Jul 2011 hastuUNI Nr. 37 0

Kulturschock in Eigenproduktion

Die studentische Initiative MediAH organisiert seit sieben Jahren deutsch-russischen Kulturaustausch.

Wenn aus den Fenstern des ehemaligen Instituts für Landwirtschaft in der LuWu ein buntes Stimmengewirr zu vernehmen ist, dann hält MediAH eine Sitzung ab. In diesem Moment wird vielleicht diskutiert, wer die Reisepässe zum russischen Konsulat bringt, ob die Flugbestätigung schon eingetroffen ist, der letzte Antrag auf Fördermittel angenommen wurde oder das Programm für die Workshopwoche in Kooperation mit den russischen Projektteilnehmern seine finale Gestalt annimmt. Jeder übernimmt selbstständig nach besten Wissen und Gewissen bestimmte Aufgaben, egal ob unbedarfter Ersti oder erfahrener Langzeitstudent. Das interkulturelle Medienprojekt MediAH lebt durch seine Mitglieder, Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen (Germanistik, Slawistik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, IKEAS und andere) in Deutschland und Russland. Seit 2004 wurden sechs Workshopwochen abwechselnd in Archangelsk und Halle durchgeführt. Die Schwerpunkte waren dabei breit gefächert: deutsch-russische Stereotypen, die hallische Schul- und Medienlandschaft, soziale Einrichtungen und mehr. Auch im Mai dieses Jahres hat sich erneut eine Handvoll deutscher Studenten auf die Reise nach Archangelsk ans Weiße Meer begeben, um medienpraktische Erfahrung zu sammeln und Russland zu entdecken.

Eine Plattform für alle

Foto: Franziska Samos

MediAH wandelt stetig seine Gestalt. Jedes Jahr kommen neue Teilnehmer hinzu und übernehmen den Platz und die Kompetenzen früherer Mitglieder. Toni ist seit Dezember 2005 dabei. »Für mich ist es eine Plattform, auf der deutsche und russische Studenten zusammenarbeiten, sich Gedanken über die Welt machen und Spaß haben können.«

Diese ging aus der Germanistischen Institutspartnerschaft Halle-Archangelsk hervor, welche 2004 gegründet wurde. Der daran beteiligte Professor des Lehrstuhls für Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Dr. Werner Nell, hatte die Idee, die auf Dozentenebene bereits bestehende Partnerschaft zwischen beiden Universitäten auch auf Studentenebene fortzusetzen. Deutsche und russische Studierende sollten miteinander in Kontakt kommen, aber nicht nur irgendetwas zusammen machen.

Ein gemeinsamer Nenner fand sich schließlich im Bereich der Medien. Das Besondere: es werden keine wissenschaftlich-theoretischen, sondern arbeitsperspektivisch praktische Erfahrungen gesammelt.

терпимость

Toleranz. Dies war das Motto des bereits erwähnten diesjährigen Workshops in Archangelsk. In der Auseinandersetzung mit diesem vielseitigen Begriff sind unter anderem ein Kurzfilm, ein trilingualer Podcast, eine Fotostrecke, mehrere Blogartikel und kleine Theaterstücke entstanden. »Am diesjährigen Workshop hat mich vor allem die Organisation auf russischer Seite beeindruckt«, erklärt Toni, »Sie ist mittlerweile sehr gut institutionalisiert.« Einmal dieses Gefühl des selbstständigen »etwas Schaffens«, der Begegnung mit einer uns eigentlich bekannten und doch so fremden Kultur wie der russischen miterlebt zu haben, scheint keinen daran Beteiligten mehr loszulassen. Neben Toni gibt es noch andere Mitglieder, die bereits mehrfach Workshops in Halle und Archangelsk gestaltet und geprägt haben. Was bewegte sie zu so langer und aktiver Präsenz im Projekt? Toni sieht das so: »Ich finde es spannend, die Entwicklung von MediAH nachzuvollziehen und selbst Teil dieser Entwicklung zu sein, Veränderungen zu sehen und Erfolge zu feiern.«

Wer mehr über MediAH und die diesjährige Arbeit der Gruppe erfahren will oder vielleicht selbst einmal vorbeischauen möchte, der findet auf der Seite www.mediah.de nähere Informationen.

Über Tom Leonhardt

Tom Leonhardt
Ehemaliger Mitarbeiter
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Erstellt: 22.07. 2011 | Bearbeitet: 14.11. 2011 16:33