Jul 2011 hastuUNI Nr. 37 0

Kleine Geschichte des GSZ

Worüber wird eigentlich schon so lange und so viel gestritten?

Erste Planungen dazu gab es schon 1999: Universität und Land wollen den Großteil der Institute aus den Philosophischen Fakultäten I und II, die bisher über die Stadt verstreut sind, an einem Ort zusammenbringen. Prinzipiell kann so ein gemeinsamer Standort einige Vorteile bieten: Die Universität spart Miet- und Betriebskosten, eine große Zweigbibliothek kann längere Öffnungszeiten anbieten als viele kleine, die Wege zwischen den Instituten werden kürzer.

Wo genau dieses »geistes- und sozialwissenschaftliches Zentrum« (GSZ) entstehen soll, darüber wurde zunächst heftig diskutiert. Die Stadt plädierte für das langjährige Bauloch an der »Spitze« zwischen Hallmarkt und Händelhalle. Im Mai 2006 erwarb das Bauunternehmen GP Günter Papenburg AG die Fläche von der Postbank und unterbreitete dem Land ein Angebot: 70 Prozent eines Neubaus sollten der Universität für 44 Millionen Euro überlassen werden. Land und Universität entschieden sich jedoch Ende 2006 für das alte Gelände der Landwirtschaftlichen Fakultät nördlich des Steintors an der Emil-Abderhalden-Straße, zwischen Ludwig-Wucherer- und Adam-Kuckhoff-Straße. Gutachten des Kultusministeriums und des Landesrechnungshofs hatten erhebliche Kostenrisiken im vermeintlichen Festpreisangebot von Papenburg errechnet. Auch die Nähe zur Hauptbibliothek, der Harzmensa und dem Universitätsplatz sprachen für den Standort an der Emil-Abderhalden-Straße.

Viele der historischen Gebäude werden der Abrissbirne zum Opfer fallen, das Haustiermuseum (Hintergrund, mit Graffiti) soll jedoch erhalten bleiben (Foto: Tom Leonhardt)

Lobende Worte für diese Entscheidung fand seinerzeit der Arbeitskreis Innenstadt e. V., der sich für die Erhaltung von Baudenkmälern einsetzt. Vor fünf Jahren ging er davon aus, dass die historischen Gebäude auf dem Gelände der ersten agrarwissenschaftlichen Fakultät auf deutschem Boden weitgehend erhalten bleiben. Umso erboster reagierte der Verein, als ab Mitte 2010 allmählich umfangreiche Abrisspläne durchsickerten. Die Baukosten für das GSZ, zuletzt mit 52,3 Millionen Euro veranschlagt, drohten aus dem Ruder zu laufen, aber das Kabinett wollte die Mehrkosten von ca. 7 Millionen auf keinen Fall akzeptieren. Nun soll ein Großteil der alten Gebäude beseitigt werden, um an ihrer Stelle kostengünstige Neubauten zu errichten. 2005 hat sich das Land selbst die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen, denkmalgeschützte Gebäude aus Kostengründen abzureißen.

Die Petition und der offene Brief der Studierenden richtet sich jedoch gegen die andere Maßnahme zur Kostensenkung: Sowohl die Bibliothek als auch die Institutsgebäude sollen kleiner ausfallen als geplant. Dabei wendet sich die Petition an die Landesregierung, der offene Brief ist persönlich an Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Wolff, Finanzminister Bullerjahn, Rektor Prof. Dr. Sträter und Kanzler Dr. Hecht adressiert. Indes drängt die Zeit: der Baustart wurde bereits mehrfach verschoben, aber die EU-Fördermittel in Höhe von 37 Millionen Euro verfallen Ende 2012.


Über Konrad Dieterich

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Erstellt: 25.07. 2011 | Bearbeitet: 26.04. 2012 16:54