Internet ist diese Liste einsehbar.

»Noch vor 20 Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, in der Saale schwimmen zu gehen«, erzählt der Abfallbeauftragte Dr. Burkhard Rensch. Damals wurden sämtliche Chemikalien noch einfach weggeschüttet. Heute werden sie gesammelt, zwischengelagert und schließlich von geprüften Firmen entsorgt. In den letzten Jahren sei das Bewusstsein für den Verbrauch und die Entsorgung von Chemikalien gestiegen. Da sind sich Kiese und Rensch einig. »Inzwischen kriegen wir manchmal so stark verdünnte Lösungen, das würde man zu Hause vermutlich als normale Kochsalzlösung in den Ausguss kippen.« Aber Sabine Kiese ist die Übervorsichtigkeit ganz recht. »Besser so als andersherum.«

Über Ronja Schlemme

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Erstellt: 27.12. 2011 | Bearbeitet: 17.04. 2012 21:12